Distri-Bits

01.03.2004

Der März bringt uns eine neue Distribution aus Polen, eine Vorschau auf das aktuelle KDE, zwei neue Distributionen für den Sharp Zaurus und das Ende von United Linux.

Das Ende von United Linux

United Linux, das Bündnis von Suse, Caldera, Turbo Linux und Conectiva existiert nicht mehr. Für das Ende gibt es mehrere Gründe: Das Unternehmen SCO, zu dem ebenfalls der Linux-Distributor Caldera gehört, versucht seit einigen Monaten, Urheberrechts- und Patentansprüche am Quelltext des Linux-Kernels durchzusetzen und verklagte dafür bereits einige Firmen. Die GPL, unter der der Linux-Kernel vertrieben wird, ist SCO zusätzlich ein Dorn im Auge.

Trotz dieses Verhaltens war SCO nicht bereit, United Linux zu verlassen. Das erschwerte die Zusammenarbeit der Partner sehr.

Ein weiterer Grund für das Einschlafen des Projekts ist die Tatsache, dass Suse als Teil des amerikanischen Unternehmens Novell stark genug ist, um alleine gegen die Dominanz Red Hats im Unternehmensmarkt zu bestehen.

Zaurus Linux

Für den Sharp Zaurus gibt es zwei neue Distributionen, die nicht Qtopia als grafische Oberfläche verwenden, sondern ein normales Linux-System einschließich X-Window auf den PDA bringen.

Das Cacko-Projekt (http://www.cacko.biz), das bereits ein Qtopia-basiertes System herausbrachte, portierte Debian auf den Zaurus, unterstützt dabei allerdings nur die Modelle CL700/750/760 und 860. Auf dem hierzulande weit verbreiteten Zaurus SL 5500G läuft Cacko Linux nicht.

Mittlerweile gibt es einen funktionierenden X-Server, und einige große Programme wie Sylpheed, Abiword oder Gimp starten auf dem Zaurus. Selbst einen Port von KDE bekamen die Entwickler hin. Diei Desktop-Umgebung läuft auf dem mit nur 400 MHz getakteten PDA allerdings sehr, sehr langsam. Download-Links und eine Installationsanleitung finden Interessenten auf der Projekt-Homepage.

Gentoo For Zaurus (http://www.opensistemas.com/Gentoo_For_Zaurus.714.0.html) von Open Sistemas ist das zweite Projekt, das eine existierende Distribution auf den Zaurus bringt. Das Besondere daran: Alle Anwendungen werden auf einem leistungsfähigen Notebook oder PC übersetzt, sodass der Zaurus nicht in stundenlanger Fron selbst kompilieren muss.

Gentoo For Zaurus befindet sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, wagemutige Saurier-Halter finden ein ISO-Image und ausführliche Installationsanleitungen auf der Homepage von Open Sistemas.

Abbildung 2: GNOME 2.2 ist der Standard-Desktop von Aurox.

Aurox

Aus sieben CDs besteht die polnische Distribution Aurox (http://www.aurox.org). Sie basiert auf Red Hat 9, wobei letztere Distribution mittlerweile in Version 9.2 erschienen ist. Von den sieben CDs umfassen vier Binärpakete, und drei enthalten die Quelltexten der Programme. Aurox steht entweder in Form von ISO-Images auf der Projekt-Homepage zur Verfügung oder wird als Beigabe zu einer Zeitschrift vertrieben.

Die Installation verlief im Test reibungslos, auch auf zwei älteren Notebooks ließ sich Aurox sicher installieren. Das von Red Hat übernommene Installationsprogramm hilft bei der Partitionierung ebenso wie bei der Auswahl der Software und der Einrichtung des X-Servers. Nach dem ersten Start erwartet ein gut konfigurierter GNOME-Desktop die Anwenderin (Abbildung 2).

Abbildung 2: GNOME 2.2 ist der Standard-Desktop von Aurox.

Die Auswahl an Software ist riesig. Aurox enthält OpenOffice 1.1, KOffice 1.2.1 und die Programme aus GNOME Office für die Büroarbeit (Abbildung 3). Dazu einen ganzen Satz Grafikprogramme, angeführt von GIMP für Pixelgrafiken und Sodipodi für Vektorgrafiken sowie eine große Sammlung von Multimedia-Programmen, wobei bemerkenswert ist, dass einige in Aurox enthaltene Audio-Programme im Gegensatz zu ihren Brüdern und Schwestern bei Red Hat MP3-Dateien abspielen können. Der Distributor scheint hier keine Lizenzprobleme zu befürchten.

Abbildung 3: Aurox enthält alles fürs Büro.

Wer lieber KDE als Desktop-Umgebung mag, findet ein sauber zusammengestelltes KDE 3.1.4 zum Arbeiten vor. Ein weiterer Schwerpunkt von Aurox ist Lern-Software, neben den Programmen aus dem KDE-Sortiment finden sich zahlreiche Programme vor allem für die Fächer Mathematik und Sprachen.

