Kindersicherung – Ja, aber wie?

FragenKindersicherung – Ja, aber wie?
Marcel Hilzinger - Dienstag, 26. Oktober 2010 10:10 Uhr

Hallo Community,
heut habe ich mal selbst eine Frage. Meine Kinder kommen langsam in das Alter, dass sie auch mal für 30 Minuten am Internet hängen dürfen. Auch wenn das in der Regel unter meiner Aufsicht erfolgt, wird die Zeit kommen, dass die Kinder alleine vor dem Rechner sitzen und da möchte ich natürlich verhindern, dass sie über ein paar falsche Licks auf der falschen Seite landen.

Meine Frage: wer hat Erfahrung mit Kindersicherungsprogrammen, sprich Black- und Whitelists. Zentraler Server ist vorhanden, ich könnte also Squid einrichten etc. Meine Frage geht eher in Richtung: was ist besser: Whitelist mit den erlaubten Seiten oder Blacklist aus dem Internet mit den zu blockierenden. Oder gibt es andere/bessere Lösungen?

7 Antworten
Erik Bärwaldt - Dienstag, 26. Oktober 2010 11:26 Uhr

Hallo Marcel,
am einfachsten und vor allem effektivsten ist es so, wie es bei KinderTux realisiert ist: Dort werkelt Privoxy im Hintergrund, der grundsätzlich alles sperrt. Über eine Whitelist wird dann jede „genehmigte“ Seite freigegeben. Anders herum ist es Unsinn, weil Du mit dem Pflegen der Blacklist gar nicht mehr nachkommst. Gewisse „Anbieter“ sind nämlich äußerst findig, wenn URL-Filter eingesetzt werden. Da genügt manchmal schon ein versehentlicher Buchstabendreher, und Du hast unerwünschte Inhalte auf dem Schirm.

Beste Grüße
Erik

ux - Mittwoch, 27. Oktober 2010 22:32 Uhr

Hi,

denke auch – Filtern ist nicht gut. Evtl. kann eine White list bei den ganz kleinen hilfreich sein. spätestens wenn sie aber bei ner Freundin/Freund sind, wird einer keinen Filter mehr haben. Außerdem ist es uns ja bestens bekannt, wie man selbst aus einem Netz mit Whitelist ausbüchst (etwas Googeln in Blacklist gefilterten Netzen reicht um die Lösung zu finden). Deshalb rate ich immer, sich Zeit für die Kinder zu nehmen und Ihnen die Gefahren bewusst zu machen. Dass ist alle mal sinnvoller und effektiver.

Ein nicht ganz passender aber dennoch recht anschaulicher Vergleich ist, das laut einschlägigen Statistiken in den kleineren Ortschaften mehr Kinder überfahren werden als in Großstädten (leider keine Aussagekräftige Quelle im Internet gefunden – war mal in der Tageszeitung). Eine Untersuchung hat dann den eigentlich Einleuchtenden Grund geliefert. Kinder an wenig befahrenen Straßen wissen zwar genau so wie die an fiel befahrenen Straßen der Gefahr. Aber durch die Tatsache das eine kleine Unachtsamkeit meist unkritisch ist, werden sie schneller unvorsichtig, als jene bei denen schon die kleineste Unachtsamkeit zu direkten folgen (z.B. lautes Hupen usw.) führt.

Aber das muss jeder selbst entscheiden, ob er filtert (Ortschaft mit wenig Verkehr) oder ob er die Kinder immer wieder die Gefahr vor Augen hält und sie „absichtlich“ im freien Internet bewegen lässt. Dann werden sie zwar schon früh mit gefahren konfrontiert sein, sie werden aber aus den meist weniger kritischen folgen, eher für die gefahren sensibilisiert.

