Rahmen bauen

Beim Gestalten des Rahmens dürfen Sie variieren – von ganz einfach bis sehr komplex. Da der Rahmen den Inhalt vom Hintergrund des Bilds trennt, sollte er entweder ganz dezent ausfallen oder sehr deutlich, aber in jedem Fall gut auf das Motiv abgestimmt.

Die einfachsten Rahmen entstehen aus Linien, die Sie entweder zeichnen oder ausschneiden. Für das Erzeugen komplexerer Rahmen bietet Gimp zahlreiche Möglichkeiten (siehe Kasten "Realistische Rahmen").

Am leichtesten simulieren Sie einen Rahmen, wie er um einfache Abzüge auf Papier üblich ist: Dazu fügen Sie eine weiße Linie ein, die einige wenige Prozent der Bildbreite einnimmt. Alternativ nutzen Sie die Polaroid-Variante, die am unteren Rand eine deutlich breitere Fläche aufweist (Abbildung 3). Damit die Qualität des Originals erhalten bleibt, bauen Sie Ränder immer um dieses herum, vergrößern also das Ergebnis.

Abbildung 3: Ein etwas gebogener, Polaroid-artiger Rahmen sowie zwei Schattenvarianten auf einem synthetischen Hintergrund erzeugen ein ziemlich überzeugendes Bild.

Da Sie den Rahmen bei Out-of-Bound-Bildern nur auf Teile des Bilds beziehen, vereinfacht sich der Einsatz: Zunächst erstellen Sie auf einer neuen, transparenten Ebene für die einfachen Bilderrahmen eine Auswahl, die in Form und Größe etwa dem späteren Rahmen entspricht.

Sie wandeln die Auswahl über die Funktion Rand im Menü Auswahl oder durch Verkleinern in einen Rahmen um. Im ersten Fall erhält der Rahmen abgerundete Ecken, im zweiten nicht. Dazu füllen Sie die Auswahl und Verkleinern sie dann um die Breite des Rahmens. Anschließend löschen Sie die immer noch aktive Auswahl. Das Ergebnis sieht dann wie in Abbildung 4 aus.

Abbildung 4: Auf einer separaten Ebene erstellen Sie zunächst einen Rahmen, den Sie auf zwei alternativen Wegen gestalten.

Realistische Rahmen

Für das Erzeugen realistischer Rahmen setzen Sie einen Schatten innen am Rahmen, um dessen Stärke zu simulieren. Ein Schlagschatten außen markiert den Abstand des Rahmens zum Hintergrund.

Reale Rahmen bestehen oft aus mehreren Schichten, die ein Relief bilden, was Sie im digitalen Gegenstück berücksichtigen sollten. Eine strukturierte Oberfläche leistet dabei gute Dienste – vor allem, wenn Sie bewusst Fehler oder Verschmutzungen einbauen. Alternativ nutzen Sie die Funktion Emboss aus den LayerFX-Tools [1].

Über die Perspektiv-Funktion simulieren Sie die Lage des Rahmens im Raum. Falls Sie keinen festen Rahmen vortäuschen möchten, sondern ein Papierbild, dann beachten Sie, dass diese oft nicht glatt ausfallen, sondern sich etwas wellen. Lichteffekte verstärken den plastischen Eindruck zusätzlich.

Gimp selbst bietet nur beschränkte Möglichkeiten, realistische Rahmen zu erzeugen, sodass Sie am besten auf GMIC [2] ausweichen oder gleich Inkscape [3] einsetzen. Dafür ist die Bildbearbeitung aber immer die erste Wahl, wenn es darum geht, für die gesamte Komposition die Ebenen vorzubereiten und zu kombinieren.

Sie können auch einfach echte Rahmen fotografieren und dann für das Out-of-Bound-Motiv verwenden. Achten Sie dann unbedingt auf einige Punkte: Fotografieren Sie die Rahmen direkt von vorn beziehungsweise oben, mit zentraler Ausrichtung auf die Mitte. Dadurch vermeiden Sie unerwünschte Verzerrungen, die es ansonsten später aufwendig zu korrigieren gilt (hier hilft das Plugin Lensfun oder der Filter Objektivverzerrungen.

Vermeiden Sie Schatten, sofern Sie diese nicht bewusst in die Komposition einbauen wollen; Schatten auf dem Rahmen müssen logisch zu denen im Originalbild passen. Vermeiden Sie Glasrahmen, da diese fast immer Reflexionen erzeugen. Helligkeit und Farbtemperatur sollten möglichst zum Originalbild passen.

Verzerrte Wahrnehmung

Im nächsten Schritt verzerren Sie den Rahmen. Das ist etwas heikler, als es auf den ersten Blick aussieht: Der spätere Effekt hängt stark von den hier getroffenen Einstellungen ab. Achten Sie penibel darauf, dass die Lage des Rahmens sich logisch ins Bild einfügt.

Oft hilft es, vor dem Verzerren Hilfslinien oder Pfade anzulegen, anhand derer Sie den Rahmen später ausrichten. Die Hilfslinien ziehen Sie mit der Maus aus den Linealen am Rand des Bildfensters. Achten Sie darauf, dass im Menü Ansicht die Option Magnetische Hilfslinien aktiviert ist; dann schnappen die Anfasser des Werkzeugs an den Linie ein. Der Einsatz von Hilfslinien stellt sicher, dass die gegenüberliegenden Kanten des Rahmens parallel und lot- beziehungsweise senkrecht bleiben.

