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© Sergey Nivens, 123RF

OpenArtist bündelt Programme für Kreative

Klassische Kunst

Brauchen wir wirklich noch ein Ubuntu-Derivat mehr? OpenArtist adressiert Künstler und andere Kreative, ist aber auch für Normalbenutzer interessant.

Ubuntus LTS-Versionen erfreuen sich bei Entwicklern abgeleiteter Distributionen großer Beliebtheit. Das liegt zum einen an der stabilen Basis, die über eine gute Hardware-Unterstützung verfügt, und zum anderen an dem riesigen Software-Angebot, das die Ubuntu-Repositories bereithalten. Daher verwundert es nicht, dass auch die Entwickler von OpenArtist [1] auf diese Basis setzen.

Nach der dem Booten des Live-Systems oder einer Festplatteninstallation erwartet Sie zunächst ein ziemlich düsteres Theme (Abbildung 1). Das ist so gewollt, da bei der Bildbearbeitung helle, farbige Elementen auf dem Desktop nur ablenken und deren Farben das Auge täuschen können. Nicht zufällig setzen auch Darktable und andere RAW-Konverter auf eine analoge Farbgebung.

Abbildung 1: Mit einem düsterem Gnome-Theme begrüßt Sie OpenArtist nach dem Start. Sie können es mit dem Gnome-Tweak-Tool im Detail verändern.

Als Oberfläche dient Gnome 3 im klassischen Gnome-2-Look mit Panel. Alternativ stehen aber auch Openbox und im Prinzip alle von Ubuntu unterstützten Desktops zur Verfügung. Für diese Umgebungen haben die Entwickler allerdings nicht alle der zusätzlichen Features bereit gestellt, sodass Ihnen einige Informationen und Annehmlichkeiten vorenthalten bleiben.

Das Live-System meldet Sie als hero (mit identischem Passwort) an. Für diesen User erzeugt auch Ubiquity bei einer Festplatteninstallation automatisch einen Account.

Installation

Das ISO-Image der installationsfähigen OpenArtist-Live-CD finden Sie auf den Sourceforge-Servern [2]. Es gibt lediglich eine 64-Bit-Version der Distribution. Mittels unetbootin oder dem USB-Startmedienersteller lässt sich das Image auch auf einem USB-Stick installieren.

Besondere Vielfalt

Die Besonderheit von OpenArtist besteht zum einen in der umfassenden Sammlung an Programmen zu den kreativen Themen Grafik, Video und Musik und zum anderen in der Art und Weise, wie die Distribution diese in vielstufigen Menüs (Abbildung 2) bereitstellt. Hier bricht OpenArtist mit dem alten Ubuntu-Prinzip, für jede Aufgabe genau ein Programm bereitzustellen: Hier gibt es für jede Aufgabe mehrere Programme, die jeweils über eigene Features verfügen. So lassen sich die Unzulänglichkeiten des einen Programms mithilfe des anderen ausgleichen.

Abbildung 2: Die OpenArtist-Menüs sind vielfach gestaffelt und gut vorsortiert. Sie finden für fast jede kreative Aufgabe ein passendes Programm.

Freilich lassen sich auf einer CD nicht alle relevante Softwarepakete unterbringen. Daher wählten die Entwickler einen anderen Weg: Sie stellen für die Mehrzahl der Programme unter /opt/ nur Skripts bereit, die Fehlendes mittels apt-get (oder auch anderen Verfahren wie wget) nachladen und nach erfolgreicher Installation automatisch starten.

Das funktioniert in den meisten Fällen sehr gut, lediglich einige wenige Programme erfordern manuelle Nacharbeit. Die Entwickler haben das Konzept sogar so weit ausgebaut, dass sie auch Windows-Programme (Freeware oder Demos) integriert haben, die dann mittels Wine laufen. Auch via Adobe Air betriebene Programme unterstützt OpenArtist.

Zusätzlich steht eine sinnvolle Vorkonfiguration der installierten Programme auf der Agenda von OpenArtist. Dieser Punkt hat maßgeblichen Einfluss auf die gute Bedienbarkeit der Distribution, auch wenn sich hier noch das eine oder andere verbessern ließe.

Opulentes Menü

Ein Überblick der vorhandenen Software gibt Abbildung 2: Die Menüs 2D und 3D fassen die üblichen Grafikprogramme und vieles mehr zu diesem Thema zusammen. Audio enthält neben den Rekordern Audacity und Ardour auch zahlreiche Programme zum Erzeugen und Bearbeiten von Sounds und Klängen. Analog verhält es sich für Video, wo sich so ziemlich alles versammelt, was es derzeit an Video-Software gibt. Unter VJ gibt es zahlreiche Tools, um Multimedia-Shows zu erstellen. Dort findet sich auch eine um Praxisbeispiele erweiterte Version der Multimedia-Programmiersprache Processing.

Hardware enthält Programme, um spezielle Hardware nutzen zu können, wie Joysticks, Grafiktabletts oder Arduino-Boards. Mit Domotica findet sich hier auch eine zur elektronischen Haussteuerung entwickelte Software. Collaboration versammelt die zum Datenaustausch und verteilten Bearbeiten verwendeten Programme. Neben Dropbox gibt es dort die zur gemeinschaftlichen Arbeit vorgesehenen Editor-Varianten von Gobby und Abiword sowie Freemind, Genode und MixNode.

Das Menü Einstellungen enthält beinahe ebenso viele Einträge wie das Hauptmenü. Diese dienen nicht nur zur Konfiguration des Environments oder der installierten Programme: Dort finden sich auch Tools für Backup und Datenrettung, wie PhotoRec, Foremost und weitere. Tuning umfasst unter anderem die Installation erweiterter Kernel und des ZFS-Dateisystems sowie einige Top-artige Tools.

Security/Privacy bietet mehrere Firewalls, Tor und Verschlüsselungssoftware an. Unter Special erhalten Sie direkten Zugriff auf die diversen Konfigurationsdateien und Log-Files. Das ist insbesondere für Einsteiger interessant, die hier überhaupt erst erfahren, was sie wo einstellen, ändern oder erfahren können. Bei der voreingestellten Gnome-Oberfläche helfen die wirklich vorbildlich umfangreichen Menübeschreibungen, den richtigen Eintrag zu finden (Abbildung 3).

Abbildung 3: Vorinstallierte Programme bei OpenArtist verfügen unter Gnome über eine umfangreiche Hilfe, für die alternativen Desktops ist das bisher nicht der Fall.

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