Fiel Glück und Erfolg mit Eurer persönlichen Methode wünscht Euch
Ulf

phs - Donnerstag, 28. Oktober 2010 13:18 Uhr

die Gefahren bewußt zu machen…

schöner Satz. Nur sehen Kinder das nicht als „Gefahr“ sondern als der Reiz des Unbekannten oder Verbotenen. Wenn der erste sagt schau mal auf rottenxyz da siehst Du woeh, werden die wenigsten das als Gefahr sehen, sondern sich kichernd und gruselnd darauf stürzen. Zu denken, dass Kinder nicht auf böse Seiten gehen, weil ich es ihnen gesagt habe, ist mehr als blauäugig und funktioniert unter Garantie nicht.

ux - Donnerstag, 28. Oktober 2010 15:08 Uhr

Gebe Dir Recht, wenn Du es ihnen verbietest. Du sollst es auch nicht verbieten, sondern nur auf gefahren und Problemen aufmerksam machen. Ich gebe ja zu, dass das nicht immer ganz einfach ist, aber Verbote (im übrigen auch ein-/aus- „sperren“) führt meist zu verstärkten Interesse. Es ist evtl. bei nicht ganz so krassen Dingen (Videos/Bildern/…) hilfreich, wenn die Kinder doch mal reinspickeln. Sie sollten aber immer wissen, dass Ihre „Erzieher“ (wer auch immer das ist) sie nicht dafür bestrafen, wenn sie auf etwas problematische Dinge stoßen. Sondern dass diese Ihnen bei Problemen die im Internet auftreten, jederzeit mit Rat, Tat und (moralische/tatsächliche) Unterstützung rechnen können.

Ich denke, dass es für einen heranwachsenden Bürger essentiell ist, selbst seine grenzen auszuloten und auch durchaus die gefahren zu erleben. Nur dann kann er auch später für eine Freie und gute Welt einstehen.

Übrigens ist dieses ein Grund, weshalb ich die momentane Sperr- / Verbote Vorschläge für’s Internet der momentanen Politik für kritisch halte.

Es kann nie wirklich ausgeschlossen werden, dass man oder das Kind / der Jugendliche auf problematische Inhalte stößt. Aber jemand der für dieses Problem sensibilisiert ist und auch Details dazu kennt, wird damit wenig bis keine Probleme haben, als diejenigen, für die es das erste mal ist und auch nicht wissen wie sie reagieren sollen.

Marcel Hilzinger - Donnerstag, 28. Oktober 2010 15:17 Uhr

Solang sie sich „kichernd und gruselnd“ darauf stürzen, sehe ich das als Elternteil nicht als Problem, im Gegenteil. Das gehört beim Internet und allen Medien dazu.

Es geht mir wirklich in erster Linie darum, dass sie keine schockierenden bzw. verstörenden Inhalte zu sehen zu bekommen und da ist Medienerziehung vielleicht wirklich der bessere Weg als ein Contentfilter.

phs - Freitag, 29. Oktober 2010 09:58 Uhr

also ich würde auf eine Kombination aus Aufklärung und Sperrung setzen. Ein Zugriff auf schockierende Seiten geschieht schneller als man denkt und Kinder können das auch nicht adäquat zuordnen, sprich rechtzeitig wegklicken. Kinder neigen eher dazu paralysiert zuzusehen.

Michael (Majestyx) Kappes - Dienstag, 26. Oktober 2010 11:32 Uhr

was ist der unterschied zwischen einer kinder- „sicherung“ und zensur?

meine haben eigene emailadressen, eigene Webseiten und facebook Profile u.s.w. Auch die kleene (8j) chattet bspw. auf habbo „alleine“ mit ihrem eigenen laptop. medienkompetenz, aufklärung und ständiger dialog sowie gemeinsames „surfen“ mit den kindern….

is mühselig, zensur ist einfacher…. ich weiß…

schönen tach noch….

Marcel Hilzinger - Dienstag, 26. Oktober 2010 13:50 Uhr

Gutes Argument. Vermutlich hast du Recht mit der Zensur und der nötigen Medienkompetenz. Erziehung greift auch, wenn der Papa mal nicht nebenan sitzt, technische Sperren lassen sich immer irgendwie umgehen… Ich neige deshalb auch eher zu mehr Verantwortung und weniger Kontrolle.

