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Software über die Kommandozeile installieren

Verflixt und zugenäht

Programme auf der Kommandozeile zu installieren, ist nicht schwieriger, als einen Knopf von Hand anzunähen – wenn man weiß, wie es funktioniert.

Es gibt Aufgaben, die erledigt ein erfahrener Linux-Benutzer auf der Kommandozeile wesentlich schneller als über eine grafische Oberfläche. Dazu gehört auch das Paketmanagement. Mandriva Linux, OpenSuse und Ubuntu benutzen dafür jeweils unterschiedliche Programme. Es gibt aber auch Paketmanager, die unter allen drei Distributionen funktionieren, zum Beispiel Smart [1], [2]. Dieses Guru-Training konzentriert sich auf Kommandozeilentools, die die drei EasyLinux-Distributionen von Haus aus mitbringen: urpmi (Mandriva Linux), zypper (OpenSuse) und apt-get (Ubuntu).

Verwechseln Sie diese Tools nicht mit dem eigentlichen Paketsystem: Mandriva Linux und OpenSuse basieren auf dem RPM-System (Red Hat Package Management), Ubuntu setzt das DEB-Paketsystem von Debian ein. Im Unterschied zu den Befehlen rpm und dpgk, mit denen Sie zwar Pakete abfragen, installieren und löschen können, sind urpmi, zypper und apt-get darauf spezialisiert, automatisch mehrere Pakete zu installieren.

Langsame Suse

Das Paketmanagement funktioniert unter Suse Linux seit Version 10.1 alles andere als schnell. Schuld daran ist eine Erweiterung, die eigentlich nur im Business-Bereich sinnvoll ist: der Zenworks Daemon (zmd). Dass Otto Normalbenutzer diesen nicht braucht, hat inzwischen auch Novell eingesehen: Ab Version 10.3 kommt die Novell-Distribution ohne den Ressourcenfresser. Auch unter Suse Linux 10.1 und OpenSuse 10.2 besteht die Möglichkeit, das System ohne den Zenworks-Daemon zu benutzen. Details dazu lesen Sie im Kasten "So werden Sie zmd los". Unter Suse Linux 10.1 verwenden Sie ohne Zenworks auf der Kommandozeile am besten Smart. OpenSuse bringt bereits ein schlankes Kommandozeilentool mit: zypper.

So werden Sie zmd los

Nach einer Standardinstallation von Suse Linux 10.1 oder OpenSuse 10.2 ist der Zenworks-Daemon aktiv. Ob er auch auf Ihrem Rechner arbeitet, überprüfen Sie am einfachsten über die KDE-Prozessüberwachung: Drücken Sie zum Starten des Tools [Strg]+[Esc] und geben Sie dann in die Suchmaske den Buchstaben z ein. Erscheint zen-updater oder zmd in der Liste, benutzt Ihr System die Zenworks-Tools (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Prozesse zen-updater und zmd schlummern in der Regel vor sich hin. Beim Überprüfen von Updates belasten jedoch zusätzliche Prozesse die CPU, zum Beispiel update-status.

Um den hungrigen Daemon loszuwerden, öffnen Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu konsole ein Terminalfenster mit Administratorrechten und geben hier folgenden Befehl ein:

rpm -e zen-updater zmd rug

Nach einem Reboot starten Sie nochmals die KDE-Prozessüberwachung und überprüfen, ob Sie dem Daemon wirklich den Garaus gemacht haben.

Mit zen-updater haben Sie allerdings auch das Miniprogramm gelöscht, das Sie regelmäßig über Updates informieren sollte. Unter OpenSuse 10.2 muss Sie das nicht weiter stören, hier installieren Sie einfach den alternativen OpenSuse-Updater (im Paket opensuseupdater). Benutzern von Suse Linux 10.1 steht nach dem Löschen von Zen-Updater kein Tool mehr zur Verfügung, das die Online-Updates anzeigt. Benutzen Sie deshalb regelmäßig das Online-Update-Modul von YaST, um keine Aktualisierungen zu verpassen.

Flott mit Zypper

Möchten Sie unter OpenSuse ein neues Programm installieren, starten Sie dazu in der Regel das Paketmanagement-Modul von YaST, tippen dann in der Suchmaske den gewünschten Begriff ein, markieren das Paket und klicken auf Anwenden. Der komplette Vorgang dauert selbst auf einem schnellen Rechner zwei bis drei Minuten. Erfahrene Anwender kennen in der Regel den Namen des gewünschten Pakets auswendig. Sie starten über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu konsole ein Terminal mit Root-Rechten und geben hier den Befehl zypper install Paketname ein. (Paketname müssen Sie dazu durch den Namen des zu installierenden Pakets ersetzen).

Der komplette Vorgang dauert je nach Anzahl der Paketquellen gut 30 Sekunden. Neben der Geschwindigkeit hat zypper noch weitere Vorteile. So können Sie mit dem Programm auch Installationsquellen verwalten, ohne dazu YaST zu starten. Für die tägliche Arbeit benötigen Sie in der Regel nur die zwei Befehle zypper search und zypper install. Beiden Kommandos geben Sie als Parameter den gewünschten Paketnamen mit. Zum Beispiel sucht

zypper search amarok

in sämtlichen Paketquellen nach der KDE-Jukebox Amarok. Seit Verson 0.6.15 unterstützt Zypper zudem die Option -d (description) und sucht dann nicht nur nach Paketnamen, sondern auch in den Beschreibungen. OpenSuse 10.2 installiert standardmäßig Version 0.6.13, per Online Update können Sie Version 0.6.15 einspielen. Die neueste Version von Zypper (0.7.1) finden Sie unter [3].

Um ein Paket zu installieren, genügt der Befehl

zypper install Paketname

Abhängigkeiten löst das Kommandozeilentool automatisch. Findet zypper mehrere Pakete mit dem Namen amarok, versucht es das neueste zu installieren. Um eine ältere Version oder eine Version aus einer bestimmten Paketquelle einzuspielen, müssen Sie zurzeit noch YaST benutzen. Dieses Feature steht aber auf der Todo-Liste der Zypper-Entwickler.

Möchten Sie ein Paket löschen, rufen Sie zypper remove datei.rpm auf, wobei Sie datei.rpm durch den Dateinamen des RPM-Pakets ersetzen müssen.

Das Kommandozeilentool von Suse hilft Ihnen auch, Aktualisierungen abzufragen und einzuspielen. Eine Liste sämtlicher Updates gibt Ihnen der Befehl zypper lu (list updates) aus. Um die Updates einzuspielen, genügt der Befehl zypper update oder dessen Kurzform zypper up.

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