Debian: Gerangel um Freeze-Zyklus und "Squeeze"

Am 29. Juli gab das Debian-Release-Team bekannt auf einen festen zweijährigen Freeze-Zyklus wechseln zu wollen (http://www.debian.org/News/2009/20090729). Im Dezember von Jahren mit ungerader Jahreszahl sollten Releases eingefroren werden, im darauf folgenden Jahr sollte dann die Freigabe erfolgen. Erster Kandidat sei mit Version 6.0 "Squeeze", das diesen Dezember eingefroren werde und dann in der ersten Jahreshälfte 2010 erscheine.

Tags darauf, am 30. Juli, kippte das Projekt den Beschluss schon wieder. "In Anbetracht des Feedbacks aus der Debian-Community auf die ursprüngliche Ankündigung" habe das Release-Team "beschlossen, die für Dezember 2009 als vorgeschlagenen Freeze-Termin getroffene Entscheidung noch einmal zu überprüfen", hieß es in einer kleinlauten Meldung im Nachrichtenbereich des Projekts (http://www.debian.org/News/2009/20090730). Einen neuen Freeze-Zeitpunkt für "Squeeze" werde man nach einer eingehenden Prüfung Anfang September bekanntgeben.

Mit den "Feedbacks aus der Community" meint die Meldung offenbar die erbitterten Proteste aus Projektkreisen (http://tinyurl.com/lu0909-debfreeze), die sofort nach Bekanntwerden des Beschlusses zu einem festen Freeze-Zyklus einsetzten. Neben Schwierigkeiten mit dem "frühen" Freeze und Befürchtungen hinsichtlich möglicher Qualitätsverluste tauchte in der Diskussion auch des öfteren das Argument auf, damit spiele man Ubuntu in die Hände: Der Beschluss für einen festen Freeze-Zeitpunkt hätte es ermöglicht, die Releases von Debian und Ubuntu zu synchronisieren, wie das Mark Shuttleworth wiederholt vorgeschlagen hat. Viele Debianer befürchten, dabei gegenüber Ubuntu ins Hintertreffen zu geraten und möglicherweise sogar Anwender an das südafrikanische Debian-Derivat zu verlieren.

OpenSuse-Nutzer fordern KDE als Standarddesktop

Bis zur Übernahme der Suse Linux AG durch Novell war KDE unumstritten der Standard-Desktop der Nürnberger Distribution. Jetzt fordern OpenSuse-Nutzer vermehrt, zu diesem Zustand zurückzukehren: Im OpenSuse-Feature-Tracking-System (openFATE) ist das zurzeit am meisten gewünschte Feature, KDE wieder als Standarddesktop einzusetzen (https://features.opensuse.org/306967). Den entsprechenden Feature Request reichte das neu gewählte KDE-Vorstandsmitglied Frank Karlitscheck ein.

Da Novell für die von OpenSuse abgeleiteten Enterprise-Produkte Gnome als Standard-Desktop empfiehlt, listet die Installationsroutine von OpenSuse als Kompromiss zwischen Tradition und Geschäftsinteressen Gnome als ersten Desktop noch vor KDE auf, wählt aber keinen der beiden aus. Dieser Kompromiss stelle aber gerade für Neueinsteiger ein unnötiges Hindernis dar, weswegen OpenSuse auch wieder zu KDE als Standard zurückkehren und Gnome als Option beibehalten solle, fordert nun Karlitscheck.

Auch der bekannte KDE-Entwickler Sebastian Kügler hat sich in die Diskussion eingemischt und fordert in seinem Blog Novell auf, Stellung zu beziehen und die unberechtigte Bevorzugung von Gnome zu beenden (http://vizzzion.org/?blogentry=919). Novell könne nur durch eine Rückkehr zu KDE beweisen, dass tatsächlich die Community die Richtung von OpenSuse bestimme und nicht der Kommerz.

Kurz notiert

Canonical bietet ab sofort für Ubuntu kommerziellen Desktopsupport für Privatanwender ("Starter"), Business-User ("Advanced") und kleine Unternehmen ("Professional") an (http://shop.canonical.com/index.php?cPath=31_32). Alle drei Varianten umfassen 5x9-Telefonsupport, E-Mail-Support sowie Sicherheits- und Produktupdates. Die Preise reichen von 48 bis 192 Euro jährlich.

Das auf Foresight Linux basierenden Gnome Developer Kit (http://live.gnome.org/GnomeDeveloperKit) bringt einen täglich aus den Quellen aktualisierten Gnome-Desktop samt rund 100 Anwendungen mit. Als Paketmanager dient dabei Conary. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Gnome-Entwickler und die Übersetzer in den Lokalisierungsteams.

Das wochenlange Abtauchen von Lance Davis brachte Ende Juli vorübergehend CentOS aus dem Tritt: Der Projekt-Mitbegründer verwaltete nicht nur die CentOS-Webdomain, sondern auch alle Rechte und Marken sowie die Spendengelder. Auf einen offenen Brief auf der Website hin (http://www.centos.org/modules/news/article.php?storyid=381) meldete er sich aber nach wenigen Tagen und übergab die Domain sowie alle Zuständigkeiten in den Gesamtbesitz des Projekts.

In den erlauchten Kreis der 500 größten an der US-Börse notierten Unternehmen rückte Mitte Juli Red Hat auf (http://tinyurl.com/lu0909-redhat). Nach der Bekanntgabe der Aufnahme in den S&P-500-Index legten die Aktien des Unternehmens prompt acht Prozent zu.

Der Community-Remix Omega 11 (http://omega.dgplug.org) basiert auf Fedora 11, bedient sich jedoch anders als das Original auch in den Non-Free-Repositories von RPM Fusion. Das ist zwar nicht die reine Lehre, macht aber multimedia-affinen Desktopanwendern das Leben leichter.

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