Test mit Hürden

Nach dem zunächst sehr positiven Eindruck bescherte der Mini-PC im Test unter Linux zunächst einiges Kopfzerbrechen: Die Installation von Mageia 3 verlief von einem externen DVD-Laufwerk zwar problemlos, nach dem anschließendem Neustart hatte das System jedoch einen Blackout. Auch OpenSuse 12.3 laborierte am gleichen Symptom und war nicht zur Mitarbeit zu bewegen. Das nicht mehr taufrische, sehr schlanke Slitaz 3.0 hingegen erfreute sofort mit einer grafischen Oberfläche – allerdings in nicht mehr zeitgemäßer SVGA-Auflösung.

Selbst das stets bestens mit Treibern versorgte Knoppix ließ sich in älteren Varianten nicht dazu überreden, mit einer Auflösung von mehr als 800 x 600 Punkten zu arbeiten. Lediglich Ubuntu zeigte sich kooperativer und startete in den Versionen 12.04 und 12.10 mit einer brauchbaren XGA-Auflösung.

Als Verursacher dieser Misere machten wir den beim N2600 eingesetzten Chipsatz Intel GMA3600 mit einem SGX-545-Grafikprozessor von PowerVR dingfest. Für diesen gibt es unter Linux bislang lediglich einen rudimentären freien Treiber. Intel selbst stellt weder Software noch Support, sondern verweist an die Entwickler der Distributionen [3]. Ein freier Treiber steht ab Kernel 3.3 bereit.

Mehrere weiteren Distributionen, wie Fedora 18, Mint 14 und Knoppix 7.0.5, wählten jeweils automatisch XGA-Auflösung für die Grafik. Sie verwenden den vorhandenen Treiber für den GMA500-Chipsatz. Zum Leistungstest kamen anschließend Ubuntu 12.10 und Knoppix 7.0.5 auf der Hardware zum Einsatz. Beide Distributionen zeigten keine Auffälligkeiten bei der Installation und erkannten alle Hardware-Komponenten. Auch die mit einem noch recht jungen Chipsatz ausgestattete WLAN-Karte von Atheros zeigte ein gutes Leistungsverhalten.

Im praktischen Einsatz hatte jedoch eindeutig Knoppix die Nase vorn: Während Ubuntu mit seiner schwerfälligen und wenig intuitiven Oberfläche immer wieder eine hohe Last erzeugte, agierte Knoppix souverän ohne Latenz. Ein weiterer Live-Test mit Lubuntu und Xubuntu erbrachte ein wesentlich besseres Verhalten als bei Ubuntu selbst. Die Last hält sich somit bei schlankeren Oberflächen dank der zwei Prozessorkerne mit Hyper-Threading im Rahmen, während der Arbeitsspeicher von 2 GByte selbst bei vielen geöffneten Applikationen kaum an Grenzen stößt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Selbst Standard-Distributionen bringen den Jetway-PC kaum aus dem Tritt.

Fazit

Der kleine Jetway JBC362F36W-2600-B hinterlässt insgesamt einen recht guten Eindruck. Das größte Manko liegt in der bislang noch unvollständigen Unterstützung der GMA3600-Grafikkarte, die einen Einsatz des Rechners mit 3D-Spielen oder leichten CAD-Applikationen sowie auch Bildverarbeitungsprogrammen unter Linux verhindert. Sehr gute Leistungen zeigt dagegen der Atom N2600, der dank zwei Kernen mit Hyper-Threading und einem ausreichend großen Cache längst die Schwächen der ersten Atom-Generationen überwunden hat.

Im praktischen Betrieb mit Anwendungen für Büro und Internet erbringt der Prozessor eine Leistung, die sich in etwa mit jener einer Core-Duo-CPU mit Yonah-Kern vergleichen lässt. Damit lässt er sich für den täglichen Einsatz auch jenseits von Nettops und Netbooks durchaus gebrauchen. Zudem glänzt der kleine PC durch geringen Energieverbrauch und lautlosen Betrieb. Der Rechner empfiehlt sich daher für den Einsatz als schlanker Server oder Desktop. 

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