Schwerpunktthema Gnome und das neue KDE 3.2

Desktop nach Maß

Ob die Arbeit mit dem Rechner Spaß macht oder Verzweiflung schürt, liegt zu großen Teilen an der – heute oft grafischen – Benutzerschnittstelle. Was diese Desktop-Umgebungen betrifft, hat Linux hier einen großen Vorteil: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Kommt KDE 3.2 noch vor Redaktionsschluss oder nicht? Die LinuxUser-Redaktion saß auf Kohlen: Schließlich sollte unser Titel "Desktop nach Maß" heißen, und da hätte das neue KDE unbedingt dazu gehört.

KDE 3.2 wurde nicht rechtzeitig fertig, und so entschieden wir uns, das Schwerpunktthema ganz und gar unter das Zeichen des Gnome-Fußes zu stellen, dabei Konfigurationstipps zu geben (S. 28 ff.) und der Möglichkeit nachzugehen, persönliche Daten aus KDE-Programmen weiterzuverwenden (S. 33 ff.). Denn während alle Welt auf die neue KDE-Version wartet, entwickelt sich der GTK-Desktop spätestens seit Version 2.4 in eine Richtung, die Hoffnung für Linux auf Arbeitsplatzrechnern macht: weg aus der entwicklerdominierten Nische für Geeks und Freaks hin zu einer auch für Laien durch- und überschaubaren, benutzerfreundlichen Desktop-Umgebung.

Das Stichwort heißt "Usability" (siehe auch Seite 78 ff.), und hier hat Gnome mit den "Gnome Human Interface Guidelines" [1] (vgl. Kasten 1 auf Seite 29) einen Schritt getan, der bei KDE in dieser Form noch nicht in Sicht ist: verbindliche Richtlinien für benutzer- und damit aufgabenzentrische Software aufgestellt.

Damit lohnt sich ein Blick auf Gnome für Anwender und Anwenderinnen, denen diese Desktop-Umgebung bislang zu chaotisch, zu unbekannt oder zu anspruchsvoll erschien. Leider ist das alles nicht so einfach, denn sofern die eigene Distribution keine aktuelle Gnome-Version mitliefert, fällt die Installation für viele "Normal-User" zu komplex aus – in dieser Hinsicht ist die KDE-Community einfach reger.

Worauf schauen die User?

Installation und Benutzerfreundlichkeit sind jedoch nicht alles im Kampf um die Gunst der User: Denn die richten sich oft pragmatisch danach, welche Anwendungen zur Verfügung stehen. Nun lassen sich KDE-Programme unter Gnome und Gnome-Tools unter KDE aufrufen, und mit Projekten wie Freedesktop.org [2] wird sich die Interoperabilität und Zusammenarbeit der großen Linux-Desktop-Projekte inklusive OpenOffice und Mozilla in Zukunft hoffentlich deutlich verbessern. Doch entscheidend für viele im Jetzt und Hier ist die Frage nach umfassenden, auf den jeweils benutzten Desktop abgestimmten Applikationen vom Schlage eines Office-Pakets, eines Personal-Information-Management-Systems und eines Webbrowsers.

Das weiß auch das Gnome-Projekt, weshalb es Gnome-kompatible Büroanwendungen unter dem Namen Gnome Office zusammenfasst. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie ab Seite 38. Der Weg zu einem integrierten Office-Paket vom Schlage des neuen KOffice, das wir ab Seite 42 vorstellen, ist allerdings noch weit.

Auch wenn sie nicht Bestandteil des Schwerpunkts in diesem Heft ist – die neue KDE-Version 3.2 würdigen wir ab Seite 44 dennoch: Der letzte Release-Kandidat, den wir dafür unter die Lupe nahmen, dürfte sich aller Erfahrung nach nur noch durch eine größere Anzahl von Fehlern von der endgültigen Ausgabe unterscheiden, die zu Verkaufsstart dieses Hefts sicherlich fertig gepackt auf den KDE-Download-Servern bereit steht. Für die kommende Ausgabe 04/2004 versprechen wir einen detaillierten Blick darauf.

Dafür verraten wir in diesem Heft ab Seite 65, wie sich der KDE-Hintergrund mit Funktionalität anreichern lässt.

Infos

[1] Gnome Human Interface Guidelines: http://developer.gnome.org/projects/gup/hig/

[2] Freedesktop.org: http://www.freedesktop.org/

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