Für alle Fälle: wineinstall

Wineinstall kann übrigens durchaus auch benutzt werden, um Wine für die Verwendung mit einer bestehenden Windows-Installation zu konfigurieren. Ob eine solche existiert, erkennt das Skript daran, ob in der Datei /etc/fstab eine Windows-Partition eingebunden ist. Sollten Sie also eine Windows-Installation eingebunden haben und nicht wünschen, diese mit Wine zu verwenden, empfiehlt es sich, den Eintrag auszukommentieren, bevor Sie wineinstall aufrufen. Den Kommentar können Sie hinterher ja wieder entfernen.

Je nachdem, ob Sie wineinstall als root (Systemadministrator) oder als gewöhnlicher Benutzer aufrufen, erzeugt das Skript eine systemweit gültige Konfiguration oder eine Konfiguration die lediglich für den aufrufenden Benutzer gültig ist. Im Fall einer systemweit gültigen Konfiguration werden die Konfigurationsdaten im Verzeichnis /usr/local/etc abgelegt. Die wichtigste Datei in diesem Verzeichnis ist die Datei wine.conf. Es handelt sich dabei um die zentrale Konfigurationsdatei von Wine. Bei einer Benutzerkonfiguration wird die Konfigurationsdatei ins Heimatverzeichnis ~ des aufrufenden Benutzers geschrieben und trägt dort den Namen .winerc (Der Punkt vor dem Dateinamen bedeutet übrigens, dass es sich um eine "versteckte" Datei handelt, die von ls nur dann angezeigt wird, wenn ihm der Zusatzparameter -a mit übergeben wird.) Falls beide Dateien existieren, verwendet Wine übrigens die Datei im Heimatverzeichnis des aufrufenden Benutzers. Geben Sie also – entweder als Benutzer oder als Administrator – den folgenden Befehl ein, um Wine zu konfigurieren:

# tools/wineinstall

Es wird dann zunächst überprüft, ob Wine kompiliert und installiert ist. Falls nicht, werden die entsprechenden Schritte durchgeführt. Danach wird geprüft, ob eine existierende Windows-Installation vorhanden ist. Wenn ja, wird eine entsprechende Konfigurationsdatei erzeugt. Falls nicht, wird gefragt, welches Verzeichnis dem Laufwerk C: entsprechen soll. Dieses Verzeichnis wird erzeugt, falls es noch nicht vorhanden ist. Außerdem wird die Registry erzeugt. Danach wird ebenfalls eine Konfigurationsdatei geschrieben.

Der große Augenblick

Abbildung 5: Praktisch um Word-Dokumente unter Linux zu betrachten. Der kostenlose Word-Viewer von Microsoft. Der Viewer ist unter http://officeupdate.microsoft.com/downloadDetails/wd97vwr32.htm erhältlich
Abbildung 6: Auch das ist möglich: Erstellung eines Vortrages über Wine mit Powerpoint

Nun können Sie versuchen, ein einfaches Windows-Programm auszuführen, um Wine zu testen. Falls Sie eine bestehende Windows-Installation verwenden, könnten Sie beispielsweise das Programm notepad.exe starten. Wenn nicht, können Sie zum Test gleich mit der Installation eines Programms beginnen, wie es weiter unten beschrieben ist. Um Windows-Programme mit Wine von der Kommandozeile aus zu starten, ist zunächst der Name des Programms wine und als Argument der Name des auszuführenden Programms anzugeben. Um also notepad.exe auszuführen, wäre folgender Befehl einzugeben:

$ wine notepad.exe

Sie können den Namen des auszuführenden Programms auch mit absolutem Pfad angeben. Das ist notwendig, wenn es nicht im Suchpfad für Windows-Programme gefunden werden kann, der in der Konfigurationsdatei festgelegt ist. Dabei kann wahlweise der Unix-Pfadname oder der Windows-Pfadname entsprechend der Zuordnungen in der Konfigurationsdatei angegeben werden. Falls also das Verzeichnis /c dem Laufwerk C: zugeordnet ist, hätten die beiden folgenden Befehle die gleiche Wirkung:

$ wine /c/windows/notepad.exe
$ wine c:\\windows\\notepad.exe

Der umgekehrte Schrägstrich wurde bei dem zweiten Befehl jeweils doppelt angegeben, weil er alleine für die Shell eine besondere Bedeutung hat. Egal, wie sie den Dateinamen des auszuführenden Programms angeben, eines muss immer beachtet werden: Jedes auszuführende Windows-Programm muss sich in einem Verzeichnis befinden, dass aufgrund der Zuordnungen in der Konfigurationsdatei einem Laufwerksbuchstaben zugeordnet werden kann. Diese Zuordnungen haben das folgende Format:

[Drive C]
Path=/c
Type=hd
Label=MS-DOS
Filesystem=win95

Wichtig ist hier vor allem die Bezeichnung in den eckigen Klammern, mit welcher der Name des Laufwerks festgelegt wird, und der Wert hinter dem Bezeichner Path, mit dem definiert wird, welchem Unix-Verzeichnis das Laufwerk entspricht. Hinter dem Platzhalter Filesystem sollte übrigens in fast allen Fällen win95 stehen, unabhängig davon, welches Dateisystem tatsächlich auf dem entsprechenden Datenträger benutzt wird. Wenn Sie das gesamte Dateisystem Ihres Rechners mit Wine verfügbar haben wollen, definieren Sie einfach ein weiteres Laufwerk, das dem Wurzelverzeichnis Ihres Systems entspricht:

[Drive R]
Path=/
Type=hd
Label=ROOT
Filesystem=win95

Wird Wine mit einer bestehenden Windows-Installation benutzt, sollten die Laufwerkszuordnungen unter Wine die gleichen wie unter Windows sein. Es kommt sonst zu Problemen, wenn ein Programm eine Datei beispielsweise auf dem Laufwerk C: sucht, die fragliche Datei unter Wine aber nur über das Laufwerk D: gefunden werden kann. Sie können natürlich trotzdem unter Wine zusätzliche Laufwerke definieren, etwa um das Wurzelverzeichnis Ihres Systems oder Ihr eigenes Heimatverzeichnis ansprechen zu können.

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