Fortschritt

Das Grundprinzip in Synfig (Abbildung 15) ist tatsächlich denkbar einfach: Sie zeichnen den ersten Frame Ihres Films, springen dann auf der Zeitleiste einige Sekunden vor und verändern die Zeichnung. Objekte an eine andere Position verschieben, die Form von Vektorkurven anpassen, neue Objekte hinzufügen, Füllfarbe oder Größe verändern: Alle Bearbeitungsoperationen aus gewöhnlichen Zeichenprogrammen gibt es auch in Synfig.

Abbildung 15: Synfigs Spezialgebiet sind fließende Übergänge zwischen Formen. Sie sind hier für die Abbildung in einen Frame gepresst. Normalerweise würde Synfig sie als Filmsequenz einer aufblühenden Blume exportieren.

Eine Synfig-Animation besteht also – vereinfacht gesagt – aus vielen Zeichnungen, bei der jede neue Fassung auf der vorausgehenden basiert. So müssen Sie nur Veränderungen neu zeichnen, zum Beispiel die Arm- und Beinbewegungen einer Figur.

Die größte Arbeitserleichterung ergibt sich in Synfig daraus, dass die Software automatisch Zwischenbilder errechnet. Die zigtausend zu zeichnenden Einzelbilder schrumpfen schon dadurch auf einen Bruchteil. Dennoch ließen sich mit dem bisher skizzierten Funktionsumfang allenfalls simple Kurzfilme stemmen. Synfig hat jedoch das Potenzial für professionell wirkende Zeichentrickfilme: Damit diese gelingen, sind viele Spezialwerkzeuge für Animationen vorhanden, die in reinen Zeichenprogrammen fehlen.

Hand und Fuß

Ein Beispiel dafür ist das Skelettsystem, mit dem natürlich wirkende Bewegungen einer Comicfigur entstehen: Es bindet die Umrisse der Figur in der Grundposition (rechts in Abbildung 16) an Knochen, die sich an den grün dargestellten Gelenkpunkten wie an Scharnieren drehen lassen.

Abbildung 16: Dank des Skelettsystems in Synfig gelingt die Pose der Figur links auf Basis der Grundstellung rechts mit wenigen Mausklicks.

Dazu kommen Hilfsmittel, um Bewegungsabläufe zu koordinieren, zu überlagern oder wiederzuverwenden. Insgesamt machen sie Synfig zu einem leistungsfähigen, leider aber schwierig zu bedienenden Programm: Wer von einem Zeichenprogramm umsteigt, wird erst einmal bei den einfachsten Dingen wie dem Verschieben einer Form in der Zeichenfläche zu kämpfen haben.

Teilweise liegt dies daran, dass Synfig eben kein gewöhnliches Zeichenprogramm ist, sondern ein Spezialprogramm, dessen Funktionsumfang weit über das reine Zeichnen hinausgeht. Trotzdem sind wir der Ansicht, dass sich einige Hürden für Einsteiger hätten vermeiden lassen.

OpenSuse-Anwender erhalten beim Installieren des Pakets von der DVD eine Fehlermeldung über einen Dateikonflikt. Dabei geht es aber nur um einige Icons; das Ignorieren der Meldung beschädigt Ihr System nicht. Um Animationen als Filme exportieren zu können, müssen OpenSuse-Anwender außerdem das Paket ffmpeg aus dem Community-Repository Packman installieren.

Die Redaktion meint

Synfig ist ein hervorragendes Programm mit hohen Einstiegshürden. Anwender, die sich an ein so zeitaufwändiges Projekt wie einen Animationsfilm heranwagen, wird dies nicht abschrecken. Weniger ambitionierte Benutzer erlernen mit dem anschaulich gestalteten und zumindest teilweise auf Deutsch verfügbaren Handbuch [8] immerhin die Grundlagen.

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