Spam direkt auf POP3-Servern löschen

Einen Schritt voraus

Wem regelmäßig unerwünschte Nachrichten ins elektronische Postfach flattern, löscht diese besser auf dem Server des Providers. Filter und reguläre Ausdrücke dämmen die Werbeflut sogar automatisch ein.

Jeden Tag überhäufen Werbung, Viren und anderer Unrat Millionen von elektronischen Briefkästen. Abhilfe versprechen die drei kleinen Programme Eremover, KShowmail und PopWash. Sie befreien den Postkasten von Brustvergrößerungs-, Viagra- und Versicherungsangeboten, noch bevor derartiger Zeichenmüll die eigene Festplatte überschwemmt.

Die Programme arbeiten wie ein E-Mail-Programm, rufen aber nur die Betreffzeile, den Absender und die Größe der Nachrichten ab. Diese Informationen reichen dem von Spam gepeinigten Benutzer bereits aus. Er wählt alle unerwünschten E-Mails und befördert sie mit einem Klick ins Software-Nirwana. Die E-Mails gelangen so erst gar nicht auf die eigene Festplatte, sondern der Benutzer löscht sie aus dem Postfach auf dem Mail-Server. So spart der Benutzer nicht nur beim Übertragungsvolumen, sondern schützt sich auch vor Viren und hält den Eingangsordner des eigentlichen E-Mail Programms frei von Spam.

Bevor Sie sich an die Einrichtung der Spamkiller machen, legen Sie sich die Zugangsdaten Ihrer Mailboxen zurecht. Sie brauchen die IP-Adresse oder den DNS-Namen des POP3-Servers. Weiterhin benötigen Sie den Benutzernamen und das Passwort, mit denen Sie sich beim POP3-Server anmelden. Alle diese Informationen befinden sich in der Regel auf dem Datenblatt, das Sie von Ihrem Internet-Provider erhalten haben.

Für Mutige: Eremove

Der erste Spamkiller-Kandidat in diesem Artikel heißt E-Mail Remover (kurz Eremove) und basiert auf GTK, der Bibliothek, auf der auch Gnome beruht. Allerdings integriert er sich nicht so gut in das Desktop-System wie das (später besprochene) KShowmail in KDE. Dies hat jedoch den Vorteil, dass sich Eremove in jeder Umgebung gleich wohl fühlt.

Auf der Website des kleinen Werkzeugs finden Sie eine fertig übersetzte Version und eine zum Selbstkompilieren. Bei der ersten genügt es, das Archiv mit einem geeigneten Programm zu entpacken und die Datei eremove zu starten.

Eremoves Funktionsumfang ist extrem mager und beschränkt sich darauf, E-Mails auf dem Mailserver zu löschen. Nach dem Start erscheint ein Fenster, das unter Server den Servernamen, unter Username den Anmeldenamen am POP3-Server und unter Password das Passwort verlangt (Abbildung 1). Den Port belassen Sie auf seiner Voreinstellung.

Abbildung 1: Das recht karge Eremove-Einstellungsfenster erscheint automatisch nach dem Start.

Eremove ruft nun die Liste der vorhandenen E-Mails ab und zeigt sie im Hauptfenster an (Abbildung 2). Markieren Sie dort die zu löschenden E-Mails und klicken Sie anschließend auf Delete. Die Option Select All hebt alle Einträge der Liste hervor, wohingegen ein Klick auf Logout das Programm beendet.

Abbildung 2: Das Eremove-Hauptfenster mit den eingelesenen E-Mails.

Per Doppelklick auf einen Listeneintrag erhalten Sie eine Vorschau der zugehörigen E-Mail. Auf Suse Linux stürzte Eremove bei diesem Vorgang jedoch reproduzierbar ab und riss gleichzeitig das gesamte X-Window-System mit in den Tod. Zudem geht das Programm mit Passwörtern erschreckend leichtsinnig um, denn es legt sie einfach im Klartext in der Konfigurationsdatei ~/.eremove ab. Kurzes Urteil: nicht empfehlenswert.

Die Nummer 1: KShowmail

Das wohl ausgereifteste Programm im Testfeld heißt KShowmail und gehört zur KDE-Familie. Es benutzt die Qt-Bibliothek und integriert sich nahtlos in den KDE-Desktop. Wer ein Suse Linux sein Eigen nennt, installiert es bequem über Yast. Sofern Ihre Distribution das Programm nicht enthält, laden Sie es von der Projekt-Seite herunter (Tabelle 1).

Im Vergleich mit seiner Konkurrenz bietet das Werkzeug den größten Funktionsumfang. Es verwaltet nicht nur mehrere POP3-Konten, sondern aktualisiert sogar in frei definierbaren Zeitabständen die Liste aller vorhandenen E-Mails. Damit eignet es sich hervorragend für den lautlosen und dauerhaften Einsatz im Hintergrund. Sobald eine E-Mail eintrifft, spielt KShowmail auf Wunsch einen Klang ab. Hierdurch wird der Griff zum Spam-Killer erst dann erforderlich, wenn tatsächlich neue E-Mails vorliegen.

Damit der Benutzer seinem Unmut über Spam Luft machen kann, erlaubt es KShowmail, Beschwerden zu versenden. Mit nur einem Mausklick auf das Symbol SPAM schickt es die markierte E-Mail an eine Beschwerdestelle. Dies kann der Betreiber eines Mailservers sein oder ein Projekt, das sich dem Kampf gegen Spam verschrieben hat, zum Beispiel www.spamabuse.org.

Damit KShowmail weiß, wohin die Reise der so klassifizierten E-Mail gehen soll, benötigt es ein separates Hilfsprogramm wie spam.pl von http://spam.sourceforge.net/. Dieses übernimmt den Versand, manche seiner Kollegen verarbeiten die E-Mail bei Bedarf weiter.

Um spam.pl in KShowmail einzubinden, wählen Sie Einstellungen | Benutzerkommandos und klicken im neuen Fenster auf Hinzufügen. Ins obere Eingabefeld tragen Sie den Namen complain ein und unter Kommando: den entsprechenden Befehl für das Programm, das die E-Mail versenden soll. Im Falle eines bereits korrekt konfigurierten spam.pl lautet der Eintrag

spam.pl < <body>

<body> ist dabei ein Platzhalter, den KShowmail durch den Inhalt der E-Mail ersetzt.

Auf die gleiche Weise rufen Sie beliebige andere externe Programme auf. Anstelle der Zeichenkette complain verwenden Sie einen selbstgewählten Bezeichner. Für diesen erzeugt KShowmail einen Eintrag im Menü Aktionen, über den Sie das Programm starten.

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