Andererseits finde ich es erschreckend, wie ich über 3 Klicks auf Youtube von einem Modelleisenbahn-Video zu einem Horror-Thriller komme…

Michael (Majestyx) Kappes - Mittwoch, 27. Oktober 2010 11:04 Uhr

Moin Marcel,
Werte Mitlesende,

Wau Holland sagte einmal: „Zensur findet nur am Endgerät statt“. Ja, das von dir erwähnte Youtube Beispiel habe ich auch schon so ähnlich mit unserer Tochter erlebt. Wir haben dann mal zusammen „3min rein geschaut“ in so nen Horrorfilm, und dann habe ich Ihr erklärt wie Filmblut und Special Effects gemacht werden. Wir waren mal mit Ihr in den „Filmstudios Babelsberg“, wo gezeigt wird wie Stunts und ähnliches gemacht werden. Mit den „Edupacks“ von Edubuntu konnte ich Sie relativ lange „Offline“ beschäftigen. Es gibt ja ne menge kreativer Spiele die so schön vom stupiden „youtube-gucken“ ablenken. Deswegen auch hier mal ein Dank für die Rubrik „Spiele fürs Wochenende“ 😉

IMHO nutzt es auch das Soziale Umfeld der Kinder zu involvieren. Meine Tochter (8) hat einen Facebook Account. Sie spielt häufig mit einem Nachbarsjungen (10) der auch nen FB Account hat. Also rede ich mit meinen Nachbarn. Die Mutter des Jungen hat auch nen FB Account und wir nehmen die Kinder dann auf in unseren Freundeskreisen. Ich biete den Eltern der „Schulfreunde & Co.“ meiner Tochter das gleiche an. Und wenn die Kinder dann gemeinsam unterwegs sind – ja, ich weiß das so ne Clique sich auch gegenseitig zu Unfug anstiftet, ich war ja selbst mal in einer 😉 – gehe ich davon aus das die da schon recht vernünftig damit umgehen.

Wichtig finde ich das man sich auch mal die Zeit nimmt und das gemeinsam mit seinen Kindern macht. Unser Familien_Klassiker_Netzwerk_Spiel ist Frozzen Bubbles. Alle in der Familie haben nen Jabber Account, da war gemeinsames Surfen nur ein weiterer logischer Schritt. Trotz des noch zarten Alters von 8j hat Sie einen „eigenen Rechner“ bei dem Sie auch für Sicherheitsupdates verantwortlich ist.

So als Anregung mal hier reingucken http://www.unerzogen.de/

Ahoi
Michael

Torsten - Dienstag, 26. Oktober 2010 19:21 Uhr

Hallo Marcel Hilzinger,

mit der Firefox-Erweiterung „Block XXX“ geht es am einfachsten, diese Erweiterung ist auch passwortgeschützt! Downloadlink hier> http://www.erweiterungen.de/detail/BlockXXX/

Über den Internet Explorer sollte das mit dem „Inhaltsratgeber“ gehen (falls es diesen für den IE noch gibt, da bin ich nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand).

Die anderen Lösungsmöglichkeiten meiner Vorredner sind natürlich auch möglich.

Mac User - Linux Fan - Dienstag, 26. Oktober 2010 23:45 Uhr

Ich sehe einen Webfilter nicht als Zensur an. Wer weiß, wie leicht man im Internet auf schlimmste Inhalte trifft, wird seine Kinder davor schützen wollen. Man kann auch nicht immer daneben sitzen, selbst wenn man sich um seine Kinder kümmert.

Als Mac-User bin ich einen guten Kinderschutz gewohnt. Bisher habe ich unter Linux nur eine Software gefunden, die ähnlich zuverlässig funktioniert: DansGuardian. Die Software sperrt sehr konservativ über den Inhalt, kombiniert mit White- und Blacklisten. Ab und zu muss man mal eine Seite für die Kinder freischalten, die zu viel gesperrt wurde.

