Alphas, Betas und RCs

Viele Anwendungen, die unter Linux populär sind, haben Versionsnummern, die mit "0." beginnen – das sieht unfertig aus, ist aber oft einfach Bescheidenheit der Entwickler. Einen Anhaltspunkt für die Frage, ob es sich um eine eher stabile oder eine hochgradig experimentelle Programmversion handelt, gibt die Versionsnummer nicht.

Auch die Kennzeichnung eines Programms als Alpha- oder Betaversion bedeutet wenig: In einigen Fällen steckt dahinter komplett unbrauchbare Software, die nach wenigen Sekunden Laufzeit abstürzt, während andere Programmierer ihrem Werk eine Alpha- oder Betanummer geben, weil sie es noch nicht für ausgereift halten, auch wenn es das schon ist.

Nach den Alpha- und Betaversionen kommen heute oft noch die "RCs": Release Candidates (also Veröffentlichungskandidaten) sind Programmversionen, von denen die Entwickler schon hoffen, dass sie weitgehend fehlerfrei sind. Anstatt das Programm direkt unter die Anwendermassen zu bringen, betiteln sie es zunächst als Release Candidate und stoßen damit einen späten Betatest an. Gibt es dann keine Fehlermeldungen, wird der Release Candidate zur finalen Version erhoben. Gab es doch Probleme, beheben die Programmierer diese und geben einen neuen Release Candidate heraus.

Welche Version habe ich?

Verwenden Sie ein Programm, das keinen Über-Dialog hat, der die Versionsnummer verwendet? Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, trotzdem herauszufinden, welche Version der Software Sie einsetzen.

Das Programm fragen

Handelt es sich um ein Kommandozeilenprogramm, können Sie versuchen, es mit einem der Parameter -V, --version und -version aufzurufen. In einigen Fällen funktioniert diese Methode auch mit grafischen Anwendungen, etwa beim Texteditor nedit:

$ nedit -V
NEdit 5.5
Sep 30, 2004
     Built on: Linux, 486, GNU C
     Built at: Apr 17 2005, 17:38:00
   With Motif: 2.1.0 [@(#)GNU/LessTif Version 2.1 Release 0.93.94] (UNTESTED)
Running Motif: 2.1 [unknown]
       Server: The XFree86 Project, Inc 40300001
       Visual: 16-bit TrueColor (ID 0xa3, Default)
       Locale: de_DE@euro

Neben der Versionsnummer (5.5) gibt das Programm noch weitere Informationen aus, hier zum Beispiel, wann es übersetzt wurde (im April 2005). Auch KDE-Programme reagieren auf die Option --version:

$ kwrite --version
Qt: 3.3.6
KDE: 3.5.4
KWrite: 4.5.4

RPM- oder Debian-Paketdatenbank

Kennen Sie den Paketnamen des Programms, verwenden Sie rpm oder dpkg-query, um die Version herauszufinden – beispielsweise für das Downloadtool wget:

$ rpm -q wget
wget-1.9.1-57

oder auf einem Debian-basierten System wie Ubuntu:

$ dpkg-query -W wget
wget    1.9.1-12

Ist der Paketname nicht bekannt, bieten beide Paketdatenbank eine Art Volltextsuche an; Sie müssen dafür nur den vollen (Pfad- und) Dateinamen einer einzigen Datei aus dem Paket kennen. Im Fall eines ausführbaren Programms reicht sogar der einfache Befehlsname.

Auf einem RPM-basierten System fragen Sie mit rpm -qf nach dem Paket zu einer Datei:

$ rpm -qf /etc/X11/xinit/xinitrc
netcfg-9.3-2

oder nach einem Programm, dessen Pfad Sie mit Hilfe von which ermitteln:

$ rpm -qf `which kwrite`
kdebase3-3.4.0-28

Debian-Distributionen verwenden dafür zwei Befehle; zunächst gibt dpkg -S den Paketnamen zu einer Datei zurück, anschließend erfolgt wieder mit dpkg-query die Versionsabfrage:

$ dpkg -S /etc/X11/xinit/xinitrc
xbase-clients: /etc/X11/xinit/xinitrc
$ dpkg-query -W xbase-clients
xbase-clients   4.3.0.dfsg.1-14sarge2
$ dpkg -S `which kwrite`
kate: /usr/bin/kwrite
$ dpkg-query -W kate
kate    4:3.3.2-1sarge3

Glossar

Toolkit

Sammlung von grundlegenden Funktionen, auf die sich Entwicklerbeim Programmieren von Anwendungen stützen können. Beispiele für verbreitete Toolkits sind Qt (KDE-Programme) und Gtk (Gnome-Programme). Sie stellen die Grundlage für die Anzeige einer grafischen Oberfläche (Symbolleisten, Buttons, Dialogfelder etc.) bereit. Qt und Gtk sind Bibliotheken: Das heißt, sie liegen als eigenständige Dateien vor. Unterschiedliche Programme können sie so nutzen; sie müssen dabei nur einmal in den Arbeitsspeicher geladen werden.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

EL 08-10/2017: BACKUP

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet 9,80 Euro. Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 33,30 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 2 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...
Backup mit KUP unter Suse 42.3
Horst Schwarz, 24.09.2017 13:16, 3 Antworten
Ich möchte auch wieder unter Suse 42.3 mit Kup meine Backup durchführen. Eine Installationsmöglic...
kein foto, etc. upload möglich, wo liegt mein fehler?
kerstin brums, 17.09.2017 22:08, 5 Antworten
moin, zum erstellen einer einfachen wordpress website kann ich keine fotos uploaden. vom rechne...
Arch Linux Netzwerkkonfigurationen
Franziska Schley, 15.09.2017 18:04, 0 Antworten
Moin liebe Linux community, ich habe momentan Probleme mit der Einstellung des Lan/Wlan in Arc...