Besiedlung

AIR enthält zwar einen Flashplayer, jedoch kein Plugin für den Browser. Das brauchen Sie zusätzlich (und in der neuesten Version 10), da Sie ansonsten die meisten AIR-Anwendungen schlichtweg nicht herunterladen können. Ubuntu-Nutzer finden einen aktuellen Flashplayer für Firefox beispielsweise im Paket flashplugin-nonfree, alternativ schnappen Sie ihn sich direkt von der Adobe-Webseite [8].

Mit dem installierten Flashplayer im Rücken steuern Sie nun zum Beispiel den Adobe Marketplace an. Sobald Sie auf den Download-Link klicken, lädt die AIR-Umgebung das Paket herunter und fragt nach, ob Sie es öffnen (also installieren) oder doch lieber erst auf der Festplatte speichern möchten (Abbildung 6). Sofern möglich, sollten Sie immer den zweiten Weg wählen. Warum, erfahren Sie weiter unten.

Abbildung 6: Nach dem Download einer Software bietet AIR Ihnen an, diese zu öffnen oder zu speichern. Wählen Sie besser den letzteren Weg.

Klicken Sie das Paket auf der Platte doppelt an, übernimmt die AIR-Umgebung und vergewissert sich, ob Sie die Anwendung auch tatsächlich installieren möchten. Werfen Sie hier im oberen Bereich unbedingt einen Blick auf die Einträge Veröffentlicher und Anwendung. Nur wenn diese mit den von Ihnen erwarteten Daten übereinstimmen, installieren Sie das Paket.

Im nächsten Schritt möchte AIR wissen, in welches Verzeichnis die Anwendung gehört und ob Sie eine Desktop-Verknüpfung wollen – klicken Sie einfach auf Weiter. AIR verlangt dann noch einmal nach dem Root-Passwort, und schon steht die AIR-Anwendung Gewehr bei Fuß. Später erreichen Sie diese bequem über einen eigenen Eintrag im Startmenü.

Das Archiv der gerade installierten AIR-Anwendung sollten Sie unbedingt gut aufbewahren: Um das Programm später wieder loszuwerden, klicken Sie noch einmal doppelt auf die Datei. Ein kleines Fenster bietet Ihnen dann an, die Anwendung zu starten oder aber zu Deinstallieren. Haben Sie das Archiv bereits entsorgt, helfen die Tipps aus dem Kasten "Hinter den Kulissen" weiter.

Hinter den Kulissen

Soll die AIR-Umgebung eine Anwendung installieren, so entpackt sie zunächst das Paket, schnürt daraus ein zur Distribution passendes RPM- oder DEB-Archiv und spielt dieses mit Hilfe des systemeigenen Paketmanagers ein. In dessen Oberfläche finden Sie dann die AIR-Anwendung unter einem recht komplex aufgebauten Namen, der mit der Domain des Herstellers beginnt. Daran hängen der Programmname sowie einen Rattenschwanz aus Ziffern und Buchstaben. So firmiert das kleine Jigsawlight-Puzzle beispielsweise als net.watype.puzzle.jigsawlite.<§§I>Zeichenfolge<§§I>. Haben Sie aus Versehen das .air-Paket einer Anwendung weggeworfen oder möchten den ganzen AIR-Freundeskreis in einem Rutsch wieder loswerden, befördern Sie einfach mit ihrem Paketmanager alle Anwendungen wie gewohnt rückstandsfrei ins Nirwana.

Im Paketmanager finden Sie übrigens auch die AIR-Umgebung. Das zugehörige Paket trägt den Namen adobeair1.0. Lassen Sie sich dabei nicht von der Zahl irritieren: Die wahre Versionsnummer zeigt Ihr Paketmanager in der entsprechenden Spalte an, derzeit sollte sie 1.5 lauten. Wie die Liste der installierten Dateien zeigt, residiert die AIR-Umgebung grundsätzlich im Verzeichnis /opt/Adobe AIR. Wo die einzelnen Anwendungen liegen, bestimmt hingegen der Anwender bei der jeweiligen Installation.

Um die gesamte AIR-Umgebung über Bord zu werfen, rufen Sie den Punkt Adobe AIR Uninstaller auf, der sich irgendwo in Ihrem Startmenü versteckt – unter Ubuntu beispielsweise hinter Anwendungen | Zubehör. Doch Vorsicht: Hiermit entfernen Sie ausschließlich die komplette Umgebung. Zu diesem Zeitpunkt noch installierte AIR-Anwendungen bleiben als Datenmüll auf der Festplatte zurück.

Steht eine aktualisierte Version einer AIR-Anwendung bereit, erhalten Sie eine entsprechende Nachricht. Entscheiden Sie sich für ein Update, lädt die AIR-Umgebung das aktualisierte Paket automatisch herunter, spielt es ein und startet die Anwendung neu. Damit das reibungslos klappt, muss der Anwendungsentwickler allerdings die entsprechenden, in AIR enthaltenen Mechanismen nutzen.

Zukunft ungewiss

Adobe bietet mit AIR ein bestechendes Konzept: Wer interaktive Internet-Seiten erstellen kann, hebt in kurzer Zeit auch komplette Desktopanwendungen aus der Taufe. Mit ganz ähnlichen Ideen stehen jedoch auch schon Microsofts Silverlight [9] und Mozilla Prism [10] in den Startlöchern. Im Gegensatz zu den beiden Kontrahenten setzt Adobe auf proprietäre Dateiformate aus dem eigenem Haus, wie etwa Flash. Es entsteht so der Eindruck, dass der Photoshop-Hersteller über AIR die Vormachtstellung von Flash festigen und ganz nebenbei noch den Absatz seiner übrigen Produkte ankurbeln möchte.

Ob Adobe mit dieser Strategie Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Derzeit existieren erst wenige Anwendungen, die sich zudem meist auf kleinere Werkzeuge, Spielchen oder Clients für bestehende Portale beschränken. Zumindest für Endanwender gibt es deshalb noch keinen triftigen Grund, sich das laue Lüftchen auf seinen PC zu holen: Die wenigen interessanten Programme leiden noch am dürftigen Funktionsumfang oder konkurrieren mit besseren, nativen Linux-Anwendungen. Wer selbst in die Programmierung von AIR-Anwendung einsteigen möchte, findet kostenlose Werkzeuge und eine umfangreiche Dokumentation auf den Adobe-Seiten [1].

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