Die Server-Software ist ebenfalls auf dem aktuellen Stand, um das Drucken kümmert sich CUPS. Mit von der Partie sind MySQL, PostgreSQL und ein frischer Apache Webserver. Aurox ist eine komplette, gut ausgestattete Distribution, die Anfänger ohne größere Probleme installieren und verwenden können.

Ein Blick in die Zukunft

Slax (http://slax.linux-live.org) ist eine Live-Distribution, die das aktuelle Slackware 9.1 als Grundlage benutzt. Das Besondere an Slax ist, dass die Entwickler die neueste Vorabversion von KDE und KOffice mitliefern. So werfen Sie vorab einen Blick auf die Neuerungen von KDE 3.2 und KOffice 1.3, ohne das eigene System mit Beta-Software zu belasten (Abbildung 3).

Abbildung 4: Slax integriert das aktuelle KDE 3.2 RC1.

Die Hardware-Erkennung arbeitet sicher und schon nach kurzer Zeit erfreut ein nagelneues KDE das Auge der Benutzerin. Die Distribution bringt alle für die tägliche Arbeit notwendigen Programme mit. Obwohl es sich bei der Software um Vorabversionen handelt, arbeitet das System stabil, nur hier und da fehlen einige Übersetzungen, ansonsten gab es keine Probleme.

Das 187 MByte große ISO-Image finden Sie auf der Slax-Homepage und zwei Spiegel-Servern.

Kurz notiert

  • Der erste Release Candidate von Gnoppix 0.6 (http://www.gnoppix.org) ist erschienen. Neu in Version 0.6 sind Gnome 2.4 und zahlreiche Fehlerkorrekturen. Gnoppix basiert auf dem stabilen Debian 3.0 Woody. Das 659 MByte große ISO-Image finden Sie auf der Projekt-Homepage. * Aufgrund zahlreicher Nachfragen ist die aktuelle Version 3.2 von Bonzai Linux (http://download.berlios.de/bonzai/) mit KDE in der Version 3.1.4 als Desktop-Umgebung ausgestattet. Der Entwickler fügte außerdem einige Sicherheits-Updates hinzu, so dass Bonzai auf dem Stand des stabilen Debian 3.0r2 ist und sich mit Paketen aus dieser Distribution problemlos erweitern lässt. Unter http://www.gnulinux.de/modules.php?name=4nForum&file=forumdisplay&fid=54 finden Interessierte ein Forum, in dem Fragen zu Bonzai beantwortet werden. * Die erste Beta-Version des kommenden Mandrake Linux 10 wartet auf dem FTP-Server von Mandrake und zahlreichen Spiegel-Servern (http://www.mandrakelinux.com/en/ftp.php3) auf Beta-Tester. Die wichtigsten Neuerungen: Kernel 2.6, XFree86 4.4, KDE 3.2 und Mozilla 1.6. * Als ein weiterer Ableger von Knoppix geht Knoppix Std (http://www.knoppix-std.org/tools.html) ins Rennen. Die Distribution legt den Schwerpunkt auf Programme zur Systempflege und zur Datensicherheit. Interessenten finden das 497 MByte große ISO-Image auf der Homepage des Projekts. * Die neue Live-Distribution Stux Gnu/Linux (http://www.gpstudio.com/stux) gibt es in zwei Varianten: Stux enthält eine Komplettausstattung mit KDE 3.1, Gnome 2.4, verschiedenen Browsern, Mail-Programmen, Büroprogrammen und Entwicklerpaketen. Das kompakte Dino Stux beschränkt sich auf KDE 3.1 und die wichtigsten Programme für die Internet-Nutzung. Das ISO-Image von Stux ist 648 MByte groß, Dino Stux begnügt sich mit 255 MByte. * Novell, der neue Eigentümer von Suse, bietet allen Kunden der Professional-Version eine Haftungsfreistellung für Klagen von SCO wegen Verstoßes gegen Copyright-Bestimmungen. Die Firma SCO versucht, von Firmen, die Linux benutzen, Lizenzzahlungen einzufordern, da Urheberrechte durch Linux verletzt würden. * Das Server Optimized Linux der österreichischen Firma Antitachyon hat einen Live-CD Ableger bekommen. XoL - Diskless X Office Linux (http://www.sol-linux.com/Content/XoL) läuft wie andere Live-Distributionen vollständig im Speicher. Die Benutzer legt ihre Daten auf einem Speicherstäbchen oder einem Netzlaufwerk ab. An Software ist neben KDE 3.1.3 und Gnome 2.2 unter anderem OpenOffice 1.1 und der Mozilla Firebird 0.6.1 mit von der Partie. Das 700 MByte große ISO-Image steht kostenlos auf Antitachyons Server zur Verfügung. * Mit Flonix (http://flonix.tuxfamily.org/) erweitert sich der Reigen der Distributionen, die auf eine visitenkartengroße CD passen. Wie sein Vorbild Damnsmall Linux bringt Flonix eine Reihe von Programmen für die tägliche Arbeit am PC, Browser, E-Mailprogramm und eine Textverarbeitung mit.

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