Malen nach Zahlen

Workshop Corel PhotoPaint 9 - Ein Einstieg

01.12.2000
Corel verschenkt auf seiner Internet-Seite die englische Version der Bildbearbeitung "PhotoPaint 9" für Linux. Leider ist diese Alternative zu GIMP nicht besonders einsteigerfreundlich, dafür aber um so leistungsfähiger. Für all diejenigen, die sich in dem angebotenen Funktionsdschungel nicht zurecht finden, soll dieser Workshop eine kleine Einstiegshilfe bieten.

Installation 

Zunächst sollten Sie feststellen, ob Ihr Computer auch den hohen Anforderungen, die PhotoPaint an die Hardware stellt, gewachsen ist. Unterhalb eines Pentium II wird die Bearbeitung von etwas größeren Bildern schnell zur Qual. Das gleiche gilt bei einer hohen Anzahl von Objekten.

Beziehen können Sie Corel PhotoPaint 9 im Internet unter http://linux.corel.com. Wem der Download der ca. 92 MB großen Datei zu aufwendig ist, sollte auch auf einigen Heft-CDs diverser Zeitschriften fündig werden. Achten Sie aber in jedem Fall darauf, dass Sie die zu Ihrer Distribution passende Version vorliegen haben. Für SuSE, Red Hat und alle anderen auf dem RPM-Format basierenden Distributionen sollte dies die Datei CorelPHOTOPAINT9LnxRPM.tar.gz sein.

Die Installation geschieht in der Regel über einen Assistenten, der das Grafikprogramm unveränderbar in das Verzeichnis /usr/lib/corel installiert. Dazu entpacken Sie zunächst das Archiv mit einem entsprechenden Programm wie z. B. "Ark" unter KDE oder alternativ über ein Terminalfenster mit dem Befehl tar xvfz Dateiname. Den Installationsassistenten rufen Sie danach durch den Start des Programms "install" auf. Unter einigen Distributionen wie z. B. SuSE muss anschließend das KDE-Menü noch manuell eingerichtet werden. Dazu kann man entweder selbst die Verknüpfungen anlegen oder zwei Pakete im RPM-Format aus dem Unterverzeichnis /dists/redhat nachinstallieren. Die beiden dafür nötigen Archive beginnen im Dateinamen mit "menu-" bzw. "menusupport-redhat". In diesem Zusammenhang sollten Sie auch unbedingt die mitgelieferte Datei readme.htm lesen. Alternativ kann PhotoPaint 9 jederzeit über ein Terminal-Fenster mittels Eingabe von photopaint und anschließendem betätigen der Eingabetaste aufgerufen werden.

Schriften müssen vor einer Verwendung, wie schon unter WordPerfect Office 2000, im mitgelieferten Schriftenmanager angemeldet werden.

PhotoPaint und WordPerfect Office 2000 

Wie schon beim Test im LinuxUser 09/2000 soll hier noch einmal auf die Probleme beim gleichzeitigen Betrieb von PhotoPaint 9 und WordPerfect Office 2000 hingewiesen werden:

Damit eine Zusammenarbeit klappen kann, sollten Sie WordPerfect Office 2000 immer vor PhotoPaint 9 installieren. Das Setup-Programm von PhotoPaint richtet dabei eine neue Version des Schriftenmanagers ein, mit dem das Office-Paket unglücklicherweise nicht umgehen kann. Falls Ihnen PhotoPaint bei seinem ersten Start ein Update für WordPerfect Office vorschlägt, sollten Sie dieses Angebot deshalb unbedingt annehmen. Geben Sie als Pfad zur "CD-ROM" das Verzeichnis an, in das Sie PhotoPaint entpackt haben. Beachten Sie bitte, dass von Ihnen selbst installierte Schriftarten nun noch einmal erneut im Schriftenmanager angemeldet werden müssen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass WordPerfect die Rechtschreibprüfung nicht mehr finden kann. Um dies zu beheben, kopieren Sie einfach alle Dateien aus dem Verzeichnis /usr/lib/corel/shared/Writing Tools/9.0/ in das Verzeichnis /usr/lib/corel/Shared/Writing Tools/9.0/. Beachten Sie bitte die unterschiedliche Schreibweise von shared.

Nach dem Start sollte PhotoPaint 9 standardmäßig den "Willkommen"-Bildschirm anzeigen. Gleichzeitig erscheint im Hintergrund die auf den ersten Blick zugegebenermaßen etwas überladen wirkende Oberfläche. Um diesen Symbolleisten-Dschungel etwas zu lichten, soll sie deshalb in diesem Workshop Schritt für Schritt erkundet werden. Dabei soll anhand eines Beispiels zum Mitmachen das Linux-Maskottchen "Tux" in einen mehr oder weniger hübschen Bilderrahmen gesetzt werden. Der Schwerpunkt soll hierbei insbesondere auf dem Umgang mit den Maskierungswerkzeugen und der Ebenentechnik liegen. Bevor es aber ans Eingemachte geht, noch ein paar kleine, theoretische Grundlagen vorweg.

