O2PMP von Cowon

Der portable Medienplayer 02PMP ist zurzeit das Flaggschiff von Cowon. Er basiert auf einem Linux-System mit Kernel 2.4 und unterstützt neben den Standardformaten auch ein paar exotische, darunter das Audioformat Monkeys Audio und die Videoformate Matroska und OGG Media. Audio- und Videowiedergabe können Sie über einen Timer starten. Als besonderes Schmankerl hat Cowon dem Player auch eine Zeitsteuerung für das Mikrofon eingebaut, der O2 eignet sich somit auch als programmierbares Diktiergerät.

Wer bereits einen O2 besitzt, sollte die Firmware unbedingt auf Version 1.31 auffrischen, da die früheren Versionen Dateisystemprobleme bereiten, die Teile der Musiksammlung oder die komplette Sammlung beschädigen können, wenn der Player nicht sauber vom PC getrennt wird. Dazu laden Sie einfach die ZIP-Datei herunter [2], entpacken sie und kopieren die darin enthaltenen Dateien per Drag & Drop auf den Player. Beim nächsten Start frischt der 02PMP automatisch das Betriebssystem auf. Das Firmware-Upgrade dauert ein paar Minuten, und Sie sollten es nur bei gut gefülltem Akku durchführen.

Den O2PMP (Abbildung 2) gibt es in Schwarz und Weiß mit 16 oder 32 GByte Flash-Speicher. Der Player verfügt neben dem Einschaltknopf nur über einen Button zur Lautstärkeregelung; die restlichen Funktionen rufen Sie über den Touchscreen auf. Das Menü ist logisch aufgebaut und der Touchscreen ist problemlos ohne Stift bedienbar.

Abbildung 2: Dank des sehr hellen Displays ist der O2PMP auch bei Tageslicht trotz des leicht spiegelnden Displays problemlos bedienbar.

Cowon bietet unterstützt die freien Formate OGG-Vorbis und Flac sehr gut: Bei beiden zeigt der Player die in den Metadaten der Stücke gespeicherten Informationen zu Interpret, Album und Titel an. Liegt im Verzeichnis ein Bild mit dem Dateinamen cover.jpg, zeigt der O2PMP es automatisch als Albumvorschau an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der O2PMP von Cowon zeigt auch bei OGG-Vorbis- und Flac-Dateien die zugehörigen Metainformationen an.

Die Wiedergabe von sämtlichen Musikstücken können Sie über den Touchscreen verlangsamen oder beschleunigen. Allerdings kommt es bei Werten unter 0,9 und über 1,2 zu hörbaren Verzerrungen.

Als echtes Linux-System beherrscht der O2PMP auch Multitasking, allerdings nur mit zwei Anwendungen. So können Sie zum Beispiel zwischen dem Fotobetrachter und dem Musikplayer hin- und her wechseln. In der Grundeinstellung schaltet der Hold-Button sämtliche Bedienelemente aus, auch die Lautstärkeregler. Über das Setup-Menü stellen Sie den Player aber bei Bedarf so ein, dass die Lautstärkeregelung auch bei aktivierter Hold-Funktion arbeitet. Dann können Sie den Player auch in der Hosentasche leicht bedienen. Eine weitere Besonderheit beim Cowon-Player ist der eingebaute Lautsprecher: Er schaltet sich nicht wie bei den meisten Playern automatisch ein, sobald Sie die Ohrhörer vom O2PMP abziehen, sondern Sie aktivieren ihn über das Setup-Menü. Je nach Anwendungsfall kann dies ein praktisches Feature sein oder beim normalen Betrieb stören.

Der Videoplayer spielt zwar sehr viele Formate ab, in den meisten Fällen lohnt es sich allerdings, das Video in ein MPEG4-Format umzuwandeln, um best mögliche Darstellung zu erreichen. Bei unseren Tests nutzten wir dazu das zum MPlayer gehörende Kommandozeilentool mencoder und erzielten mit folgenden Parametern sehr gute Ergebnisse:

mencoder original.avi -ovc lavc -lavcopts vcodec=mpeg4 -oac mp3lame -o resultat.avi

Der 02PMP gehört zu den wenigen tragbaren Medienplayern, die bei Bildern auch das RAW-Format unterstützen. Fotografen werden auch die USB-to-Go-Schnittstelle schätzen, über die Sie von entsprechenden Digitalkameras Bilder ohne PC direkt auf den Player übertragen können. Negativ fiel in den Tests die Akkulaufzeit auf: Während der O2PMP beim Videoplayback noch mit der Konkurrenz mithalten konnte, fiel die Audiowiedergabezeit mit knapp 20 Stunden doch eher bescheiden aus.

Auf der Homepage von Cowon gibt es für den O2PMP ein Software Developer Kit [3], mit dem Entwickler unter Linux zusätzliche Programme für den portablen Player schreiben können. Zwei davon sind auf dem Player bereits vorinstalliert: ein Taschenrechner und ein "Notepad" getauftes Zeichenprogramm. Weitere Nutzerprogramme finden Sie im amerikanischen Cowon-Forum [4].

Cowon D2+

Der kleinste der drei getesteten Player (Abbildung 4) ist eine Weiterentwicklung des D2, den unsere Schwesterzeitschrift LinuxUser in Ausgabe 04/2007 [5] getestet hat. Die dort beschriebenen Mängel hat Cowon seither behoben: Der D2+ bootet deutlich schneller als der Vorgänger und zeigt bei OGG-Vorbis- und Flac-Dateien sämtliche Metadaten an. Auch die Akkulaufzeit konnte Cowon noch etwas verbessern: Sie liegt nun offiziell bei maximal 52 Stunden für die Audiowiedergabe und zehn Stunden Videoplayback, wobei wir in den Tests bei gewöhnlicher Nutzung und geringer Lautstärke mit OGG-Vorbis-Dateien rund 40 Stunden erreichten.

Abbildung 4: Den rund 8 x 5 cm^2 großen D2+ gibt es in Schwarz und Schwarz-Silber.

Den D2+ können Sie komplett über den Touchscreen bedienen, der Player verfügt zudem neben den Knöpfen für die Lautstärkeregelung auch über einen Menü-Button, der jederzeit zurück zum Hauptmenü führt. Die Soundqualität ist sehr gut, Videos kommen auf dem kleinen Bildschirm aber nicht optimal zur Geltung, zudem zeigt sich der D2+ sehr wählerisch bei der Formatauswahl und Auflösung. Als Gegenleistung bietet der Kleine dafür einen Flash-Player für Spiele, so dass Sie den D2+ auch teilweise als Gameboy-Ersatz nutzen können. Eine Liste von Spielen gibt es zum Beispiel im Iaudiophile-Forum [6].

Den D2+ gibt es in zwei Versionen: Der Standardplayer enthält ein normales UKW-Radio, die DAB-Version stattdessen einen Empfänger für das neue Digitalradio (Digital Audio Broadcasting), das in Deutschland und der Schweiz schon fast flächendeckend erreichbar ist. Sehr praktisch fanden wir die Fade-in-Funktion des Players: Stoppen Sie die Musik, fährt der MP3-Player bei der erneuten Wiedergabe die Lautstärke stufenlos hoch. Dieses Feature bietet auch der 02PMP.

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