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© Paolo De Santis, 123rf.com

Neue Mediacenter-Distribution

Linux für die Couch

Home-Theater-PCs schlagen eine Brücke zwischen Wohnzimmer und Arbeitsplatz. Mit dem auf Linux basierenden Element OS sind Sie auch mit Standard-Hardware dabei.

Die moderne Unterhaltungselektronik und der PC mit Internetanschluss wachsen immer weiter zusammen. Kleine Settop-Computer, sogenannte Home-Theater-PCs oder auch Nettops gehen mit multimedialen Inhalten wesentlich flexibler um als ein altgedienter Fernseher mit DVD-Player und lassen sich obendrein bei Bedarf auch noch als schlichter Rechenknecht verwenden.

Wer auf allen Multimedia-Hochzeiten mittanzen möchte, ohne für Betriebssystem, Anwendungssoftware, Antiviren-Programme und Codecs jeweils viel Geld ausgeben zu müssen, kommt bei der Ausstattung seines Mediacenter-PCs an Linux nicht vorbei. Dabei sind die Zeiten umständlicher Installation und manueller Konfiguration längst vorbei: Dank spezieller Mediacenter-Distributionen, die Ihnen die bunte Multimedia-Welt in allen Facetten eröffnen, lässt sich ein solches System zur Not sogar ohne jegliche Installation im Live-Betrieb sofort nutzen.

Doch Mediacenter ist nicht gleich Mediacenter: Mit dem aus den USA stammenden Element OS [1] tritt eine noch sehr junge Distribution an, die durch einige Besonderheiten Aufmerksamkeit erregt.

Elementares

Element OS basiert in der neuesten Version 1.3 auf Ubuntu 9.10 und besteht nicht wie andere Mediacenter-Distributionen aus einer einheitlichen Oberfläche mit ausschließlich medialen Applikationen: Stattdessen setzt es auf den schlanken XFCE-Desktop auf, den die Entwickler jedoch so stark angepasst haben, dass nur noch Eingeweihte erkennen, dass es sich hier um eine ehemalige Arbeitsoberfläche handelt.

Auch von der Programmauswahl von Ubuntu blieb nicht viel übrig: Es hielten sich lediglich Firefox als Webbrowser, der Internet-Messenger Pidgin zur Kommunikation, der BitTorrent-Client Transmission, die Brennsoftware Brasero sowie einige Spiele. Als multimediales Zentrum dient XBMC. Im Gegensatz zu herkömmlichen Distributionen bietet Element OS von Haus aus jedoch Zugriff auf unterschiedliche Anbieter von Online-Inhalten, wie beispielsweise Cooliris, Clicker, Amazon on Demand oder Youtube XL.

Um die speziellen hardwarespezifischen Bedürfnissen der Anwender im heimischen Wohnzimmer zu bedienen, unterstützt das System zusätzlich viele per Bluetooth-Schnittstelle ansteuerbare drahtlose Tastaturen, Mäuse und Trackballs. Nach dem Einrichten einer entsprechenden Software lässt sich Element OS sogar vom Smartphone aus steuern, wobei dieses als Betriebssystem das ebenfalls Linux-basierte Android nutzen muss.

Live dabei

Die Multimedia-Distribution startet von einer Live-CD, wobei im Startmenü bereits die erste Besonderheit ins Auge sticht: Neben dem primären Starteintrag findet sich ein Menüpunkt, der statt eines hardwarespezifischen Treibers für die Grafikkarte den VESA-Standardtreiber nutzt. Auf diese Weise lässt sich das System auch auf störrischer Hardware zur Kooperation bewegen. Der dritte Menüeintrag startet den Rechner von der eingebauten Festplatte. Im Test auf mehreren Maschinen fiel uns auf, dass Rechner ohne 3D- und OpenGL-fähige Grafikkarte meist nur zwei Menüeinträge beim Start aufweisen: Offenbar nutzen sie von Haus aus den VESA-Treiber.

Nach erfolgreicher Anmeldung – hier geben Sie als Benutzername element ohne ein Passwort an – begrüßt Sie das System mit einer in dunklen Farben gehaltenen Oberfläche mit einer Panelleiste am oberen Bildschirmrand. Daneben gibt es noch zwei Buttons in den beiden unteren Ecken sowie einen Programmstarter in der Mitte, der sechs vergrößerte Icons anbietet (Abbildung 1).

Abbildung 1: Element OS bietet eine übersichtliche, einfach zu bedienende Oberfläche auf Basis von XFCE.

Als zentrales Steuerelement des Betriebssystems entpuppt sich der eigens entwickelte Application Finder, der sich hinter dem Symbol in der linken oberen Bildschirmecke verbirgt. Sie rufen sämtliche Programme entweder über ihn oder den zentralen Programmstarter-Streifen auf, wobei Sie letzteren über den E-Bar Editor an Ihre Vorstellungen anpassen.

Der Application Finder ähnelt auf den ersten Blick einem Dateimanager: In einer links im Programmfenster angeordneten Kategorienspalte wählen Sie aus den unterschiedlichen Programmgruppen, worauf Sie im rechten Fensterbereich alle in dieser Kategorie installierten Softwarepakete als übersichtliche Liste präsentiert bekommen. Ein Doppelklick auf einen der Einträge startet das entsprechende Programm (Abbildung 2).

Abbildung 2: Programmauswahl einmal anders: Der App Finder von Element OS.

In der oberen Menüleiste findet sich neben dem Application Finder auch noch ein Icon zum Aufruf des Alsa-Mixers. Mit dem zweiten Schalter von links räumen Sie den Desktop von geöffneten Fenstern frei, das rote Kreuzsymbol rechts schließt die jeweils im Vordergrund befindliche Anwendung.

Da Element OS keine herkömmliche Panelleiste kennt, können Sie nicht mithilfe der Panelanzeige zwischen mehreren geöffneten Programmen wechseln. Dazu verwenden Sie entweder den klassischen Task-Umschalter ([Alt]+[Tab]) oder holen den Desktop über das entsprechende Symbol nach vorn. Dort residieren dann die gerade geöffneten Anwendungen in Form großer Icons. Durch einen Klick auf das gewünschte Programmsymbol holen Sie nun die gewünschte Applikation in den Vordergrund.

Am unteren Displayrand befinden sich lediglich der Papierkorb und ein Schalter zum Abmelden und Herunterfahren des Systems. Mit diesen wenigen Bedienelementen lässt sich das System bereits im Live-CD-Betrieb ohne Installation sehr schnell und bequem steuern. Da Element bereits von Haus aus die wichtigsten Multimedia-Codecs mitbringt, steht einem gemütlichen Filmabend zuhause nichts im Weg.

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