Wichtige Kommandozeilenoptionen

Sofern Sie Wine bereits, wie beschrieben, getestet haben, wird Ihnen wahrscheinlich aufgefallen sein, dass von Wine gesteuerte Fenster in dem unter Windows üblichen Design und unabhängig vom Window-Manager erscheinen. Im allgemeinen wird jedoch gewünscht, dass mit Wine ausgeführte Windows-Programme wie normale Linux-Anwendungen erscheinen und sich wie alle anderen Fenster über den Window-Manager steuern lassen. Hierzu dient die Kommandozeilenoption --managed. Soll Notepad also "gemanaged" laufen, wäre Wine so aufzurufen:

$ wine --managed notepad.exe

Darüber hinaus kann Wine im sogenannten Desktop-Modus betrieben werden. Die Fenster von Windows-Programmen werden dann, wie z .B. unter VMWare, alle gemeinsam in einem Fenster dargestellt. Die entsprechende Kommandozeilenoption lautet --desktop. Ihr kann optional die Größe des darzustellenden Desktop-Fenster nachgestellt werden. Um notepad.exe in einem Desktop-Fenster mit einer Größe von 640 mal 480 Punkten auszuführen, wäre Wine folgendermaßen aufzurufen:

$ wine --desktop 640x480 notepad.exe

Manche Windows-Programme laufen nur unter Windows 95 und nicht unter NT, bei anderen ist es genau umgekehrt. Über die Kommandozeilenoption --winver ist es möglich, Wine mitzuteilen, als welche Version von Windows es sich ausgeben soll. Um es für ein Windows-Programm so aussehen zu lassen, als würde es unter Windows NT 4.0 ausgeführt, wäre Wine folgendermaßen aufzurufen:

$ wine --winver nt40 notepad.exe

Und um die Windows Version 3.1 zu "faken", wäre anstelle des Arguments nt40 der Wert win31 zu verwenden. Weitere mögliche Argumente sind win95 und win98. Wird Wine mit der Kommandozeilenoption --help aufgerufen, gibt es übrigens wie viele Linux-Programme auch alle verstandenen Optionen aus. Eine weitere wichtige Option ist --dll. Hiermit kann angegeben werden, welche Bibliotheken Wine aus einer bestehenden Windows-Installation verwenden soll und welche es selbst zur Verfügung stellen soll. Dazu sind hinter der Option die Namen der Bibliotheken (ohne die Endung .dll) anzugeben, für welche die Voreinstellung überschrieben werden soll, wobei mehrere Bibliotheken durch Kommata voneinander zu trennen sind. Schließlich ist hinter einem Gleichheitszeichen anzugeben, ob die von Wine bereitgestellte Version (b wie built-in) oder die Windows-Version (n wie native) benutzt werden soll. Um beispielsweise die Windows-Versionen der Bibliotheken shell und shell32 zu verwenden, könnte man Wine so aufrufen:

$ wine --dll shell,shell32=n notepad.exe

Die Option --dll bietet noch weitere Möglichkeiten, die in der Manual-Seite zu Wine beschrieben sind. Um die Voreinstellungen zu diesem Thema zu ändern, ist die Konfigurationsdatei entsprechend anzupassen.

