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© Globalphoto, 123RF

Mit Lightzone RAW-Material entwickeln

Licht und Schatten

RAW-Daten bergen die volle Pracht einer digitalen Aufnahme. Mit Lightzone entwickeln Sie dieses Material in ein alltagstaugliches Format.

RAW-Konverter lesen Rohdaten aus Kameras aus und wandeln diese in Bitmap-Grafiken um. Unter Linux beherrschen eine ganze Reihe von Programmen dieses Konvertieren – allen voran Darktable, aber auch Digikam, Rawtherapee oder Ufraw. Jedes der Programme weist spezifische Vor- und Nachteile auf und unterscheidet sich von den anderen insbesondere durch das Ausmaß, indem es das Bearbeiten beim Konvertieren zulässt.

Angesichts dessen erscheint es sonderbar, dass ein Veteran wie Lightzone – die letzten größeren Änderungen brachte 2011 die Version 3.5 mit – bis heute eine treue Anhängerschaft hat. Doch dafür gibt es gute Gründe: Die Software ist simpel aufgebaut, lässt sich einfach bedienen und erschlägt nicht mit einem undurchdringlichen Funktionswust. Allerdings handelt es sich um eine Java-Applikation – nicht gerade die erste Wahl in Sachen Grafiksoftware.

Zu den wesentlichsten Neuerungen in den letzten Versionen von Lightzone zählt die Unterstützung der RAW-Formate neuerer Kameras. Allerdings geschieht dies derzeit auf Kosten einiger bereits früher unterstützter Modelle, etwa solcher von Olympus. Allerdings scheint dies bei der aktuellen Beta-Version 4.1.0 wieder behoben zu sein.

Der Grund für die nachhaltige Begeisterung findet sich vermutlich in der guten Qualität des Quellcodes und der damit erzeugten Bilder. Bis zur Version 3.5 war das Programm als kommerzielle Alternative zu Adobes Lightroom im Umlauf. Es verfügt über ein relativ einfaches, aber gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept. Viele Funktionen finden sich in sehr dichter Form auf engem Raum, sodass Sie leicht etwas übersehen oder unter Umständen ungewollt ausführen.

Rezepte und Styles

Das Konzept der Software sieht nur eine kleine Anzahl von Werkzeugen vor, die Sie aber auf verschiedenen Wegen kombinieren. Das führt dazu, das es im Prinzip ausreicht, zwölf Tools zu beherrschen, um eine große Vielfalt von Aktionen und Effekten umzusetzen. Die Entwickler machen es Ihnen insofern etwas leichter, als dass sie in sogenannten Styles bereits vorab etwa 30 oft benötige Kombinationen von Werkzeugen bereitgestellt haben.

Als klassischer RAW-Konverter arbeitet Lightzone zerstörungsfrei, da es beim Bearbeiten nur Kopien des Bilds erzeugt. Dazu erstellen Sie ein sogenanntes Rezept, das die benötigten Aktionen enthält, und wenden es auf die Datei an. Als Ergebnis erhalten Sie ein Bitmap-Bild, das sich zum Bearbeiten in anderen Programmen eignet.

Die Rezepte speichern Sie separat ab (ebenfalls als Styles) und wenden Sie bei Bedarf als spezielles Werkzeug auf andere Bilder an. Zusätzlich bettet Lightzone das Rezept in die aus den Rohdaten erzeugten JPEG- oder TIFF-Bildern als Kommentar ein, sodass sie erhalten bleiben. Hingegen gehen andere RAW-Konverter zwar ähnlich vor, verwenden aber oft sogenannte Sidecar-Dateien für diese Aufgabe. Vergessen Sie, diese Textdateien zu kopieren oder löschen sie gar, ist das zum Konvertieren verwendete Rezept verloren.

Auf der Oberfläche

Beim Start zeigt Lightzone einen Splashscreen (Abbildung 1) und liest das zuletzt verwendete Verzeichnis neu ein. Der Screen enthält neben der Versionsnummer unten rechts einen Graukeil. Um mit Lightzone vernünftig zu arbeiten, ist es notwendig, den Monitor so einzustellen, dass sich die 16 Graustufen deutlich unterscheiden, insbesondere an den Enden.

Abbildung 1: Der Graukeil unten rechts im Splashscreen dient zu Kontrolle, ob Sie den Monitor optimal eingestellt haben.

