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© Zlatko Guzmic, 123RF

Der Natur auf der Spur

Vier 3D-Molekülvisualisierer im Vergleich

15.04.2013
Viele biochemische Prozesse lassen sich erst verstehen, wenn ein dreidimensionales Molekülbild der agierenden Substanzen die Reaktion das Funktionsprinzip veranschaulicht.

Kaum eine Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten so rasante Fortschritte gemacht, wie die Biochemie. Dabei bedient sich diese Wissenschaft der Computertechnik als unverzichtbares Werkzeug: Viele biochemische Prozesse lassen sich erst verstehen, wenn ein dreidimensionales Molekülbild der agierenden Substanzen deren Reaktion darstellt.

Das Stichwort Molekül im Ubuntu-Software-Center zeigt zehn Einträge, darunter ein Spiel und zwei Zeichenprogramme für chemische Strukturen. Dann aber findet man eine Reihe nützlicher Programme. Dazu zählen der Klassiker RasMol, der Alleskönner PyMol, der Baumeister Avogadro, das Java-Programm JMol (es läuft überall, sogar im Browser) sowie der Außenseiter GChemPaint.

Das verheißungsvollste Programm allerdings, Ghemical, das nicht nur Moleküle darstellt, sondern auch Molekülorbitalrechnungen vornehmen kann, entzog sich dem Test: Nach der Installation stürzte es mit einer Reihe Fehlermeldungen ab. Tatsächlich berichten alle einschlägigen Foren ebenfalls über Installationsprobleme von Ghemical auf Ubuntu.

Was die Programme können

In der Chemie sind chemische Formeln so etwas wie die Fachsprache der Chemiker. Ursprünglich nutzten sie die Summenformel, eine einfache Aneinanderreihung von Buchstaben und Zahlen für die Elemente und deren Anzahl im Molekül. Später lieferte die zweidimensionale Strukturformel deutlich mehr Information über das Molekül, etwa das Vorliegen von Einfach- und Doppelbindungen.

In den Visualisierungsprogrammen kommt nun die maßstäbliche Anordnung zur Strukturformel hinzu (Abbildung  1). Die Atome erscheinen in ihren korrekten Positionen und lassen sich aus verschiedenen Richtungen betrachten. Hinzu kommt je nach Programm die Darstellung von Moleküloberflächen, funktionalen Komponenten oder Elektronendichtekarten. Was bei dem einfachen Äthylenmolekül in Abbildung 1 noch ein wenig nach technischem Overkill aussieht, entpuppt sich bei komplexen Molekülen wie der DNS als äußerst hilfreiche Möglichkeit.

Abbildung 1: Die verschiedenen Darstellungen des einfachen Kohlenwasserstoffmoleküls Äthylen, von der einfachen Summenformel über die plastische Strukturformel bis hin zur Visualisierung.

Bei der Darstellung der Elektronenverteilung um das Atomgerüst des Moleküls herum handelt es sich um eine eine weitere hervorragende Fähigkeit der Molekülvisualisierung: Will man verstehen, wie elektrostatische Anziehungs- und Abstoßungsprozesse innerhalb des Moleküls wirken, hilft eine solche Elektronendichtekarte auf die Sprünge. Um sie zu erzeugen, greift man auf den Electron Density Server der Universität Uppsala [1] zurück. Der Prozess ist kompliziert, aber er funktioniert, wie die in diesem Test nach der entsprechenden Anleitung [2] mit PyMol erzeugte Abbildung 2 zeigt.

Abbildung 2: Die Elektronendichte, berechnet beim Electron Density Server der Universität Uppsala, gibt den Raum rund um das Atomgerüst des Moleküls an, in dem ein Elektron sich aufhalten kann.

Diese folgende Kurzübersicht stellt einige Anwendungen vor, die ihre ganze beeindruckende Visualisierungskraft aber erst im eigenen Experiment zeigen. Sie sollten sich daher bei Interesse selbst von der Macht der bewegbaren Molekülbilder zu überzeugen. Speziell die DNS-Darstellung auf der Biomodel-Website von Angel Herráez an der spanischen Universidad de Alcalá [3] eignet sich als gute Anlaufstelle zum Verständnis des Potenzials, insbesondere für den Biologie-Unterricht an Gymnasien.

RasMol, der Klassiker

RasMol [4] war das erste Molekülvisualisierungsprogramm für Linux. Die hier vorgestellte, auf Gtk basierende Version 2.7.5 erfreut durch eine nur mäßig komplexe Bedienung und erlaubt schnelle Wechsel von einer Darstellung in die nächste. Auch Drehen und Zoomen gehen nach kurzer Zeit intuitiv von der Hand.

Sie können auch mehrere Moleküle gleichzeitig laden. Nach der Auswahl des sichtbaren Moleküls verändern Sie dessen Darstellung sowie Position und veranschaulichen damit beispielsweise das Zusammenwirken mehrerer Moleküle bei Syntheseprozessen.

RasMol läuft nicht nur unter Linux, sondern auch unter Mac OS X sowie Windows – allerdings jeweils nur auf dem Desktop. Das bedeutet, dass sich damit die für den Schulbetrieb so interessanten Web-Tutorials nicht realisieren lassen.

Abbildung 3: Das "Klenow-Enzym", ein Protein-Fragment der DNA-Polymerase I des E.-Coli-Bakteriums, in der Cartoon-Darstellung von RasMol mit Fragmentfarbgebung. Neuere Visualisierungsprogramme lösen das das blaue Band in Molekülketten auf.

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