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© Marcus Miranda, 123RF

Pakete mit Alien in andere Formate umwandeln

Verwandlungskünstler

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Das Kommandozeilen-Werkzeug Alien baut Brücken zwischen den verschiedenen Paketverwaltungssystemen. Mithilfe des kleinen Tools bereiten Sie für fremde Distribution gedachte Pakete für Ihr eigenes System auf. Dabei gilt es allerdings auf ein paar Stolpersteine zu achten.

Kaum eine Linux-Installation gleicht der anderen. Dabei liegen die Unterschiede nicht nur in der Optik, sondern ziehen sich bis zur Basis des Systems durch. Den kleinsten gemeinsamen Nenner bildet – egal, ob Server, Desktop oder Android-Handy – im Endeffekt nur der Kernel. Das gilt auch für die Paketverwaltung, die unter den einzelnen Distributionen das schnelle und komfortable Installieren von Software ermöglicht.

Im Laufe der Entwicklungsgeschichte des freien Betriebssystems etablierten sich unterschiedlichste Paketmanagementsysteme: Debian und dessen Abkömmlinge wie Ubuntu oder Linux Mint bauen auf das Apt-System, dessen Pakete im Debian-Paketformat vorliegen und daher die Erweiterung .deb tragen. Red Hat, Fedora und OpenSuse setzen auf das ursprünglich von Red Hat entwickelte RPM-Paketmanagement, Mageia und weitere Mandrake-Derivate nutzen dessen Weiterentwicklung URPMI [1]. Bei Slackware und dessen Ablegern kommen mit Gzip und (seit Version 13.0) LZMA komprimierte Tarballs mit den Endungen .tgz, .txz, .tbz oder .tlz zum Einsatz. Daneben existiert noch eine stattliche Anzahl kleinerer Paketverwaltungen, die in der Regel sowohl untereinander als auch mit den Platzhirschen inkompatibel sind.

Alien

Da viele Programmierer Pakete primär nur für jene Plattform bereitstellen, die sie selbst nutzen, gibt es insbesondere für unbekanntere und noch junge Anwendungen oft nur für eine einzige Distribution Pakete. Üblicherweise greifen die Communities anderer Distributionen die Anwendung jedoch schnell auf und erstellen entsprechend geeignete Pakete. Diese lassen sich jedoch häufig nur mit bestimmten Versionen der Distribution nutzen und längst nicht auf allen Derivaten, die das jeweilige Paketformat unterstützen.

In vielen Fällen müssten Sie daher das gewünschte Programm aus dem Quellcode bauen und an der Paketverwaltung vorbei im System installieren. Bei größeren Anwendungen fällt das jedoch nicht gerade leicht, da Sie eventuell auch die vom Programm benötigten Abhängigkeiten in den entsprechenden Versionen bauen müssten – willkommen in der Abhängigkeitshölle.

Stellt der Entwickler nun ein Paket für eine fremde Distribution ins Netz, gibt es für Sie dennoch die Chance, diese zu nutzen. Mit Alien [2] wandeln Sie Pakete in den Formaten DEB, RPM, TGZ, LSB und PKG in das für Sie geeignete Format. In der Regel funktioniert das recht gut; es gilt allerdings, ein paar Dinge zu beachten. Alien finden Sie in den Repositories nahezu aller Linux-Distributionen als gleichnamiges Paket. Nach der Installation steht das Tool zur Nutzung auf der Kommandozeile bereit, eine grafische Oberfläche bietet es nicht.

Syntax

Alien benötigt beim Aufruf im einfachsten Fall als einzigen Parameter das Zielformat. Abhängig vom System und dem umzuwandelnden Paket müssen Sie Alien mit Root-Rechten ausführen, das Programm meldet sich bei der entsprechenden Aktion.

Mit alien -r Quellpaket erzeugt Alien ein RPM-Paket, das Quellformat erkennt das Programm dabei selbstständig. Mit der Option -d liefert es ein DEB-Paket, ein Slackware-kompatibles Paket schreibt es mit der Option -t. Alternativ geben Sie die Formatparameter in der Langform an: --to-rpm, --to-deb und --to-tgz. Ohne weitere Spezifikation erzeugt Alien stets DEB-Pakete.

Bei manchen Programmen führen nun aber im Quellpaket enthaltene Skripte zu Problemen. Diese soll der Paketmanager eigentlich bei der Installation oder auch beim Löschen des Pakets ausführen. Alien ignoriert solche Skripte zunächst, zeigt aber eine Warnmeldung an, die auf deren Vorhandensein hinweist (Abbildung 1 ). In einem solchen Fall erweitern Sie den Aufruf von Alien mit dem Parameter --scripts: Er bewirkt, dass Alien die Skripte in das konvertierte Paket übernimmt.

Abbildung 1: Alien lässt in den Paketen enthaltene Skripte außen vor. Das Programm übernimmt diese nur auf entsprechende Anweisung hin.

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