Schreiben und testen

Eines machen die Zahlen ganz deutlich: Linus Torvalds gehört bereits lange nicht mehr zu den Top-Entwicklern des Kernels. Seine Aufgaben liegen hauptsächlich im Sichten und Koordinieren der im sogenannten Merge Window eingereichten Neuerungen für den nächsten Kernel sowie im Release-Management. Zudem repräsentiert er Linux weltweit auf Konferenzen und in Interviews.

Ein neuer Kernel enthält heute im Schnitt Beiträge von rund 1600 Entwicklern. In den letzten zehn Jahren waren das insgesamt ungefähr 14 000 Personen. Diese arbeiten größtenteils bei etwa 1300 Unternehmen oder Institutionen, von denen jeweils Entwickler aus etwa 250 Firmen pro Kernel-Version Beiträge liefern.

Der Anteil der Hobby-Entwickler dagegen nimmt ständig ab: Lag er vor fünf Jahren noch bei knapp 15 Prozent, so hat er sich mittlerweile auf 7,7 Prozent der Beiträge halbiert. Ein Grund für diesen Trend liegt unter anderem in der Tatsache, dass es heute kaum eine bessere Empfehlung für einen Job im IT-Markt gibt als den eigenen Code im Linux-Kernel.

Verwalten statt entwickeln

Ein Blick auf die Liste der Entwickler mit den meisten Commits zeigt, dass auf den ersten Plätzen zunehmend die Spitzen-Developer fehlen. Weder Linus Torvalds noch Greg Kroah-Hartman finden sich unter den Top 30. Das liegt daran, dass deren Arbeit hauptsächlich darin besteht, die Patches der Kollegen zu begutachten und für die Aufnahme vorzubereiten oder ganze Kernel-Zweige zu verwalten.

In den letzten Jahren stand an erster Stelle in der Kernel-Hitparade der relativ unbekannte H. Hartley Sweeten, der für Vision Engraving arbeitet, einem Hersteller von Gravurmaschinen. Er betreut Cirrus-Logic-Geräte im ARM-Zweig sowie das Comedi-Subsystem des Kernels (Abbildung 5). Sweeten reichte allein im vergangenen Jahr 1456 Patches ein und beansprucht damit 1,3 Prozent aller Änderungen in diesem Zeitraum für sich.

Abbildung 5: Die 30 aktivsten Entwickler seit 2005. Insgesamt haben in den letzten zehn Jahren etwa 14 000 Menschen am Kernel mitgearbeitet.

Die rund 300 Subsysteme des Kernels haben jeweils einen Maintainer. Der begutachtet neue Commits im jeweiligen Zweig und zeichnet sie ab – für Linux Torvalds bedeutet das quasi die Freigabe, einen entsprechenden Patch in den Hauptzweig zu übernehmen. Bei größeren Stücken zeichnen in der Regel mehrere Personen den Code ab. Über 13 Prozent oder fast 14 000 Bestätigungen entfallen in den letzten beiden Jahren auf Greg Kroah-Hartman, den ungekrönten Kronprinz von Torvalds.

Auf den weiteren Rängen folgen bekannte Namen wie David S. Miller, Mark Brown, Andrew Morton, Daniel Vetter oder Ingo Molnar, die alle jeweils größere Subsysteme betreuen. Hier taucht Linus Torvalds ebenfalls nur ganz weit hinten auf, er hat in zwei Jahren lediglich 169 Patches oder 0,2 Prozent selbst gegengezeichnet. Bei den Rängen der einzelnen Firmen liegt Red Hat vor der Linux Foundation und Intel.

Die Zahl der Einreichungen pro Kernel steigt stetig an, wobei einige Versionen Rekorde setzen. Die bisher meisten Commits für einen Kernel sah die Version 3.15 mit 13 722 eingereichten Patches. Lag der Schnitt zu Zeiten von Kernel 4.0 bei rund 10 000, so hat sich das Level derzeit bei über 12 000 Commits eingependelt. Das dieses Wachstum nicht nur positiv ist, erklärt Kernel-Entwickler Wolfram Sang seit Jahren in seinen Vorträgen, so auch zuletzt vor einigen Wochen auf der LinuxCon in Berlin [4].

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