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© Alena Yakusheva, 123RF

VirtualBox 4.2.4 gegen VMware Workstation 9

Virtuelles Duell

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Wenn Sie Windows-Programme unter Linux verwenden wollen, ist Virtualisierung noch immer die einzige hundertprozentige Lösung: Dabei installieren Sie Windows in einem virtuellen Computer. Wir haben die aktuellen Versionen von VirtualBox und VMware Workstation verglichen.

Oft gelingt der Umstieg von Windows auf Linux nur halb, weil einige der lieb gewonnenen Anwendungen von Windows nicht als Linux-Versionen verfügbar sind. Wer weder ständig hin und her booten noch einen zweiten Rechner für Linux kaufen möchte, sucht bald nach einer Möglichkeit, die Windows-Programme unter Linux zum Laufen zu bekommen. Das geht mit Virtualisierungsprogrammen, die man oft "PC-Emulatoren" nennt, auch wenn der Begriff technisch nicht korrekt ist, denn Programme dieser Kategorie emulieren nicht die komplette Hardware eines Computers.

VMware Workstation [1] war das erste Programm dieser Art, VirtualBox [2] kam erst einige Jahre später auf den Markt. Die beiden Kontrahenten unterscheiden sich in zwei wichtigen Kriterien: Das VMware-Produkt kostet 222 Euro und ist nicht quelloffen; VirtualBox hingegen ist ein Open-Source-Programm und kostenlos. Ergänzend zur freien GPL-Software gibt es noch eine kommerzielle und proprietäre Ergänzung, die Privatanwender aber auch umsonst verwenden dürfen.

Die aktuellen Versionen, VMware Workstation 9 und VirtualBox 4.2.4, wurden in den letzten Monaten veröffentlicht, und beide unterstützen u. a. das neue Windows 8 als Gastbetriebssystem.

Wir haben beide Produkte unter OpenSuse 12.2 installiert und eine virtuelle Maschine mit Windows 8 eingerichtet. Unser Test zeigt die Unterschiede.

Installation

VirtualBox findet sich als Open-Source-Anwendung zwar in den Repositories der Distributionen, doch die aktuellste Version gibt es dort meist nicht. Darum lohnt sich ein Download von der Webseite: Dort gibt es passende Pakete für zahlreiche Linux-Distributionen, die sich einfach über die Paketverwaltung einspielen lassen.

Wenn das Host-Betriebssystem (der "Gastgeber") ein sehr neues Linux ist, enthält das VirtualBox-Paket noch nicht die dazu passenden Kernel-Module – es versucht dann im Rahmen der Installation automatisch, solche Module zu erzeugen, was aber nur gelingt, wenn die Kernel-Header und eine Entwicklungsumgebung vorhanden sind. Unter OpenSuse 12.2 spielte

sudo zypper install patterns-openSUSE-devel_kernel

die nötigen Pakete ein; bei älteren Linux-Versionen ist dieser Schritt nicht nötig, und das beschleunigt auch die VirtualBox-Installation.

Dass es VirtualBox in Paketform für alle Distributionen gibt, erlaubt eine sehr komfortable Installation, bei der die Paketverwaltung auch automatisch bestehende Abhängigkeiten auflöst; im Test spielte YaST z. B. direkt das benötigte Paket libpng12.0 mit ein.

Eine Aufgabe nimmt der Installer Ihnen allerdings nicht ab: Sie müssen Ihren Standardbenutzer in die neu erstellte Gruppe vboxusers aufnehmen. Das geht über die Benutzerverwaltung oder über das Kommando

sudo usermod -a -G vboxusers Username

Ist bei der Installation das Bauen der Kernel-Module fehlgeschlagen, können Sie diesen Schritt über /etc/init.d/vboxdrv setup nachholen, nachdem Sie die Entwicklungsumgebung und die Kernel-Header installiert haben.

Nach der Installation des VirtualBox-Pakets ist das Programm einsatzbereit, es empfiehlt sich aber, noch die plattformübergreifende Erweiterung (mit der Endung .vbox-extpack) herunterzuladen und zu installieren. Rufen Sie dazu in VirtualBox den Menüpunkt Datei / Globale Einstellungen / Zusatzpakete auf und wählen Sie die .vbox-extpack-Datei aus.

VMware stellt zu Testzwecken eine auf 30 Tage Laufzeit beschränkte Version der Workstation gegen Registrierung zur Verfügung. Den benötigten Lizenzschlüssel finden Sie auf der Downloadseite. Bei Gefallen können Sie später einen zeitlich unbeschränkten Schlüssel erwerben und die Software ohne erneute Installation freischalten. Anders als VirtualBox steht VMware Workstation lediglich in einer generischen Form für alle Linux-Distributionen zur Verfügung. Sie laden vom Server ein 404 MByte großes Shell-Skript herunter, das Sie aus einem Terminalfenster heraus mit dem Befehl

sudo sh VMware-Workstation-Full-9.0.1-894247.i386.bundle

starten müssen. Es entpackt die enthaltenen Pakete, präsentiert die Lizenzbedingungen und stellt ein paar Fragen, bevor es die Software installiert. Beim anschließenden Start von VMware zeigte sich, dass der Hersteller eher professionelle Anbieter im Visier hat; wie bei VirtualBox fehlten für OpenSuse 12.2 passende Kernelmodule. Die Installation der fehlenden Pakete mit (siehe oben) führte aber auch noch nicht zum erfolgreichen Programmstart: VMware läuft nur, wenn man einen Lizenzschlüssel eingibt (ansonsten lassen sich zwar neue virtuelle Maschinen konfigurieren, aber nicht starten), und das Programm zeigte beim Versuch, den Key einzugeben, keinen Dialog an. Nach Hinweisen im Internet, dass das manchmal vorkommt, versuchten wir zunächst, VMware mit Root-Rechten zu starten (kdesu vmware), was immer noch nicht für Abhilfe sorgte. Nur eine Abmeldung und Neuanmeldung als root zauberte den Dialog für die Schlüsseleingabe auf den Bildschirm, die so erzeugte Datei preferences im Ordner /root/.vmware/ mussten wir dann noch manuell nach /home/user/.vmware kopieren und uns erneut ab- und anmelden – danach lief VMware endlich.

Auch für VMware Workstation gilt, dass der Installationsprozess deutlich reibungsloser läuft, wenn man eine etwas ältere Linux-Version als Host-Betriebssystem verwendet, die VMware schon kennt und deswegen bereits passende Kernel-Module mitliefert.

Speaking English?

VMware hat sich nicht die Mühe gemacht, sein Produkt zu lokalisieren: Sämtliche Dialoge und Menüs präsentieren sich durchgehend in englischer Sprache, was für einige Anwender ein K.O.-Kriterium sein dürfte. Andererseits ist die Einrichtung und Nutzung virtueller Maschinen bei VMware leichter als bei VirtualBox (siehe unten), weswegen die fehlende Übersetzung eventuell zu verschmerzen ist. Im Gegensatz dazu ist VirtualBox komplett eingedeutscht, so dass auch Anwender ohne Englischkenntnisse problemlos damit arbeiten können. Dass ein Produkt für über 200 Euro auf deutsche Anpassungen verzichtet, ist schon befremdlich und ein Hinweis darauf, dass der Hersteller nicht damit rechnet, dass private Anwender das Produkt verwenden – bei Systemadministratoren in Unternehmen wird wohl vorausgesetzt, dass sie mit der englischen Benutzerführung zurechtkommen.

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