Medienserver

Auch wenn die Cloud-Anbietern uns gerne glauben machen wollen, dass inzwischen alles aus dem Netz kommt – nach wie vor dient typischerweise die eigene Festplatte als verlässlichste Medienquelle. Welche Lösungsmöglichkeiten bieten sich nun an, um dem heimischen Medienserver Zugriff auf einen solchen Massenspeicher zu gestatten?

Den meisten Anwendern dürfte hier die Idee kommen, eine externe Festplatte direkt an den Raspberry Pi anzuschließen. Das funktioniert zwar, stellt jedoch nicht das Nonplusultra im Spektrum der Möglichkeiten dar. Komfortabel wäre schließlich, wenn nicht nur das Mediacenter Zugriff auf den Massenspeicher mit der eigenen Film- und Musiksammlung hätte, sondern alle im heimischen LAN eingebuchten Geräte.

Direkt auf dem Raspberry Pi eine Server-Software laufen zu lassen, welche die angeschlossene externe Festplatte im LAN zur Verfügung stellt, ist jedoch eher nicht ratsam: Aufgrund der relativ schwachen CPU kann es beim Abspielen eines Films schnell zu einer Systemüberlastung kommen, wenn im Hintergrund gleichzeitig aktive Datentransfers zu mehreren Clients stattfinden. Eine sauberere und mit weitaus alltagstauglichere Lösung besteht darin, das Gerät im Wohnzimmer und den Massenspeicher physisch voneinander zu trennen – etwa durch ein im LAN vorhandenes NAS.

Nun sind handelsübliche NAS zum einen nicht eben preisgünstig, zum anderen erweisen sie sich als wenig flexibel: Es gilt mit den Protokollen zu leben, die der Hersteller von Haus aus implementiert hat. Als billige und flexible Alternative bietet es sich an, einen zweiten Raspberry Pi als Eigenbau-NAS zu nutzen. Als Distribution für das selbstgebaute NAS kann beispielsweise eine Minimal-Installation von Raspbian [15] dienen.

Falls im Netzwerk nicht das Raspberry-Mediacenter auf das NAS zugreift, sondern auch der ein oder andere Windows-Client, besteht die einfachste Vorgehensweise darin, das Samba-Protokoll zu verwenden. Dessen Performance lässt allerdings ausgerechnet bei breitbandigen Übertragungen, wie sie gerade bei Videodateien vorkommen, deutlich zu wünschen übrig. Besser fahren Sie hier mit NFS oder WebDAV. Haben Sie also auf dem NAS-Raspberry eine Server-Software wie Mediatomb installiert, um die Ordner der externen Festplatte freizugeben, kann der Mediacenter-Raspberry ohne Probleme auf die geteilten Daten zugreifen – XBMC beherrscht UPnP.

Damit durch die rund um die Uhr laufende NAS-Festplatte keine hohen Stromkosten entstehen, sollten Sie dieser einen Spindown verordnen, wenn mehrere Minuten am Stück niemand auf die Daten zugreift. Dafür installieren Sie das Paket hdparm auf dem NAS-Pi. Um die Festplatte unter /dev/sdanach einer Minute Inaktivität automatisch einzuschläfern, fügen Sie der Datei /etc/hdparm.conf folgende Zeile hinzu:

sudo hdparm -S 12 /dev/sda

Optische Scheiben kommen zwar langsam aus der Mode, aber dennoch hat der ein oder andere noch einige Filme in Form von Silberlingen zu Hause. Bei DVDs stellt das kein Problem dar – die spielt XBMC klaglos ab, vorausgesetzt, am Raspberry Pi hängt ein externes USB-DVD-Laufwerk. Bei Blu-ray-Disks sieht es jedoch eher düster aus – auf Grund eines rigiden DRM-Schutzes lassen sich verschlüsselte Scheiben derzeit nicht abspielen.

Des Kaisers neue Kleider

Die Oberfläche von XBMC lässt sich anpassen und auf Wunsch stark verändern. Alle drei für den Raspberry Pi erhältlichen Distributionen nutzen als Vorgabe den Standard-Skin von XBMC, "Confluence" (Abbildung 2). Via XML-Datei wird für einen solchen Skin festgelegt, wie die Menüstruktur aussieht und welche Bilder, Schriftarten und Grafiken der Benutzer zu Gesicht bekommt.

Abbildung 2: Confluence ist der Standard-Skin von XBMC.

In der offiziellen XBMC-Paketquelle finden sich mittlerweile einige weitere Skins, die sich dementsprechend einfach über das Einstellungsmenü nachinstallieren lassen. Als Beispiele dafür Skins seien hier Xeebo (Abbildung 3), Back Row (Abbildung 4), Quartz (Abbildung 5) und Metropolis (Abbildung 6) erwähnt. Es existieren jedoch noch weitaus mehr.

Abbildung 3: Xeebo erinnert nicht nur zufällig an Boxee.
Abbildung 4: Back Row gestaltet das Thema Kino optisch ansprechend.
Abbildung 5: Quarz imitiert auf dem Pi die Optik eines Apple-TV.
Abbildung 6: Wer es futuristisch mag, greift zur Metropolis-Skin.

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