Materialistisch

Das Videomaterial kopieren Sie am besten bereits vorher auf den PC. Veejay gibt sich dabei extrem wählerisch. Der Effektkünstler verdaut lediglich Digitalvideos im DV-Format sowie mit dem MJPEG-Verfahren komprimierte Filme in Form von AVI- oder Quicktime-Dateien. MPEG4 – also auch DivX- und Xvid-Material – frisst Veejay nur, wenn es ausschließlich aus so genannten I-Frames besteht – was wiederum nur äußerst selten der Fall sein dürfte. Die Umwandlung von Filmmaterial mit Transcode ist eine Wissenschaft für sich. Um etwa ASF-Material inklusive Sound für Veejay aufzubereiten, sieht der Transcode-Befehl etwa so aus:

transcode -i quelle.asf -o ziel.avi -x mplayer -y mjpeg -N 0x1 -g 640x480 -J resample -e 4000 -E 48000 -b 128 -F libmpeg2 -f 25.000,11

Neben Artikeln zum Thema ([3],[4]) hilft ein ausführliches Transcode-Wiki [5] weiter.

Veejays Bedingungen gehen aber noch weiter: Alle gezeigten Filme brauchen die gleiche Auflösung und Bildwiederholrate (Framerate). Veejay verweigert den Versuch, einen NTSC-Films mit selbst gedrehtem PAL-Material zu mischen. Konvertieren Sie daher vor dem Live-Auftritt alle benötigten Filme in das gleiche Format und sammeln Sie diese in einem gesonderten Verzeichnis oder – noch besser – auf einer eigenen, schnellen Festplatte.

Herr Klaviermeister

Liegen alle Filme vor, starten Sie Veejay. Brauchen Sie Sound-Unterstützung, starten Sie zuvor über jackd -d alsa oder jackd -d oss den Soundserver Jack in einem separaten Terminal. Die beiden Videos party1.avi und party2.avi dienen als Ausgangsmaterial für Veejay. Sie rufen das Programm über veejay party1.avi party2.avi auf.

Tritt kein schwerer Fehler auf, erscheint ein Fenster, in dem beide Filme nacheinander von vorne bis hinten durchlaufen. Im Moment handelt es sich noch um unverfälschtes Rohmaterial. Um mit dem Material zu spielen, zerschneiden Sie den Filmbrocken in handliche Teile. Dazu aktivieren Sie zunächst mit der Maus das Ausgabefenster mit dem Video und wechseln auf die Tastatur. Dort ersetzt der Ziffernblock die von einem Videorecorder bekannten Steuerungstasten. Die genaue Belegung fasst die Tabelle "Steuerung" zusammen.

Steuerung

Taste Funktion
[Num-1] An den Anfang springen
[Num-2] 25 Einzelbilder zurück
[Num-3] Ans Ende springen
[Num-4] Rückwärts abspielen
[Num-5] Pause
[Num-6] Vorwärts abspielen
[Num-7] Ein Einzelbild zurück gehen
[Num-8] 25 Einzelbilder vorwärts gehen
[Num-9] Ein Einzelbild weiter gehen

Fahren Sie auf diese Weise an genau die Position im Video, an der ein neuer Filmschnipsel, das so genannte Sample, beginnen soll. Um den Beginn des Samples zu markieren, drücken Sie [[] (die öffnende, rechteckige Klammer) – was allerdings nur auf einer englischsprachigen Tastatur funktioniert: Auf einer deutschen Tastatur erreichen Sie diese Taste nur über die Kombination [AltGr]+[9], die Veejay jedoch rigoros abblockt. Daher kommen Sie nicht umhin, die Tastaturbelegung zu ändern, was unter KDE über die Regionaleinstellungen im Kontrollzentrum funktioniert. Sobald Sie mehrere Sprachen verwenden, erscheint in der Fußleiste eine kleine Flagge, über die Sie die Tastaturbelegung per Mausklick ändern. Alternativ greifen Sie auf die grafische Oberfläche Reloaded zurück – dazu später mehr.

Auf der deutschen Tastatur mit englischsprachiger Tastenbelegung drücken Sie nun [Ü], um den Anfang des Samples zu markieren. Anschließend steuern Sie über den Ziffernblock sein zukünftiges Ende an und drücken dort [+] (was bei der geänderten Tastaturbelegung der schließenden, rechteckigen Klammer []] entspricht). Das Stück Film platzieren Sie nun auf einer Funktionstaste. Drücken Sie [F1], steht der Videoschnipsel ab sofort über diese Taste zum Abruf bereit. Um Veejay zu beenden, klicken Sie in das Terminal und drücken [Strg]+[C].

Um ein weiteres Stück auszuschneiden und hinter [F2] zu klemmen, müssen Sie zunächst [/] im Ziffernblock drücken. Damit wechselt Veejay wieder zurück in den so genannten Plain-Videomodus. Nur in ihm spielt das Effektprogramm das gesamte Video ab, während der Sample-Modus ausschließlich die einzelnen Clips über die Funktionstasten freigibt.

Wiederholen Sie das Spiel und belegen Sie die Tasten [F1] bis [F12] mit jeweils einem Sample. Bei einem längeren Live-Auftritt dürften sich die 12 Positionen allerdings recht schnell erschöpfen. Daher merkt sich Veejay hinter jeder der Zifferntasten – das sind die unterhalb der F-Tasten – eine komplette Belegung der 12 Funktionstasten. Drücken Sie also [1], können Sie anschließend über [F1] bis [F12] auf 12 Samples zugreifen. Drücken Sie [2], beginnt das Spielchen von vorn. So speichern Sie 9 mal 12 gleich 108 Samples. Die Ziffern bezeichnet Veejay als Bank. Musiker erkennen diesen Begriff sicherlich wieder.

Die Effekte aktivieren Sie ebenfalls über die Tastatur: Zunächst wählen Sie über die Pfeiltasten einen passenden Effekt und schalten ihn anschließend per [Eingabe] ein. Die Tabelle "Fingerknoten" listet weitere interessante Tasten auf, die vollständige Liste zeigt die Manpage zu Veejay.

Fingerknoten

Taste Funktion
[Num-/] Wechselt zwischen den Videomodi
[A],[S],[D],[F],[G],[H],[J],[K],[L] Ändert die Wiedergabegeschwindigkeit
[Alt]+[A]…[L] Dupliziert jedes Einzelbild ein bis neun mal
[Entf] Löscht aktuellen Effekt
[Pos1] Zeigt im Terminalfenster Informationen zum aktuellen Sample an
[Pfeil rechts] Geht fünf Positionen in der Liste mit den Effekten nach oben
[Pfeil links] Geht fünf Positionen in der Liste mit den Effekten nach unten
[Pfeil oben] Geht eine Position in der Liste mit den Effekten nach oben
[Pfeil unten] Geht eine Position in der Liste mit den Effekten nach unten
[Eingabe] Weist den ausgewählten Effekt aus der Liste dem Sample zu
[B] Schaltet den ausgewählten Effekt ein/aus
[Ende] Schaltet alle angewendeten Effekte ein/aus

Mit Reloaded (Abbildung 2) bringt Veejay auch eine grafische Oberfläche mit. Wer lieber auf der Kommandozeile arbeitet, greift zu seinem Pendant sayVIMS [1], das auch Skripting ermöglicht. Eine Beschreibung der recht kryptischen Befehle finden Sie unter [6].

Abbildung 2: In vorhergehenden Versionen hieß Reloaded noch GVeejay Reloaded und sah wie in dieser Abbildung aus.

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