Abbildung 1: Corel PhotoPaint 9 nach dem Start

Grundlegendes

PhotoPaint ist ein Bildbearbeitungsprogramm, das pixelorientiert arbeitet. Jedes Bild wird dabei aus einzelnen Punkten zusammengesetzt, die in einer rechteckigen Matrix angeordnet werden. Färbt man nun die einzelnen Punkte, die sogenannten Pixel (eine Abkürzung für "picture element", dt. Bildelement), unterschiedlich ein, so ergibt sich für das Auge der Eindruck eines kompletten Bildes. Auf genau dieselbe Weise arbeitet übrigens auch Ihr Monitor. Die Darstellung einer solchen Rastergrafik wird um so detaillierter, je mehr Punkte man dem entsprechenden Bild zur Verfügung stellt. Die Anzahl der Punkte bezeichnet man dabei als Auflösung ("Resolution"). Neben dieser Darstellungsform gibt es auch noch die Möglichkeit, ein Bild aus geometrischen Formen zusammen zu setzten. Für diese sog. "Vektorgrafiken" ist allerdings das kommerzielle "CorelDraw" zuständig. Während sich Vektorgrafiken sehr gut für technische Zeichnungen oder Illustrationen eignen, werden "Pixelbilder" vorwiegend bei Fotos und ähnlich aufgebauten Bildern eingesetzt.

Bevor der Workshop beginnt, sei noch kurz auf das eingebaute, englische Tutorial hingewiesen, das Sie entweder über "Help->CorelTUTOR…" oder im "Willkommen"-Bildschirm starten können. Der Lernkurs wird Sie dann in sechs Lektionen quer durch die verschiedenen Funktionen von PhotoPaint führen.

Oberflächliches

In diesem Workshop soll ein bereits eingescanntes Bild von "Tux" so bearbeitet werden, dass das Linux-Maskottchen in einem Bilderrahmen erscheint. Um beim Folgenden mitmachen zu können, benötigen Sie deshalb die entsprechende Datei von unserer Heft-CD. Starten Sie nun, sofern noch nicht geschehen, Corel PhotoPaint 9 und wählen Sie rechts oben im "Willkommen"-Bildschirm Open Image. Falls Sie dieses Fenster bereits durch die Demarkierung des kleinen Häkchens am unteren Rand abgeschaltet haben, wählen Sie aus dem Menü File/Open.... In jedem Fall sollten Sie nun im auftauchenden Dialog die Datei tux.cpt öffnen.

Abbildung 2: Die Bilddatei "tux.cpt" wurde geöffnet

Betrachten wir nun die Oberfläche etwas genauer: Am oberen Bildschirmrand befinden sich unter der Menüleiste drei Symbolleisten. Die erste ist die "Standardsymbolleiste". Sie fasst einige grundlegende Funktionen wie das Laden und Speichern zusammen. Darunter befindet sich eine Leiste mit den in der Praxis oft benötigten Maskierungsfunktionen. Die dritte im Bunde hält für das jeweils ausgewählte Zeichenwerkzeug zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten parat und verändert somit ständig ihr Gesicht. Selbstverständlich finden Sie (fast) alle Funktionen, die in diesen drei Symbolleisten vorhanden sind, auch im Menü wieder. Eine Symbolleiste lässt sich aus- und einblenden, indem Sie den Kandidaten mit der rechten Maustaste anklicken und dann den entsprechenden Punkt markieren bzw. demarkieren. Darüber hinaus können Sie die Symbolleisten in ihrer jeweiligen Position verändern und auch komplett "abnehmen", so dass sie sich anschließend in einem eigenen, freischwebenden Fenster befinden: Zu diesem Zweck besitzt jede Symbolleiste an einem Ende zwei Striche, über die sie sich per "Drag and Drop" in eine fast beliebige Position und Lage ziehen lässt.

Über die genannten Symbolleisten hinaus finden Sie am linken Rand des PhotoPaint-Fensters die Werkzeugpalette, am rechten die Farbpalette und am unteren Bildschirmrand eine Statusleiste, die stets einige sehr hilfreiche Informationen parat hält.

Das letzte noch verbleibende Fenster links neben der Farbpalette gehört zur Familie der sogenannten "Dockers". Dies sind normalerweise freischwebende Fenster für die unterschiedlichsten Zwecke. Wie der Name "Dockers" schon andeutet, lassen sich diese Fenster überall "andocken". Einige dieser Fenster können sogar ineinander gehängt werden, wobei sich in einem solchen Fall die einzelnen Fenster über Register anwählen lassen. Standardmäßig wird unter PhotoPaint links neben der Farbpalette ein "Docker" mit der Liste der Ebenen angezeigt. Über Window/Dockers lassen sich die verschiedenen als Dockers zur Verfügung stehenden Fenster ein- und auch wieder ausblenden. Sie sollten, sofern Sie zum ersten Mal mit PhotoPaint arbeiten, ein wenig mit den Fenstern und insbesondere den Dockers experimentieren. Nutzen Sie hierbei auch die in einigen Fenstern vorhandenen Pfeile, mit denen sich das zugehörige Fenster "zusammenklappen" lässt.

Einige Symbole in den Symbolleisten - speziell die in der Werkzeugleiste - haben an ihrer rechten unteren Ecke ein kleines schwarzes Dreieck. Dieses Dreieck weist darauf hin, dass sich hinter dem Symbol noch weitere Objekte dieser Werkzeugfamilie zur Auswahl verbergen.

Abbildung 3: Die Oberfläche mit freischwebenden Symbolleisten

So finden Sie z. B. hinter dem Rechteckwerkzeug weitere Hilfsmittel, um z. B. einen Kreis oder ein Polygon (Vieleck) zu zeichnen. Um an dieses Auswahlfenster zu gelangen, fahren Sie mit dem Mauszeiger auf das entsprechende Symbol und halten die linke Maustaste ein paar Sekunden lang gedrückt. Wie Sie feststellen werden, besitzt das nun auftauchende Menü an der linken Seite ebenfalls zwei Streifen, mit denen es sich, genau wie schon die Symbolleisten, frei auf der Arbeitsfläche plazieren lässt.

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