Alternativ setzen Sie Pfade als Hilfslinien ein. Sie erlauben beliebige Winkel und lassen sich mit einem Malwerkzeug nachzeichnen sowie zusammen mit Fluchtpunkten nutzen (Abbildung 5). Letztere liegen idealerweise außerhalb der Bildfläche, was realistische Effekte ermöglicht. Wenn Sie magnetische Pfade aktivieren (Menü Ansicht, Am aktiven Pfad einrasten), rasten die Referenzpunkte für eine Auswahl oder einen weiteren Pfad an den Fluchtlinien ein.

Abbildung 5: Um mit Fluchtpunkten außerhalb der Bilder zu arbeiten, skalieren Sie die Ansicht des Bilds und verwenden das Pfad-Werkzeug.

Es gibt keine allgemeine Regel, um die Rahmen perspektivisch anzupassen. Am besten erzeugen Sie zunächst einen Rahmen und experimentieren anschließend mit mehreren Kopien davon. Bei flachen, liegenden oder quasi senkrecht stehenden Rahmen ist es sinnvoll, zwei Kanten parallel zu belassen und nur an einer Kante perspektivische Veränderungen vorzunehmen. Gelegentlich passen aber auch wild ins Bild gestellte Rahmen gut zum Motiv. Über mehrere Rahmen in einem Bild lassen sich interessante Effekte erzeugen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Mehrere Rahmen in einem Bild verursachen interessante Effekte, ebenso wie das teilweise Entsättigen des Hintergrunds.

Auf diese Weisen erhalten Sie schnell und einfach allseitige Rahmen. Diese einfachen Rahmen, wie sie ausgedruckte Fotos aufweisen, verbessern Sie relativ einfach, indem Sie einen einfarbigen, allseitigen Rahmen auf einer separaten Ebene erzeugen.

Mit dem Werkzeug Verbiegen aus Verzerren im Menü Filter wellen Sie diesen Rahmen etwas, wobei Sie alle zum Rahmen gehörenden Ebenen gleichermaßen bearbeiten. Dazu verketten Sie die Ebenen. Anschließend erzeugen Sie für den Rahmen einen Schlagschatten (Filter | Licht und Schatten | Schlagschatten).

Eine gute Alternative zu selbstgebauten Rahmen bietet Ihnen GMIC mit Filtern, die automatisch Rahmen erzeugen. Im Bereich Frames gibt es mit Frame [painting] einen sehr universellen Filter zu diesem Zweck (Abbildung 7). Er stammt zwar aus dem Jahr 2012, scheint aber bis heute weitgehend unbekannt geblieben zu sein. Obwohl er nur über relativ wenige Parameter verfügt, variieren die Ergebnisse in weiten Bereichen.

Abbildung 7: GMIC stellt einen Universalfilter zum Erstellen von Bilderrahmen bereit, mit dem Sie auf einfache Weise ansprechende Ergebnisse erzeugen.

Mit Size steuern Sie die relative Stärke des Rahmens, bezogen auf die Breite des Bilds. Mit Contrast und Smoothness legen Sie die Form fest. Ein hoher Wert bei Smoothness erzeugt rundliche Formen, ein hoher Kontrast relativ dick wirkende Rahmen. Unter Color öffnen Sie eine Auswahl für die Grundfarbe des Rahmens. Oft ist es eine gute Idee, dazu eine im Bild vorhandene Farbe mithilfe der im Dialog vorhandenen Pipette wieder aufzunehmen..

Eine Vignette (Randabschattung) verdunkelt die Ecken der im Rahmen enthaltenen Bilder. Dieser normalerweise eher unerwünschte Effekt verstärkt bei relativ dicken Rahmen den realistischen Eindruck. Der Punkt Defects ... ermöglicht es, kleine, zufällige Fehler im Lack des Rahmens zu simulieren – quasi fotorealistisch.

Völlig undokumentiert ist der Parameter Serial number. Er erschließt sich nur in Experimenten (Abbildung 8). Arbeiten Sie beim Aufruf dieses Filters mit einer beliebig geformten Auswahl, erzeugt GMIC einen Rahmen für die sie einschließende Box ("bounding box"). Ansonsten umgibt GMIC die gesamte aktuelle Ebene mit einem Rahmen.

Abbildung 8: Der Effekt Serial number steuert die Form des Rahmens, allerdings auf völlig unverständliche Weise. Die drei Varianten zeigen Rahmen mit minimaler, mittlerer und maximaler Seriennummer.

TIPP

Die Vektorgrafik-Software Inkscape eignet sich gut für die Konstruktion dreidimensionaler Bilderrahmen. Sie stellt eine Reihe von Filtern bereit, mit denen Sie recht realistische Oberflächen für die Rahmen erzeugen.

Den dreidimensionalen Effekt des Out-of-Bound-Motivs erhalten Sie, indem Sie den Rahmen über die Ebene des Originalbilds legen und – analog zum Freistellen – dort wegradieren, wo die Elemente vor dem Rahmen liegen sollen. Sie verwenden dieselben Werkzeuge, um die Kontur an die Lücken im Rahmen anzupassen.

Alternativ kopieren Sie von der Ebene mit dem Originalbild die entsprechenden Teile und platzieren sie über dem Rahmen. Mit einem Schlagschatten verstärken Sie in beiden Fällen den dreidimensionalen Effekt des Rahmens, durch einen perspektivischen Schatten die des Objekts (Abbildung 9).

Abbildung 9: Die Kombination von perspektivischem und Schlagschatten erzeugt die dreidimensionale Wirkung.

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