Für Fortgeschrittene

Wer dieses Spiel- und Werkzeug einmal entdeckt hat, will möglicherweise eigene Anpassungen vornehmen. HAL91 basiert auf Kernel 2.0.36 und libc 5.3.12. Zum Kompilieren eines eigenen Kernels für diese Distribution orientiert man sich am besten an der existierenden Konfiguration, die auf der Diskette als Datei kconf abgelegt ist. Auf jeden Fall sollte Unterstützung für die "Initial Ramdisk" (initrd) einkompiliert werden.

Zum Austauschen von Programmen müssen Sie den Inhalt der komprimierten Ramdisk (initrd.gz) ändern. Dazu kopieren Sie die Datei auf eine Festplattenpartition und entkomprimieren sie mit gunzip, um sie dann über das Loop-Device zu mounten.

Jetzt können Sie nach Herzenslust in der Datei herumfuhrwerken, Programme löschen oder hinzufügen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Programme höchstens gegen libc 5.x, libm 5.x oder libtermcap gelinkt sein dürfen. Außerdem darf die Datei nach dem Entmounten und erneuten Komprimieren mit gzip -9 nicht zu groß für die Diskette sein. Damit wären dann auch die Grenzen für HAL91 gesetzt: Eine grafische Oberfläche mit X11 fällt so den Platzverhältnissen zum Opfer.

Andere Mini-Distributionen

Natürlich gibt es neben HAL91 noch weitere Mini-Linuxe. Besonders hervorzuheben sind dabei drei spezialisierte Exemplare: tomsrtbt ("Tom's Root Boot Disk") ist besonders gut als Rettungssystem zu gebrauchen, bei muLinux wird versucht, möglichst viele Anwendungen auf eine Diskette zu bannen, und fli4l stellt eine komplette ISDN-Router-Lösung auf einer Diskette bereit. Die Bezugsquellen sind http://www.toms.net/rb/home.html für tomsrtbt, http://sunsite.dk/mulinux/ für muLinux und http://www.fli4l.de/ für fli4l.

Glossar

hochformatiertes

Eine Diskette mit mehr als den üblichen 1.44 MByte Kapazität (etwa 1.72 MByte) formatieren.

Disk-Image

Das Abbild einer kompletten Diskette als Datei. Mit geeigneten Programmen lässt sich daraus die Diskette inklusive Bootsektor. Der Bootsektor ist erste Sektor einer Diskette oder eines anderen Datenträgers, der ausführbaren Code zum Starten eines Betriebssystems (Booten) enthalten kann.

dd

Dieses Unix-Kommando dient zum direkten Lesen/Schreiben von blockorientierten Geräten. Die gelesenen Daten lassen sich bei Bedarf im Format konvertieren.

BIOS

Basic Input/Output System. Dieses Minimalsystem sitzt fest im Rechner und sorgt dafür, dass es überhaupt möglich ist, ein Betriebssystem von Diskette oder Festplatte zu laden.

Shell

Einer der wichtigsten Bestandteile jedes Unix-Systems – die kommandozeilengesteuerte Benutzerschnittstelle zum System.

Kernel

Der Betriebssystemkern bildet die Schnittstelle zwischen Hardware und laufenden Prozessen. Außerdem stellt er Multitasking und Speicher-Management zur Verfügung. Das "eigentliche" Linux ist nur der Kernel.

ext2

Das "Second Extended Filesystem" ist das unter Linux bisher am häufigsten eingesetzte Dateisystem. Es versieht Dateien und Verzeichnisse mit Rechten und ordnet sie Eigentümern und Gruppen zu.

Manpage

Die Manpages (kurz für "Manual pages") sind ein Online-Referenzhandbuch für Unix-Kommandos. Sie werden mit man kommando aufgerufen. Aus Platzgründen sind in HAL91 keine Manpages enthalten.

mounten

Unter Unix-Systemen werden Datenträgern keine Laufwerksbuchstaben zugeordnet, sondern sie werden ins Dateisystem eingehängt ("gemountet"). Ein dafür vorgesehenes Verzeichnis (der Mountpoint) dient zum Zugriff auf den Inhalt des Datenträgers.

Shell-Skript

Eine Textdatei mit Kommandos, die automatisch nacheinander von der Shell abgearbeitet werden.

Nullmodem-Kabel

Ein Kabel zum direkten Verbinden von zwei Rechnern über die serielle Schnittstelle. Im Gegensatz zu normalen seriellen Kabeln sind hier die Sende- und Empfangsleitungen über Kreuz geschaltet.

PPP

Das "Point to Point Protocol" verbindet zwei Rechner über eine serielle Leitung (Modem oder Nullmodem) mit dem TCP/IP-Protokoll.

Loop-Device

Mit dem Loop-Device ist es möglich, Dateien wie Partitionen zu mounten. Ein Syntaxbeispiel dazu lautet mount -t ext2 -o loop initrd /mnt – hier wird die Datei initrd als ext2-Dateisystem auf das Verzeichnis /mnt gemountet.

Router

Ein Router dient zum Weiterleiten ("forwarding") von IP-Paketen an bestimmte Ziel-IP-Adressen. Durch seine Routing-Tabelle weiß er, welche Route ein Paket abhängig von der Zieladresse zu nehmen hat.

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