Siehe z.B. http://www.liberiangeek.net/2010/03/how-to-filter-web-contents-with-danguardian-in-ubuntu/

Egal - Freitag, 29. Oktober 2010 07:24 Uhr

Die Lebensweisheit, daß man nicht versuchen soll, soziale Probleme mit technischen Mitteln zu lösen, gilt auch für Kinder. Dein Vorhaben wird über kurz oder lang scheitern, sowohl in technischer als auch in sozialer Hinsicht.

Wäre es nicht besser, wenn Du Deine Kinder zu mündigen, kompetenten Bürgern erziehst, anstatt weitere Untertanen zu produzieren?

Marcel Hilzinger - Freitag, 29. Oktober 2010 09:18 Uhr

Meine Kinder (und Kinder im Allgemeinen) sind _sehr_ kompetent aber mündig sind sie nun mal noch lange nicht, das ist der Knackpunkt (jetzt 6 und 8 Jahre alt).

Wären beide schon über 10, dann würde sich die Frage nicht stellen, denn ich bin mir sicher, dass sie mit 10 Jahren bereits jede technische Schranke leicht überwinden könnten, die man ihnen stellt, dafür sorge ich persönlich 🙂

leser - Samstag, 30. Oktober 2010 15:55 Uhr

Schreib die Whitelist selbst. Denn eine Whitelist dürfte kürzer und einfacher zu pflegen sein als eine Blacklist.

Gisbert Hadamitzky - Montag, 01. November 2010 21:37 Uhr

Für den Anfang habe ich meinem Sohn (9 J.) auch eine Whitelist erstellt. Zu einer Blacklist gehe ich später über. Ich lasse meinen Sohn viel ausprobieren; aber ich habe auch keine Hemmungen, Verbote auszusprechen, egal ob’s das Internet betrifft oder sonstige Bereiche. Und wenn das Verbot missachtet wird, gibt’s Sanktionen (W-Lan-Stick wird weggeschlossen o. ä.). Verbote gehören zu einem geregelten Miteinander und können in vielen Fällen Schwächere schützen. Und das Gerede von „Zensur“ und der möglichst früh zu erwerbenden Medienkompetenz dient m. E. vor allem der Absatzförderung der entsprechenden Industrien.

leser - Dienstag, 02. November 2010 13:06 Uhr

„Und das Gerede von ‚Zensur'“

Als Zensur sehe ich diese Whitelist auch nicht an. Kinder brauchen einfach einen sicheren Rahmen von dem aus sie ihre Erkundungstouren beginnen können.
Schmuddelseiten wie Bild.de oder youporn.com finden die Kids später von ganz allein. Und weil sich das nicht verhindern läßt, sollten sie eine gute Grundlage haben, denn nur wer eine gute Grundlage hat, kann mit Schmuddelkram kompetent umgehen.

Christian Berg - Mittwoch, 03. November 2010 17:40 Uhr

Die bequemste Methode die ich bis jetzt kennen gelernt habe ist OpenDNS (http://www.opendns.com/)

Der eigentliche Zweck des Dienstes ist es einen Schnelleren DNS Server als die meisten Provider anzubieten. Mit einem gratis Account auf der Seite kann man aber auch festlegen das bekannte Seiten zu diversen Themen schwer erreichbar sind.

Das ganze lässt sich natürlich recht einfach umgehen, wenn man einen anderen DNS Server abfragt. Wenn die Kinder aber so Intelligent genug sind um das „root“ passwort von Linux zu umgehen, oder eine Bootable CD zu erstellen und zu starten, dann sind Sie auch intelligent genug um selbst zu Entscheiden welche Web-Inhalte für sie gut sind.

Der sinnvollere Nutzen von OpenDNS: Phishing Seiten werden sehr schnell geblockt. Das ist bei Kindern nicht so tragisch, in Haushalten mit „PC Experten“ aber unbezahlbar.

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