Das schwarze Schaf

Den Zen V von Creative (Abbildung 1, Mitte rechts) gibt es wahlweise auch in Weiß. Trotzdem stellt der Player in dieser Gruppe von Testgeräten das schwarze Schaf dar, da er

  • nicht als USB-Massenspeicher ansprechbar ist und
  • keine OGG-Vorbis-Dateien abspielt.

Wer auf diese Kriterien keinen Wert legt, bekommt mit dem Zen V einen kompakten, leicht bedienbaren und hübschen MP3-Player für einen vergleichsweise guten Preis. Creative benutzte für seine MP3-Player stets ein proprietäres Protokoll. Um solche Geräte unter Linux anzusprechen, benötigen Sie eine besondere Bibliothek (libnjb [1]) und spezielle Programme, wie Gnomad2 [2] oder Kzenexplorer [3]. Der neue Zen V benutzt allerdings nicht mehr das alte Creative-Protokoll, sondern setzt stattdessen auf das von Microsoft entworfene Media Transfer Protokoll (MTP). Er lässt sich somit unter Linux nur von Programmen ansprechen, die MTP-Unterstützung mitbringen. Dazu gehören unter anderem die Jukebox Gnomad2 und der KDE-Player Amarok (Abbildung 2). Details zu MTP entnehmen Sie dem Kasten "MTP unter Linux".

Abbildung 2: Dank MTP-Unterstützung lässt sich der Creative-Player Zen V direkt aus Amarok mit Musik füllen.

MTP unter Linux

Seit dem letzten großen MP3-Player-Test in LinuxUser [4] hat sich in der Szene einiges verändert. Die meisten MP3-Player funktionieren weiterhin als normale externe Festplatten (USB Mass Storage, UMS), nur wenige setzen ausschließlich auf das Media Transfer Protocol (MTP) von Microsoft. Allerdings hat die Zahl der Geräte, die optional MTP-Support mitbringen, zugenommen.

Die meisten Player ohne UMS-Unterstützung funktionieren dank der libmtp [5] auch unter Linux. Vorteile bringt das zum Beispiel bei den Creative-Geräten. Waren hier früher die Bibliothek libnjb und spezielle Programme nötig, um Songs von der Platte auf die Jukeboxen zu kopieren, arbeitet zum Beispiel der Zen V dank MTP-Support auch mit Amarok zusammen.

Die Linux-Implementierung von MTP beschränkt sich auf die grundlegenden Funktionen des Protokolls, wie Dateien auslesen, kopieren, löschen und so weiter. Dazu gibt es eine Reihe von Kommandozeilentools. Der Befehl mtp-folders listet zum Beispiel sämtliche Verzeichnisse auf dem MTP-Gerät auf, mit mtp-sendfile transferieren Sie Dateien von der Festplatte auf den Player.

Der große Vorteil von MTP gegenüber USB-Storage besteht darin, dass es keinerlei Informationen zu Linux-Gerätedateien benötigt. Der Benutzer muss also nicht wissen, ob sein Player /dev/sda oder /dev/sdb ist. Vorausgesetzt, es befindet sich nur ein MTP-Gerät an einem Rechner, können Amarok & Co. also problemlos Dateien auf den Player überspielen, Playlisten anlegen oder Songs löschen.

Trotzdem ist von einem Neukauf von Geräten, die nur das MTP-Protokoll unterstützen, abzuraten, da traditionelle UMS-Player auf jedem halbwegs aktuellen Betriebssystem funktionieren und keine zusätzliche Software benötigen. Zudem benötigen Sie für die Arbeit mit den MTP-Tools zurzeit noch Root-Rechte.

Für Windows-Benutzer bietet der Zen V auch eine Kalender- und Adressbuch-Funktion. Diese unter Linux zu benutzen, gelang bis zum Redaktionsschluss nicht. Ein nettes Gimmick haben die Entwickler in der Anzeige eingebaut: Man kann sie um 90 Grad drehen und den Player auch im Querformat benutzen. Wer Angst um sein Gehör hat, legt zudem die maximale Lautstärke des Players fest. Ein Passwort verhindert, dass zum Beispiel Kinder die Einstellung ihrer Eltern aushebeln – zumindest, solange sie nicht wissen, wie man eine Büroklammer geschickt ins Reset-Loch schiebt.

Wie bei den restlichen Playern der Zen-Familie lässt sich auch auf dem Zen V ein Teil des Flash-Speichers als USB-Storage-Bereich einrichten. Dieser ist dann unabhängig vom restlichen Speicher als Wechseldatenträger unter jedem Betriebssystem erreichbar. Musikdateien auf diesem Wechselmedium spielt der Player allerdings nicht ab.

Der Hörtest

Das Äußere eines Statussymbols spielt in der Regel mindestens so eine wichtige Rolle, wie dessen Innenleben. Trotzdem sollte man vor dem Kauf eines MP3-Players auch dessen Tonqualitäten testen. LinuxUser prüfte deshalb die Testgeräte mit den beiliegenden Kopfhörern und über einen traditionellen HiFi-Verstärker in einem – subjektiven – Hörtest. Mangels OGG-Vorbis-Support des Creative-Player kamen dabei mit Lame [6] konvertierte Songs im MP3-Format mit einer variablen Bitrate zum Einsatz. Sämtliche Tests fanden ohne spezielle Equalizer-Einstellungen statt.

Bei Musikstücken mit einer Qualität von 128 kbit/s (lame -q5) lässt sich über die Ohrhörer und über die Stereoanlage kein Unterschied zwischen den einzelnen Player festmachen. Deutlich zu hören ist jedoch der Klangunterschied zwischen dem Ohrhörermodus und der HiFi-Anlage. Während der Song über die kleinen Kopfhörer noch einigermaßen akzeptabel klingt, zeigt die HiFi-Anlage deutlich, dass konstante 128 kbit/s von CD-Qualität doch deutlich entfernt sind.

Bei 192 kbit/s (lame --preset standard) und variabler Bitrate hörten wir über die Ohrhörer weiterhin keinen Unterschied. Im HiFi-Test zeigte der Creative-Player aber leichte Schwächen beim Klangvolumen, die vor allem in Abschnitten mit leichtem Hall/Echo-Effekt auftraten. Von drei Teststücken aus den Sparten Jazz, Klassik und Pop war aber nur das Jazz-Stück betroffen.

In puncto Lautstärke lagen die Cowon-Player leicht vor dem Samsung-Gerät. Der Zen V spielte bei voller Lautstärke deutlich leiser als die übrigen drei Testgeräte. Ob man das als Plus- oder Minuspunkt wertet, hängt vom individuellen Hörverhalten ab. Als Vergleich, wie gut die Soundausgabe der Player wirklich ist, spielten wir die Teststücke auch über die interne Soundkarte eines Notebooks und über eine einfache PCI-Soundkarte ab. Dazu verbanden wir den Ohrhörer-Ausgang des Laptops beziehungsweise den Line-Out-Ausgang der Soundkarte mit dem HiFi-Verstärker.

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