08/2012

Da seh ich schwarz

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Fedora 18, die "kugelrunde Kuh" (Spherical Cow) verspricht ein ganz besonderes Release zu werden – nicht nur wegen des von Microsoft signierten, UEFI-Secure-Boot-kompatiblen Bootloaders, der bereits für ein mächtiges Rauschen im Blätterwald sorgte. Bislang fast gänzlich unbemerkt haben sich das Gnome-Projekt und Fedora für das Release eine tolle Neuerung in Sachen Benutzerfreundlichkeit ausgedacht, der sie die auf den ersten Blick relativ harmlos wirkende Bezeichnung Offline System Updates gegeben haben [1].

Das Offline-System-Update, laut Fedora-Wiki für die "Aktualisierung von Betriebssystemkomponenten" gedacht, aber in Wirklichkeit für den Gnome-3-Desktop ausgebrütet, funktioniert folgendermaßen: Das System lädt zunächst ohne jede Benutzerinteraktion die betreffenden Komponenten im Hintergrund herunter. Erst nachdem es das erledigt hat, informiert es Sie davon, dass Updates zum Einspielen vorliegen, und fragt, ob es diese nun installieren soll, oder Sie das Update auf später (Not now) verschieben möchten (siehe Interface-Mockups unter [2]). Stimmen Sie der Aktualisierung zu, fährt Fedora 18 die aktuelle Sitzung herunter und bootet in einen speziellen System-Update-Modus, in dem es die neue Software einspielt (siehe Abbildung). Ist das erledigt, rebootet der Rechner wieder, diesmal zurück in die voreingestellten Sitzungstyp.

So sieht nach Vorstellung des Gnome-Projekts der Offline-Update-Bildschirm aus. (Bild: live.gnome.org)

Reboot beim Einspielen von Aktualisierungen, Updates werden konfiguriert, bitte schalten Sie den Computer nicht aus -- Update 3 von 69 ..., kommt Ihnen das bekannt vor? Genau, Gnome und Fedora wollen uns als tolle neue Errungenschaft verkaufen, was schon Generationen von Windows-Usern halb in den Wahnsinn getrieben hat, und damit die reibungslosen und störungsfreien Updates abschaffen, die eine der angenehmsten Eigenschaften von Linux darstellen.

Das Ersetzen von Bibliotheken und Dateien bei laufendem Betriebssystem könne zu Anwendungsabstürzen und Inkonsistenzen führen, die sich mit der "neuen" Methode vermeiden ließen, so lautet die schmallippige offizielle Begründung. Nur wenig auskunftsfreudiger gibt sich Richard Hughes (Red Hat), neben Lennart Poettering (ebenfalls Red Hat) einer der beiden Protagonisten dieses Vorhabens, in seinem Blog [3]: Als Beispiel für Software, die dieses Vorgehen erforderlich mache, führt er lediglich Firefox und Gnome-session an (beides übrigens gerade keine Betriebssystemkomponenten).

Ja, liebe Freunde, geht's denn noch? Wäre es, statt eine gestandene Linux-Distribution zu einem billigen Microsoft-Imitat zu degradieren, das bei jeder Anwendungsaktualisierung rebootet, nicht vielleicht einfacher, Firefox und Gnome ein wenig Update-freundlicher zu programmieren? Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber ich habe in den letzten 15 Jahren tausende Male Linux-Systeme im laufenden Betrieb aktualisiert und dabei nie auch nur das geringste Problem gehabt. Auch nicht mit Red-Hat- oder Fedora-Desktops, Firefox hin oder Gnome her. Das ist jetzt wohl Geschichte … 

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Kommentare
Marcus Moeller
abgebrochene Updates (unangemeldet), Donnerstag, 19. Juli 2012 13:35:11
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Ich kenne viele Fälle die sonst einfach während eines Updates den Compi ausschalten. Das führt oftmals zu einem nicht mehr nutzbaren System.

Alle Möglichkeiten dies ein wenig abzufangen, befürworte ich.


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Re: Marcus Moeller
flows (unangemeldet), Mittwoch, 25. Juli 2012 12:13:04
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Naja, also manchmal kommt das schon vor. Wenn man sich eine neue Major von KDE zieht kam es mit Kubuntu bei mir schon einmal vor, dass sich die Anwendungen auf einmal sehr seltsam verhalten haben (inklusive Absturz :) ). Einmal ausloggen, wieder einloggen und dann gings wieder; aber komplett neu starten halte ich auch für eine ziemlich bescheuerte Idee.


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