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© Alexey Pinchuk, 123RF

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Ubuntu auf Mac Mini als Media-Center

28.02.2013
Ubuntu und der Mac Mini bilden ein Traumpaar im Wohnzimmer: Der eine schick und leise, das andere kraftstrotzend und multimedial.

Ubuntu gilt als anwenderfreundliches Linux mit einfacher Installation und Bedienerführung. Als Wohnzimmer-Rechner prädestiniert erscheint Apples Mac Mini, der klein und leise seine Aufgabe neben dem Fernseher unauffällig übernehmen kann. Für den Einsatz als Mediacenter tut es ein bei E-Bay erstandenes Gebrauchtgerät allemal: Das kommt oft günstiger als ein PC mit ähnlicher Leistung und vergleichbarem Formfaktor.

Als Ubuntu-Behausung fürs Wohnzimmer eignen sich prinzipiell alle Mac Minis mit einem Prozessor ab mindestens Core 2 Duo. Solche Geräte gibt es bei Ebay als Festpreis-Angebote für etwa 300 Euro, auf dem Auktionsweg mit etwas Glück sogar noch preiswerter. Geräte ab Jahrgang 2011 mit HDMI, schnellerem Prozessor und mehr RAM dagegen rangieren in Auktionen im 450-Euro-Bereich. Für einen Wohnzimmer-Rechner gilt es vor allem auf die Anschlussmöglichkeiten (Abbildung 1) zu achten. Details dazu finden Sie im Kasten "Modellpflege".

Abbildung 1: Je nach Jahrgang bietet der Mac Mini unterschiedliche Anschlüsse. Neuere Modelle lassen sich per HDMI direkt mit hochauflösenden Fernsehern verbinden. (Bild: Apple)

Modellpflege

Die neuesten Mac Minis wickeln die Video-Ausgabe via HDMI und den Thunderbolt-Ausgang (mit nativer Mini-Display-Port-Ausgabe) ab, die Ein- und Ausgänge für Audio sind nur noch analog ausgeführt. 2011er-Modelle besitzen die gleichen Video-Ausgänge, aber sowohl analoges wie auch digitales Audio. Mac Minis des Jahrgangs 2010 stellen für die Video-Ausgabe einen Mini-Display-Port und einen HDMI-Anschluss bereit, die Vorläufer aus dem Jahr 2009 Mini-DVI und einen Mini-Display-Port. Für den Anschluss an einen Fernseher benötigen Sie gegebenenfalls einen Adapter – bei Apple kosten solche zwischen 29 und 39 Euro, Alternativen von Drittherstellern reißen weniger tiefe Löcher in den Geldbeutel.

Installation

Seit man in Cupertino auf Intel-Prozessoren umgeschwenkt ist, lassen sich so gut wie alle Linux-Distributionen mithilfe einiger zusätzlicher Handgriffe auf Apples Maschinen installieren – trotz vereinzelter Treiber-Probleme.

Um Ubuntu einzurichten, greifen Sie am besten zum jeweils aktuellsten amd64+mac-ISO des Alternate- oder Desktop-Images [1]. Diese Mac-Versionen unterscheiden sich vor allem darin von den Standard-ISOs, dass Sie bei der Installation auf die zusätzliche Software rEFIt [2] verzichten können, mit der Sie ansonsten den Bootvorgang auf EFI-basierten Rechnern steuern.

Je nachdem, ob Sie Ubuntu parallel oder solo auf dem Mac Mini betreiben wollen, gilt es zunächst die Festplatte vorzubereiten: Entweder löschen Sie vorhandene Inhalte oder verkleinern die HFS+-Partition des OS-X-Systems, um genügend Platz für Linux und die Medien zu schaffen. Dies können Sie direkt von der OS-X-System-CD oder dem Recovery-Laufwerk mit dem Festplatten-Dienstprogramm erledigen.

