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© Medialinx AG

Schrödingers Pinguin

Fedora 19 im Test

12.08.2013
Fedora 19 überzeugt im Test direkt ab Installation. Freie Treiber und die Integration von aktueller Software machen das System zu einer interessanten Alternative.

Die sonst typische Erfahrung bei Fedora [1], bei einem neuen Release zunächst die ersten Updates abzuwarten, fällt bei Version 19, Codename "Schroedinger's Cat", weg: Im Test stellt sich gleich dem Installieren – ohne das übliche Warten auf die ersten Updates – Zufriedenheit im Umgang mit dem System ein. Das mag daran liegen, dass das Release als Fundament für Red Hat Enterprise Linux 7 vorgesehen ist.

Ein Update nach dem ersten Setup lohnt sich aber trotzdem, wie schon dessen Umfang verdeutlicht: Im Test zog diese Funktion nur wenige Tage nach dem offiziellen Release nicht weniger als 245 Updates nach.

Reichlich Desktops

Fedora 19 steht in verschiedenen Varianten bereit, so als Installations-DVD, als installierbare Live-CD mit Gnome [6], sowie in Form verschiedener Live-Medien und Spin-Varianten [7] mit KDE, LXDE oder XFCE.

Wie für Fedora üblich nutzt die "Desktop Edition" Gnome als Standard-Desktop [2], sowohl in der Live-Version wie bei der Installations-DVD, allerdings ohne Klassik-Modus: Bevorzugen oder benötigen Sie diesen, dann installieren Sie das Paket gnome-classic-session nach. Das hilft allerdings nichts, wenn die 3D-Unterstützung fehlt, denn auch der Klassik-Modus basiert auf der Gnome Shell. Das Paket bietet lediglich ein schlichteres, an Gnome 2 orientiertes Design, wie es insbesondere viele Unternehmen bevorzugen.

Das gleiche bietet der Maté-Desktop, der als populäre Replik auf Gnome 2 in der aktuellen Version 1.6 [3] erstmals als Option in der Auswahl der Software direkt bei der Installation bereit steht. Dort finden Sie darüber hinaus den Gnome-Fork Cinnamon 1.9.1, KDE Plasma 4.10, XFCE oder LXDE (Abbildung 1).

Abbildung 1: Fedora 19 liefert alle relevanten Desktops in der jeweils aktuellsten Version bereits als Installations-Option im Anaconda-Installer mit.

Für das Installieren in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox oder VMware sollten Sie keinesfalls Gnome mit oder ohne Klassik-Modus benutzen, das sich das Bedienen wegen des Einsatz von Llvmpipe als Katastrophe erweist. Mit KDE und erst recht mit Maté, LXDE oder XFCE funktioniert Fedora 19 aber auf virtueller Hardware recht passabel.

Installieren Sie mehrere der Desktop-Umgebungen, stehen diese als Auswahl im Login-Manager bereit. Bei früheren Fedora-Versionen konnten Sie alternative Desktops ausschließlich nachträglich über das Paketmanagement installieren, zum Teil nur mit Hilfe weiterer Repositories. Maté und Cinnamon waren bisher gar nicht an Fedora angepasst.

Sie finden Informationen zu sämtliche Neuerungen von Fedora in der Ankündigung [4] anlässlich der Veröffentlichung sowie in der Feature List [5] nachlesen.

Unter der Haube

Fedoras Grafik-Stack nutzt als Vorgabe die Version 1.14.1 des X-Servers von X.org, Version 1.14.2 kommt mit dem ersten Update nach. Die Fedora-Entwickler liefern aber auch Wayland und Weston mit. Außerdem setzt Fedora 19 bei Mesa-3D auf einen Snapshot des Entwicklerzweiges, wodurch Sie in den Genuss der jeweils aktuellsten Versionen der quelloffenen Treiber kommen.

So finden Sie den noch in keiner anderen Distribution integrierten OpenGL-Treiber radeonsi. Damit steht bisher einzig für Nutzer von Fedora 19 die 3D-Unterstützung von Radeon-Karten der Southern-Island-Generation durch Open-Source-Treiber bereit.

Einzigartig unter den Distributionen ist darüber hinaus der Userland-Treiber für die Video-Beschleunigung auf Radeon-Chips, Unified Video Decoder (UVD), der allerdings erst mit einem Kernel 3.10 funktioniert. Das Fedora-Team liefert "Schroedinger's Cat" noch mit dem Kernel 3.9.x aus, Linux 3.10 steht aber bereits auf dem Plan [8].

Wie Debian konzentriert sich das Fedora-Projekt ganz auf freie Software. Proprietäre Grafiktreiber fehlen nach der ersten Installation von Fedora; bei Bedarf installieren Sie diese aus dem RPM-Fusion-Repository nach. Das bietet neben dem aktuellen Nvidia-Treiber eine offizielle Beta-Version des proprietärem AMD-Treibers.

Als Standard-Büropaket bringt Fedora 19 LibreOffice 4.1 mit. Als Default-Browser haben die Entwickler Firefox 21 integriert, die Version 22 rutscht über die Update-Funktion nach (Abbildung 2). Ein Novum sind die mitgelieferten Tools und Programme für das Modellieren und den 3D-Druck, darunter RepetierHost, OpenSCAD, Skeinforge, SFACT oder Printrun [9].

Abbildung 2: Firefox 22 kommt direkt nach der Installation von Fedora 19 mit dem ersten Update.

Mit seiner Aktualität macht Fedora 19 als Plattform zum Entwickeln eine gute Figur und erfreut das Herz von Programmierern mit Node.js zum Erstellen von skalierbaren Netzwerkanwendungen. Daneben bringt es unter anderem Ruby in den Versionen 2.0.0 und 1.9.3 mit sowie die visuelle Entwicklungsumgebung Scratch zum Programmieren des Raspberry Pi mit.

Als ein absolutes No-Go für Einsteiger erweist sich allerdings der Installer Anaconda: An dem gibt es technisch zwar wenig auszusetzen, das Bedienkonzept gibt aber nach wie vor Rätsel auf. Insbesondere das Modul zum Partitionieren bringt selbst erfahrene Anwender an der einen oder anderen Stelle ins Grübeln. Das entspringt nur teilweise den holprigen Übersetzungen.

Welchen Vorteil ein nicht linearer Ablauf der Installation letztendlich gegenüber dem klassischen Vorgehen der meisten anderen Distributionen bringt, erschließt sich nicht. Möglicherweise spielen Vereinfachungen beim automatischen Deployment oder Optionen für Unternehmen eine Rolle. Für den Benutzer am Heim-PC wären diese aber unbedeutend.

Die Geschwindigkeit der Installation hängt ohnehin nicht primär davon, ab, wie schnell Sie sich durch die einzelnen Dialoge des Assistenten klicken, obwohl Anaconda es ermöglicht, das Kopieren der Dateien anzustoßen und dann parallel Benutzer anzulegen.

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