Platz da!

Die Übertragung der Daten folgt in Europa dem DVB-Standard (für Digital Video Broadcast). Dieser schickt Videos im gleichen Format über den Äther, das auch DVDs nutzen. Folglich produzieren die TV-Karten einen recht hohen, kontinuierlichen Datenstrom. Der belastet zum einen den Hauptprozessor, zum anderen müssen die Festplatten die Daten schnell genug entgegennehmen. Daher sollten Sie Videos auf eine eigene, zweite Festplatte auslagern, die Sie notfalls schnell gegen ein größeres Modell austauschen: Die von MythTV produzierten Dateien wachsen schnell. Dies erfordert neben viel freiem Speicherplatz auch ein Dateisystem, das solche Brocken klaglos schluckt: FAT32 etwa streicht bei 4 GByte großen Dateien laut Microsoft die Segel. Ähnliches gilt übrigens auch für ReiserFS in den Versionen 3 und 4. Die Dokumentation zu MythTV rät deshalb zu XFS oder JFS, aber auch Ext3-Platten funktionieren tadellos.

MythTV

Zeigt sich die Hardware des neuen Videoservers einsatzbereit, installieren Sie die Media-Center-Software. Das ist zwar nicht ganz trivial, aber dennoch mit wenigen Handgriffen erledigt. Fast alle größeren Distributionen bringen MythTV mit oder verstecken es in einem ihrer Repositories.

Unter OpenSuse 10.3 aktivieren Sie etwa in YaST unter Software | Community Repositories das Packman-Repository. Anschließend wechseln Sie zu Software installieren und löschen und spielen die Pakete mythtv-backend, mythtv-setup und mythtv-frontend ein, die in Version 0.20.2 vorliegen. Unter Ubuntu 7.10 "Gutsy Gibbon" müssen Sie nicht einmal ein externes Repository einbinden: Es genügt, die Pakete der Version 0.20.2 via Synaptic oder Adept einzurichten. Wer die Software aus den Quellen erstellen muss oder will, wirft einen Blick auf den Kasten "Kompilieren". Erscheint Ihnen die Installation zu aufwändig, schnuppern Sie über eine spezielle Live-Distribution wie KnoppMyth [4] oder Mythbuntu [5] in MythTV hinein.

Kompilieren

Um MythTV zu übersetzen, benötigen Sie zunächst folgende Bibliotheken und Werkzeuge: Das übliche g++- und make-Besteck, Qt einschließlich der Pakete und Werkzeuge für Entwickler (unter OpenSuse beispielsweise das Paket qt3-devel), Freetype 2, den MP3-Encoder Lame und die komplette MySQL-Datenbank.

Lief Ihre TV-Karte out of the box ohne externe Treiber, installieren Sie zusätzlich noch die Linux-Kernelquellen. Anderenfalls benötigen Sie das entpackte Archiv mit den externen Treibern. Unter OpenSuse nehmen Sie noch /usr/lib/qt3/bin in die Umgebungsvariable $PATH auf:

export PATH=$PATH:/usr/lib/qt3/bin

Wer mag, darf abschließend noch XMLTV installieren. Dieses Werkzeug liefert eine aufgebohrte, elektronische Programmzeitschrift (EPG) mit, die ihre Daten aus dem Internet fischt. Entpacken Sie dann das MythTV-Quellcode-Archiv von der Heft-CD und starten Sie den Übersetzungsvorgang mit

$ ./configure --enable-dvb --dvb-path=/usr/src/linux/include
$ qmake mythtv.pro
$ make
$ sudo make install

Verwenden Sie einen externen Treiber für Ihre TV-Karte, suchen Sie in dessen Quellcode nach der Datei frontend.h. Dann wird es etwas komplizierter: Wechseln Sie wieder zwei Verzeichnisse nach oben (frontend.h liegt in linux/dvb). Ermitteln Sie nun den gesamten Pfad, der vom Wurzelverzeichnis (/) in das aktuelle Verzeichnis führt. Diesen Pfad verwenden Sie in der obigen Befehlskette anstelle von /usr/src/linux/include (also den kompletten Pfad zu linux/dvb/frontend.h).

Taucht während der Programmerstellung eine Fehlermeldung auf, die sich um die Datei dca.h dreht, so müssen Sie noch die Bibliothek libdca (auch als libdts bekannt) samt Entwicklerbibliotheken (-dev oder -devel) einspielen [6].

Nach der Installation von MythTV ergänzen Ubuntu-Benutzer noch die Zeile /usr/local/lib in der Datei /etc/ld.so.conf.

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