Afrika

Wer bislang das Bild eines rückständigen Kontinents im Kopf hat, irrt sich gewaltig: Afrika holt mit großem Tempo technisch auf und treibt auch das Thema Open Data voran. Das zeigen auch die Statistiken der letzten Jahre. Die daraus abgeleiteten, interaktiv nutzbaren Visualisierungen dazu stehen Ihnen über die Plattform Open Data for Africa [25] bereit. Sie greift auf den kommerziellen Anbieter Knoema [26] zurück, der im Rahmen seiner Dienstleistung frei verfügbare Datenquellen anzapft und die Inhalte visuell aufbereitet.

Abbildung 11 zeigt die Zunahme der Internet-Nutzer zwischen 2005 und 2014 [27]. Klicken Sie auf der Karte ein bestimmtes Land an, erhalten Sie detailliertere Informationen dazu. Das Beispiel aus Abbildung 12 stellt die aktiven Kernkraftwerke auf den einzelnen Kontinenten gegenüber (Zeitraum 2013 und 2015) [28]. Durch Auswahl in der linken Liste ändern Sie den Umfang der Daten. Die Darstellung wählen Sie über die Diagramme am rechten Rand aus.

Abbildung 11: Die Zunahme der Internet-Nutzer in Afrika am Beispiel Namibia (2014).
Abbildung 12: Aktive Kernkraftwerke im globalen Vergleich (2013 und 2015).

Neben einer kontinentbezogenen Darstellung lassen sich die Daten über eine Subdomain länderspezifisch aufbereiten. Die entsprechenden Länder gestalten die Inhalte der Subdomains jeweils selbst, beispielsweise mit einem Vergleich der Regionen (Provinzen). Die Daten stehen einheitlich als Tabellen und ansprechend gestaltete Grafiken bereit, sie lassen sich als PDF exportieren [29].

Weitere offizielle Datensätze und etwas esoterische Zusammenhänge bieten unter anderem das South African Data Archive (SADA) [30], das City of Cape Town Open Data Portal [31] und Open Data Durban [32]. Als Leuchtturmprojekt gilt hingegen Code For South Africa (CfSA) [33]. Es bildet das regionale Pendant zum hierzulande bekannteren Projekt Code For Germany [34]. Beheimatet ist CfSA in der Code Bridge [35], einem Civic Tech Incubator in Kapstadt. Er finanziert sich über öffentliche Mittel und beschäftigt inzwischen dauerhaft 15 Mitarbeiter.

Über diesen Ort laufen diverse Praxisanwendungen zusammen, beispielsweise das Cape Town Budget Project [36], Mapit [37], die Parliamentary Monitoring Group und das Code For South Africa Data Portal [38]. Das Cape Town Budget Project entstand über einen Zeitraum von sechs Monaten in Zusammenarbeit mit dem Department of National Treasury. Es schlüsselt für die Öffentlichkeit auf, wofür die einzelnen Gelder des Budgets der Stadt Kapstadt verwendet werden (Abbildung 13) und macht die Ausgabenpolitik verständlicher.

Abbildung 13: Einblick in das Budget von Kapstadt.

Mapit bildet geografische Angaben auf Territorialgrenzen ab und beantwortet Fragen wie: "In welcher Provinz liegt der ausgewählte Geo-Punkt?" Mapit stammt als Fork von MySociety [39] ab (Basis: OpenStreetMap) und wurde hier speziell für Südafrika angepasst. Über eine REST-API fragen Sie den Service an und binden es somit in eigene Webdienste ein.

Das Code For South Africa Data Portal stellt die Daten und passende Webanwendungen zur Visualisierung bereit. Es kooperiert dabei mit dem kommerziellen Datendienstleister Socrata [40]. Thematisch bietet es eine Datenbank mit Medikamentenpreisen ("Wie viel kostet das von mir benötigte Medikament?"), eine Auswertung der Fahrzeiten ("Wie lange dauert mein täglicher Arbeitsweg?") sowie eine Kriminalitätsstatistik und weitere Auswertungen an.

Fazit

Wie im Open-Source-Bereich üblich, bildet der rege Austausch untereinander einen wichtigen Baustein der Fortentwicklung der Projekte. Dazu gehören beispielsweise der International Open Data Hackathon am 4. März 2017 [41] sowie Opendata.ch [42], die Konferenz der Schweizer Sektion der Open Knowledge Foundation.