Installation von Windows-Programmen unter Wine

Abbildung 7: Installation eines Windows-Programms unter Linux mit Wine. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wenn Sie keine Windows-Installation zur Verfügung haben, müssen Windows-Programme, die Sie unter Linux verwenden wollen, auch unter Wine installiert werden. Im Prinzip ist das kein Problem, weil es sich bei den Installationsprogrammen ja auch um nichts anderes wie normale Windows-Programme handelt. In der Praxis stellt sich jedoch leider oft heraus, dass gerade die Installationsprogramme besonders "schwierig" sind und noch nicht funktionieren, obwohl die eigentlichen Programme bereits gut mit Wine benutzbar sind. Falls Sie ein Programm unter Wine nicht installieren können, sollten Sie entweder auf eine neuere Wine-Version warten (wie gesagt, die Entwicklung schreitet wirklich schnell voran) oder die Wine-Dokumentation lesen und danach einen Bug-Report verfassen. Die Demonstration der Installation von Windows-Programmen unter Wine soll hier anhand des unter Windows-Benutzern sehr beliebten News-Readers Free Agent (das ist die "Freeware"-Version von Forte Agent) geschehen, er ist unter der URL http://www.forteinc.com/getfa/download.htm zu beziehen. Von dieser Web-Seite kann die Datei fa32-121.exe heruntergeladen werden. Dies ist die 32Bit-Version des Programms. Auf der angegeben Seite ist außerdem eine 16Bit-Version des Programms erhältlich, die ebenfalls benutzt werden kann. Bevor das Programm installiert wird, muss zunächst sichergestellt werden, dass in das Windows-Verzeichnis geschrieben werden darf (Wine ist also gegebenfalls vom Administrator auszuführen). Dann kann Wine mit dem Namen der heruntergeladenen Datei als Argument aufgerufen werden, beispielsweise so:

# wine fa32-121.exe --managed
Abbildung 8: Eh voila! Wine belohnt uns nach all den Strapazen mit einem "managed" Newsreader

Das Installationsprogramm sollte nun starten. Lassen Sie sich nicht von kleineren grafischen Fehlern stören, die hierbei zur Zeit noch auftreten können, sondern machen Sie alle Angaben so, wie Sie es unter Windows auch tun würden. Das Installationsprogramm erzeugt u. a. einen Eintrag im Startmenü von Windows. Diese Einträge sind zur Zeit noch nicht mit den Startmenüs von GNOME oder KDE verknüpft, so dass Sie Free Agent nach der Installation von der Kommandozeile aus starten müssen (Natürlich können Sie sich manuell einen Menüeintrag zum Start des Programms anlegen). Wenn Sie das Programm in das Verzeichnis C:\Program Files\Agent installiert haben und der Laufwerksbuchstabe C: dem Unix-Verzeichnis /c entspricht, könnten Sie den Newsreader beispielsweise mit der folgenden Kommandozeile starten:

$ wine /c/Program\ Files/Agent/agent.exe --managed

Der Backslash hinter Program ist hier notwendig, um der Shell mitzuteilen, dass das folgende Leerzeichen zum Dateinamen gehört.

Das Programm wird dann gestartet und sollte wie unter Windows benutzt werden können. Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, können Sie nun versuchen, die Programme Ihrer bestehenden Windows-Installation mit Wine auszuführen (Starten Sie doch einmal den Internet Explorer!) oder weitere Programme zu installieren, falls Sie keine Windows-Installation auf dem Rechner haben. Und noch ein Tipp zum Schluss: Wine ist, wie gesagt, z. T. noch recht instabil. Wenn sich das Programm aufhängt, können Sie es mit folgendem Befehl beenden:

$ killall -9 wine
Abbildung 9: Der Wine-Uninstaller ist eines der Hilfprogramme, die sich im Unterverzeichnis programs des Wine-Quellcodes befinden. Mit ihm können die unter Wine installierten Programme bequem verwaltet werden
Abbildung 10: Mit dem Spiel StarCraft können die Multimedia-Eigenschaften von Wine vorgeführt werden. Die StarCraft-Demo kann unter http://www.blizzard.com/starcraft/scdemo.shtml heruntergeladen und unter Wine installiert werden
Abbildung 11: Ein weiteres beliebtes Windows-Spiel ist Wing Commander. Es lässt sich ebenfalls mit Wine spielen. Die Demo ist unter http://www.wingcommanderprophecy.com/demo.html erhältlich
Abbildung 12: Erkennen Sie noch Unterschiede? Der Internet Explorer mit der Homepage des Wine-Projekts und HTML-Hilfe

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