Bei der Installation bieten die etwas älteren Mac Minis mit ihrem optischen Laufwerk gegenüber den ganz neuen Geräten einen Vorteil: Hier gelingt die Installation ein klein wenig einfacher als per USB-Stick (siehe Kasten "Starthelfer rEFIt").

Starthelfer rEFIt

Mit Boot Camp bietet Apple eine Möglichkeit, auf dem Mac neben OS X bequem Windows zu installieren und beim Booten zwischen den Systemen zu wählen. Für Linux sieht es dagegen schlecht aus, wie Apple in den Informationen zu Boot Camp offen einräumt. Mit rEFIt [2] können Sie dem Mac aber diesbezüglich auf die Sprünge helfen. Angenehmer Nebeneffekt: So lassen sich auch USB-Sticks, die nicht HFS+ formatiert sind, als Bootlaufwerk verwenden – etwa ein Ubuntu-Boot-Stick.

Nach dem Herunterladen installieren Sie rEFIt Mac-typisch über ein entsprechendes Programm auf dem Festplatten-Image. Anschließend gilt es den Rechner zwei Mal neu zu booten, was direkt mit EFI zusammenhängt. Von da an halten Sie beim Starten des Rechners immer [Alt] gedrückt, um rEFIt als Bootloader zu starten und das gewünschte Betriebssystem auszuwählen. Als hartgesottener Linux-Anwender benötigen Sie rEFIt jedoch nur, um den Mac Mini einmalig von einem Ubuntu-USB-Stick zu starten.

Grundinstallation

Um Ubuntu auf dem Mac Mini zu installieren, legen Sie die Ubuntu-DVD ins Laufwerk ein und halten beim Starten des Rechners [Alt] gedrückt. Es erscheint ein Bootmenü, in dem Sie das Windows-Medium (die Ubuntu-DVD) auswählen. Daraufhin startet der Mac Mini den Ubuntu-Installer vom Datenträger, in dessen Menü sie zunächst die gewünschte Sprache und anschließend die Funktion Installieren auswählen.

Während der Installation gelangen Sie zum Punkt Partitionieren. Wählen Sie hier die Option, den frei gewordenen Plattenplatz für Ubuntu zu partitionieren, dann legt der Installer die notwendigen Abschnitte im freigeschaufelten Bereich automatisch an. Nun richten Sie das System entsprechend der Eingabe-Aufforderung ein. Anschließend müssen Sie noch den Bootmanager installieren. Dazu sollten Sie sich während der Partitionierung merken, welcher Bereich dafür vorgesehen ist.

Zu guter Letzt können Sie den Rechner neu starten. Halten Sie dabei [Alt] gedrückt halten, lässt sich das zu startende Betriebssystem auswählen. Hinter dem Windows-Eintrag verbirgt sich dabei die neue Linux-Installation.

Es kann vorkommen, dass Sie beim ersten Start die Ubuntu-Recovery-Version booten müssen: Oft funktioniert die Grafik nicht auf Anhieb. Mit ein paar Befehlen auf der Kommandozeile installieren Sie dann die passenden Grafik-Treiber:

$ sudo apt-get install nvidia-current nvidia-settings

Dann passen Sie die Datei /etc/modprobe.d/blacklist.conf an, indem Sie dort einen Eintrag wie blacklist nouveau hinzufügen. Das genaue Vorgehen hängt von der im genutzten Mac-Mini-Modell verbauten Grafikkarte ab.

Nachdem nun Linux nun klaglos auf dem eventuell zunächst etwas widerspenstigen Mac Mini läuft, wird es Zeit, sich um die multimedialen Bestandteile zu kümmern. Als Basis-Software für den Einsatz auf dem Multimedia-Rechner im Wohnzimmer eignet sich das XBMC-Paket [3] sehr gut. Neben diesem bewährten und beliebten Media-Center bieten sich eine Reihe weiterer Programme für den einzelnen oder zusätzlichen Einsatz auf der Media-Zentrale an.

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