Open Data erlaubt Interessierten, auf öffentlich bereitstehende Daten in elektronischer Form zuzugreifen und damit Anwendungen für den Alltag zu programmieren. Auf diesem Weg lassen sich Zusammenhänge leicht visualisieren und somit besser verstehen. Da sich die Menge der Anwendungen kaum mehr überschauen lässt, bieten Open Data Showrooms einen guten Überblick, was es bereits gibt und welche Projekte Erfolgreich zum Einsatz kommen. 

Der Autor

Frank Hofmann arbeitet in Berlin als Dienstleister mit Spezialisierung auf Druck und Satz (http://www.efho.de/). Seit 2008 koordiniert er das Regionaltreffen der Linux User Groups aus der Region Berlin-Brandenburg. Er ist zudem Co-Autor des Debian-Paketmanagement-Buches (http://www.dpmb.org).

Infos

[] Der Autor bedankt sich für Kritik und die vielfältigen Anregungen im Vorfeld des Artikels bei Mathias Stürmer (Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern), Axel Beckert, Martin Ebnöther, Benjamin Seibel (Technologiestiftung Berlin) und Guus Hoekman (Code for South Africa, Kapstadt).

[1] OpenWifi: http://www.openwifi.su/?lang=en

[2] Wigle: https://www.wigle.net

[3] Case Study: FixMyStreet.com: https://www.mysociety.org/better-cities/fixmystreet-in-the-uk/

[4] FixMyStreet: https://www.fixmystreet.com

[7] European Data Portal: http://europeandataportal.eu

[8] Open Data Impact Map: http://opendataimpactmap.org/map.html

[9] Stadt Zürich, Open Data: https://data.stadt-zuerich.ch

[10] Züriplan mit Layer Kunst im Raum: https://www.maps.stadt-zuerich.ch/zueriplan3/Stadtplan.aspx?#route_visible=true&basemap=Stadtplan&map=&scale=8000&xkoord=2683334.983405232&ykoord=1247295.266531328&lang=&layer=Kunst+im+Stadtraum&window=&selectedObject=&selectedLayer=Kunst+im+Stadtraum&toggleScreen=1&legacyUrlState=&drawings=

[11] Open Data Zürich: https://twitter.com/OpenDataZurich

[12] Schweizer Open-Data-Portal: http://opendata.swiss

[13] Wind und Wetter: https://windundwetter.ch

[14] Datenportal der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB): http://data.sbb.ch/

[15] SRFData: http://srfdata.github.io

[16] Open Data Showroom, Universität Bern, Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit: http://opendata.iwi.unibe.ch

[17] Frankreich im Global Open Data Index, OKFN: http://index.okfn.org/place/france/

[18] Open-Data-Plattform der französischen Verwaltung: https://www.data.gouv.fr/fr/

[19] DataFrance: http://datafrance.info

[20] Open-Data Portal des Landes Berlin: http://daten.berlin.de

[21] Technologiestiftung Berlin (TSB): https://www.technologiestiftung-berlin.de/

[22] Open Data (Informationsbroschüre der TSB): https://www.technologiestiftung-berlin.de/fileadmin/daten/media/publikationen/160128_TSB_OpenDataBerlin.pdf

[23] Breitbandausbau Berlin: http://www.breitband-berlin.de

[24] Mundraub: http://mundraub.org

[25] Open Data for Africa: http://opendataforafrica.org

[26] Knoema: http://www.knoema.de

[27] Internet-Nutzer in Afrika: http://opendataforafrica.org/hyqhuof/africa-internet-users

[28] Informationssystem für Kraftwerke: http://opendataforafrica.org/nzbtxhe/power-reactor-information-system-2015

[29] Südafrika bei Open Data for Africa: http://southafrica.opendataforafrica.org/

[30] South African Data Archive (SADA): http://sada.nrf.ac.za/

[31] City of Cape Town Open Data Portal: https://web1.capetown.gov.za/web1/OpenDataPortal/

[32] Open Data Durban: https://opendata.durban

[33] Code For South Africa: http://code4sa.org

[34] Code For Germany: http://codefor.de

[35] Code Bridge: http://codebridge.org.za

[36] Cape Town Budget Project: "How well is your municipality managing its money?", https://municipalmoney.gov.za

[37] Mapit: http://mapit.code4sa.org

[38] Code For South Africa Data Portal: https://data.code4sa.org

[39] MySociety: https://www.mysociety.org

[40] Socrata: https://socrata.com

[41] International Open Data Hackathon, http://opendataday.org

[42] Opendata.ch: http://opendata.ch

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