Die Oberfläche des Programms unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von jener anderer RAW-Konverter. Es gibt zwei Modi: Der eine dient dem Verwalten (Abbildung 2), der andere dem Editieren. Beim Verwalten der Bilder liefert die Software eine Übersicht über alle in einem Verzeichnis vorhandenen Bilder. Neben den RAW-Formaten der unterschiedlichen Hersteller (Kasten "RAW-Formate") lädt Lightzone auch JPEG- und TIFF-Bilder und ermöglicht deren Bearbeiten.

Abbildung 2: Beim Verwalten der Bilder erhalten Sie zunächst eine Übersicht für ein ausgewähltes Verzeichnis. Bis zu fünf solcher Ansichten zeigt das Programm gleichzeitig an.

In der für RAW-Konverter typischen dreiteiligen Ansicht wählen Sie links das Verzeichnis mit den zu bearbeitenden Bildern aus (1), die Lightzone dann in der Mitte darstellt. Dieser Bereich zeigt oben ein oder (mittels [Strg]+Mausklick) mehrere gewählte Bilder als Vorschau an. Reicht der Platz für die Vorschau nicht aus, verstecken Sie die Fenster an den Seiten durch einen Klick auf die Schaltfläche.

Rechts daneben gibt Lightzone im Bereich Metadaten (3) EXIF-Informationen zu dem in der Mitte ausgewählten beziehungsweise dem zuletzt ausgewählten Bild. Dort vergeben Sie bei Bedarf eine Bewertung in Form der üblichen Sterne sowie einen Titel und einen Copyright-Hinweis für Bilder.

Lightzone verfügt sowohl über ein Menü als auch über eine Werkzeugleiste (2). Beim Verwalten offeriert letztere hauptsächlich Funktionen zum Bearbeiten fertiger Bilder, was sich ändert, sobald Sie den internen Editor für Bilder starten.

Eine Ausnahme bildet die Schaltfläche Styles, die es erlaubt, eines der vorhandenen Rezepte auf die ausgewählten Bilder anzuwenden. Dabei entstehen automatisch neue Bitmap-Bilder. Eigene Styles, die Sie mit einem Namen versehen haben, finden sich hier unter Custom.

Etwas verwirrend ist die Schaltfläche Senden: Hier geht es nicht etwa um den Versand via E-Mail, wie Name und Icon suggerieren, sondern um das Kopieren (und Konvertieren) eines Bilds in ein anzugebendes Verzeichnis. Dabei dürfen Sie gleich die gewünschte Bildgröße einstellen. Convert geht noch einen Schritt weiter und erlaubt es zusätzlich, das Format und viele weitere Details einzustellen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Schaltflächen Senden und Convert dienen dazu, aus dem bestehenden Material neue Bilder zu erzeugen.

Unterhalb der Vorschau zeigt das Programm alle im ausgewählten Verzeichnis vorhandenen Bilder, deren Typ zur Software kompatibel ist, in einer Liste an. Da hier zusätzlich die schon bearbeiteten Bilder erscheinen, sollten Sie unbedingt den Bildtyp einblenden. Das erledigen Sie mit der Funktion Zeige Bildertypen aus dem Menü Browser.

In der Werkzeugleiste zwischen Vorschau und der Liste der Bilder (Abbildung 1, Punkt 4) finden Sie Funktionen, die den Austausch der Rezepte ermöglichen. Der linke Schalter unter Lift to ... kopiert das Rezept des ausgewählten Bilds in die Zwischenablage, von wo es der rechte Button auf ein später ausgewähltes Foto anwendet (Abbildung 4).

Abbildung 4: Bei Bedarf tauschen Sie Rezepte zum Bearbeiten zwischen Bildern aus und wenden diese direkt an. Dabei entstehen automatisch neue Bitmap-Bilder.

Wählen Sie mehrere Bilder aus, etwa aus einer Serie, wendet Lightzone das Rezept auf alle gleichermaßen an. Existiert von einem der Bilder bereits eine Bitmap-Variante, versieht Lightzone die automatisch erzeugten Bilder mit Versionsnummern. Auf diese Weile generieren Sie schnell eine Reihe von Varianten.

In der Werkzeugleiste findet sich eine Funktion, mit der Sie die Reihenfolge beim Sortieren den angezeigten Bilder beeinflussen. In dem Feld ganz rechts wählen Sie dazu aus neun Kriterien aus. Über den Pfeil daneben stellen Sie ein, ob die Software auf- oder abwärts sortiert.

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