Der Regulator

LanguageTool prüft die Texte anhand vorgegebener Regeln, die Sie einzeln ein- und ausschalten dürfen. Unter LibreOffice erreichen Sie die entsprechenden Einstellungen unter Extras | LanguageTool | Optionen, in der Desktop-Anwendung via Textprüfung | Optionen.

In jedem Fall erscheint das Fenster, das die einzelnen Regeln in Gruppen zusammenfasst (Abbildung 6). Jede Regel mit einem Haken berücksichtigt LanguageTool beim Prüfen. Ändern Sie die Einstellungen jedoch nur dann, wenn Sie die Auswirkungen abschätzen können.

Abbildung 6: Um in den Einstellungen eine Kategorie anzuschauen, klicken Sie auf das kleine Dreieck links neben einer Kategorie.

Eigene Regeln erstellen

Sie dürfen LanguageTool um eigene Regeln ergänzen. Dies setzt jedoch Kenntnisse in Grammatik und Wissen um reguläre Ausdrücke voraus. Die eigentlichen Regeln speichert das Tool zudem in einem eigenen XML-Format. Immerhin erleichtert ein Editor auf der LanguageTool-Homepage das Erstellen einer Regel [5].

Im ersten Schritt geben Sie einen falschen Satz in das rote Feld ein, dann den korrekten in das grüne und klicken auf Create initial Error pattern. Im Bereich Set the Error Pattern passen Sie das vom Editor vorgeschlagene Kriterium an (Abbildung 7). Sofern Sie RexEp anhaken, dürfen Sie einen regulären Ausdruck verwenden. Die unter Set the Rule Details hinterlegten Informationen zeigt das Programm später dem Anwender an.

Ein Klick auf Evaluate error pattern prüft Ihre Regel anhand von 100 Wikipedia-Artikeln und zeigt am unteren Ende der Seite die fertige Regel. Diesen XML-Schnipsel bauen Sie in die Datei grammer.xml im Unterverzeichnis org/languagetool/rules/de/ ein. Sollen andere von Ihrer Arbeit profitieren, schicken Sie ihn zusätzlich an die Entwickler. Weitere Informationen finden Sie im Wiki [6].

Abbildung 7: Hier würde LanguageTool immer dann einen Fehler melden, wenn es auf das Wort "Arschloch" stößt.

Wie gut die derzeit rund 2050 Regeln funktionieren, haben wir durch einen Vergleich mit dem alten Duden-Korrektor geprüft, von dem wir in unserem Fundus noch die vorletzte Version 8.0 aufstöberten. Eine überarbeitete Fassung steckt zudem in der Windows-Version von TextMaker 2016, die ebenfalls zum Testfeld gehörte. Übrigens bietet der Duden auf seiner Homepage eine Prüfung der Grammatik an, die zwar auf dem Korrektor zu basieren scheint, jedoch maximal 800 Zeichen verdaut [7].

Falsche Fehler

Erstaunlicherweise stolpern LanguageTool und Korrektor schon über einfache Sätze. So waren beide der Meinung, dass "Meiner Frau wartet." korrekt ist. Die Abwandlung "Meiner Chef wartet." bemängelte nur das Duden-Produkt. Beide Probanden zeigten zudem ein Herz für das Ruhrgebiet und erlaubten Sätze wie: "Ich geh nach Aldi."

Wer beide Geschlechter berücksichtigen möchte, schreibt den Regeln der Rechtschreibung folgend "unsere Mitarbeiter/-innen" – was der Korrektor 8.0 fälschlicherweise bemängelt (Abbildung 8). Mit dem falschen "Mitarbeiter_innen" haben beide Prüfer kein Problem. Lediglich der aktuelle Korrektor in TextMaker 2016 erkennt die korrekte und falsche Schreibweise.

Abbildung 8: Die Ergebnisse des Duden-Korrektors 8.0 für Linux aus dem Vergleichstest.

Bei Namen, wie dem "Schiefen Turm von Pisa", schreiben die Programme nur dann das erste Wort groß, wenn Sie den Begriff kennen. Beim Schiefen Turm ist das der Fall, bei "Technischer Überwachungs-Verein" möchten beide "Technischer" klein schreiben. Eine Ausnahme bildet wieder TextMaker, der den TÜV kennt (Abbildung 9).

Abbildung 9: TextMaker 2016 für Windows glänzt damit, dass er Eigennamen besser erkennt.

Deutliche Schwächen weist LanguageTool bei der Getrennt- und Zusammenschreibung auf. So erkennt nur der Korrektor, dass die neuen Regeln besagen, dass Sie im Satz "Das Wort ist klein geschrieben." die Worte "klein" und "geschrieben" zusammenschreiben (Abbildung 10).

Abbildung 10: LanguageTool hat mit dem Klassiker "Rad fahren", wie alle anderen Kandidaten, keine Probleme.

Im Gegenzug will der Korrektor "dahingehend" grundsätzlich getrennt schreiben und setzt zudem ständig an beinahe willkürlichen Stellen Kommas – wie im folgenden Satz, in dem nach Meinung der Software hinter "Pakete" ein Komma folgt: "Lange nicht alle Pakete waren im Auto verstaut."

Zuverlässig decken Korrektor und LanguageTool typische Tippfehler auf, wie etwa falsche Artikel ("Sie konfigurieren das Programme."), doppelte Wörter, mehrere oder fehlende Leerzeichen, falscher Plural ("Ein entsprechender Kandidaten wäre …") und klein geschriebene Wörter am Satzanfang. Den häufigen Fehler "Im Mai diesen Jahres …" decken ebenfalls beide Prüfer auf (korrekt wäre "… dieses Jahres …").

Bei der Groß- und Kleinschreibung gibt es leichte Unterschiede bei Wahlmöglichkeiten. So möchte der Duden von Nahem, LanguageTool hingegen von nahem schreiben – beides ist erlaubt. Unter dem Strich erkennt der Duden-Korrektor jedoch weitaus mehr Fehler als der freie Konkurrent. Das gilt insbesondere für komplexere Sätze oder Spezialfälle.

So stolperte LanguageTool über den Satz "Die fünf Ersten gewinnen", in dem es "Ersten" fälschlicherweise kleinschreiben wollte. Ebenfalls monierte LanguageTool den Anfang des Satzes "Das erspart Probleme bei der Installation." Einen konkreten Grund nannte es dafür allerdings nicht.

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