Gut eingerichtet

Falls Sie sich entscheiden, das System dauerhaft auf Ihre Festplatte zu packen, dann stoßen Sie die Installation mit dem etwas versteckt angeordneten, altbekannten Ubuntu-Installer im Home-Verzeichnis an. Sie erreichen ihn durch einen Klick auf den Dateiordner Files & Folders im zentralen Launcher. Im sich öffnenden Thunar-Fenster starten Sie die Routine mit einem Klick auf INSTALL ELEMENT. Der Installer befördert rund 1,9 GByte an Dateien und Programmen auf die Festplatte. Nach einem anschließenden Warmstart bootet das Betriebssystem in gewohnter Ubuntu-Manier in den schon von der Live-CD bekannten Startbildschirm.

Als Betriebssystem mit multimedialen Ambitionen gibt sich Element OS nur bedingt ressourcenschonend: Als Mindestvoraussetzung nennen die Entwickler einen Rechner mit 1,6-GHz-Prozessor, mindestens 1 GByte Arbeitsspeicher sowie mehr als 10 GByte freien Festplattenplatz. Sofern Sie hochauflösende Videos in 1080p-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) ansehen möchten, muss der Home-Theater-PC (HTPC) zwingend über eine moderne Grafikkarte von ATI oder Nvidia verfügen. Systeme mit integrierten Grafikchipsätzen von VIA unterstützt Element OS gar nicht, und auch der GMA 950-Chipsatz von Intel lieferte im Test zu wenig Leistung, um hochauflösende Videos ruckelfrei zu betrachten.

Auch das zentrale Mediencenter XBMC entpuppte sich im Test selbst auf modernen Grafikkarten als teils sehr störrisch: So funktioniert das flüssige Bedienen des XBMC bei ATI-Grafikkarten nur dann, wenn Sie den proprietären Linux-Treiber von ATI verwenden [2]. Die freien Treiber, die Ubuntu von Haus aus installiert, brachten auf keinem einzigen von sechs Testsystemen mit ATI-Grafikkarte befriedigende Ergebnisse.

Sofern Sie Ihren HTPC mit einem herkömmlichen Flachbildfernseher betreiben möchten, braucht die Grafikkarte zudem zwingend einen HDMI-Ausgang. Mit HDMI, das auch auf großen Bildschirmen eine sehr gute Auflösung erzielt und daher echte Kino-Atmosphäre aufkommen lässt, lassen sich alle Arten von digitalen Inhalten detailreich darstellen. Mit der entsprechenden HD-Audio-Unterstützung, für die Element OS durch den grafischen HDMI-Audio-Switch Einstellmöglichkeiten bietet, genießen Sie zusätzlich echten Raumklang (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auch die Audio-Fähigkeiten von Element OS lassen sich individuell einstellen.

Multifunktional

Nach dem Installieren des Betriebssystems steht Ihnen mit relativ wenigen, jedoch sorgfältig ausgewählten multimedialen Applikationen die gesamte Bandbreite an Video-, Audio- und Streaming-Optionen offen, die es derzeit gibt.

Im Launcher finden Sie einen voreingestellten Starter für den VLC-Player, der faktisch das gesamte Spektrum an Videodateien dank eigener Codecs abspielt und auch Streams aus dem Internet sowie TV-Standards beherrscht. Für den Musikgenuss zeichnet der ebenfalls per zentralem Launcher zu startende Audio-Player Decibel (in der nicht mehr ganz aktuellen Version 1.01) verantwortlich, den Sie dank seiner intuitiv zu bedienenden Oberfläche ohne Lernaufwand sofort nutzen.

Das absolutes Highlight der multimedialen Programmsammlung stellt jedoch das Mediacenter XBMC dar, das sich nicht nur als Allround-Abspieler sowohl offline als auch online bewährt, sondern durch seine konsistente Oberfläche für alle Arten von Aufgaben und Medien auch vergessen lässt, dass es sich im Grunde um eine PC-Applikation handelt. Einziger Wermutstropfen von XBMC: die enormen Hardwareansprüche, die bei schwächeren Systemen ein Ausweichen auf die alternativen multimedialen Applikationen angeraten erscheinen lassen. Diese ließen sich im Test mit Element OS auch auf betagteren Maschinen mit Pentium-III-"Tualatin"-Prozessor problemlos betreiben (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Medienauswahl – hier ein lokal gespeichertes Video – geschieht mit wenigen Mausklicks.

Sofern Sie bevorzugt online in Mediensammlungen stöbern und diese großformatig nutzen möchten, bringt Element OS einige Browser-Plugins mit, die aus Firefox ein Online-Mediacenter machen: Mit Cooliris verwandeln Sie den freien Webbrowser in eine 3D-Bilderwand, die sich aus verschiedenen Online-Diensten wie Picasa, Facebook oder Flickr speist. YouTube XL, das Sie per Mausklick im App-Finder-Menü Multimedia aufrufen, gestattet über eine einfach zu bedienende Oberfläche das Betrachten von Youtube-Videos auch auf großen Bildschirmen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Auch der speziell für große Bildschirme gedachte Youtube-XL-Dienst lässt sich in Element OS per Mausklick starten.

Für gängige Aufgaben wie das Brennen von CDs und DVDs oder das Betrachten einzelner Bilder zeichnen altbekannte Programme wie Brasero und Gthumb verantwortlich. Bildbearbeitungsprogramme wie der Bolide Gimp oder Scansoftware wie Sane und Xsane fehlen hingegen völlig. Sollte Sie die multimediale Software-Ausstattung von Element OS trotz der vielen Highlights nicht befriedigen, so bieten die Entwickler nicht nur auf Ihrer Website die Option an, alternative Software wie beispielsweise das Moovida-Media Center herunterzuladen [3]: Sie können auch über Synaptic und einen eigenen Application-Store zusätzliche Programme in Ihr System einbinden, wobei über Synaptic der übliche Ubuntu-Fundus mit knapp 30.000 Paketen zur Verfügung steht, der sich um weitere Repositories ergänzen lässt. Damit dürften kaum mehr Wünsche offen bleiben.

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