Aus LinuxUser 05/2017

Schlankes MenuetOS-Derivat KolibriOS mit grafischem Desktop (Seite 2)

Nach dem Start über einen Ncurses-Bootbildschirm, der den Wechsel verschiedener Optionen erlaubt, öffnet das System innerhalb von wenigen Sekunden den grafischen Desktop. Selbst auf einer rund neun Jahre alten Maschine mit einem Penryn-Zweikernprozessor dauerte der Start im Test keine fünf Sekunden.

KolibriOS lässt sich mit dem ISO-Image aber auch in einer virtuellen Maschine ausprobieren. In der Virtualbox konfigurieren Sie die Abbilddatei als virtuelles optisches Laufwerk im Menü Massenspeicher. Als Hauptspeicher genügen die vorgegebenen 64 MByte. Auch in der VM startet das komplette System innerhalb von deutlich weniger als zehn Sekunden und steht mit allen Applikationen zum Betrieb aus dem Arbeitsspeicher bereit. Da KolibriOS die virtuellen Netzwerkkomponenten von Virtualbox unterstützt, haben Sie aus der virtuellen Maschine heraus auch direkten Zugriff auf das Internet (Abbildung 1).

Abbildung 1: KolibriOS kooperiert auch bestens bei geringen Anforderungen mit einer virtuellen Maschine von VirtualBox.
Abbildung 1: KolibriOS kooperiert auch bestens bei geringen Anforderungen mit einer virtuellen Maschine von VirtualBox.

USB-Stick

Bei Bedarf installieren Sie KolibriOS auf einem Flash-Stick, was die Startgeschwindigkeit des Betriebssystems nochmals deutlich erhöht. Das erfordert jedoch einige manuelle Schritte. Legen Sie zunächst mit einem Tool wie Gparted eine Partition auf dem Stick an, und formatieren Sie diese mit dem FAT16- oder FAT32-Dateisystem. Vergessen Sie dabei nicht, auch das Boot-Flag zu setzen, was Sie in Gparted über das Menü Partition | Markierungen bearbeiten vornehmen.

Danach vergewissern Sie sich, dass auf Ihrem Linux-System die Pakete syslinux und mtools vorliegen. Gegebenenfalls installieren Sie sie aus den Software-Repositories der verwendeten Distribution nach. Danach kopieren Sie mit Root-Rechten die Datei memdisk mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 ins Wurzelverzeichnis des USB-Sticks.

Anschließend laden Sie von der KolibriOS-Projektseite das Archiv latest-distr.7z herunter, in dem sich das universelle Abbild für das Betriebssystem befindet. Dieses Archiv entpacken Sie und kopieren anschließend die darin enthaltene Datei kolibri.img ins Root-Verzeichnis des USB-Speichersticks.

Listing 1

# cp /usr/lib/syslinux/memdisk /dev/KolibriOS-Partition
# syslinux -s /dev/KolibriOS-Partition

Danach hängen Sie den USB-Stick aus dem System aus und geben am Prompt den Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 1 ein. Er richtet das System inklusive des Bootloaders grundsätzlich ein. Damit Syslinux korrekt funktioniert, legen Sie im Hauptverzeichnis des Speichersticks noch eine Datei namens syslinux.cfg an, die Sie mit einem Texteditor um die Zeile default memdisk initrd=kolibri.img erweitern. Danach ist das System von diesem USB-Stick aus startbereit.

Im Betrieb

Die Oberfläche von KolibriOS weist am unteren Rand eine horizontale Panelleiste mit einem Menüknopf unten links auf. Am linken Rand befindet sich – erst auf den zweiten Blick erkennbar – eine ausklappbare Schalterleiste, die sich beim Berühren mit dem Mauszeiger öffnet.

Um den Desktop anzupassen, klicken Sie mit der rechten Maustaste in die Arbeitsoberfläche. Über die entsprechenden Einträge des Kontextmenüs legen Sie dann beispielsweise zusätzliche Starter auf dem Desktop an oder verändern das Aussehen der Arbeitsumgebung.

Das System kommt mit einem ganzen Reigen sehr schlanker Anwendungen für viele Einsatzbereiche. Sie finden dazu insgesamt rund 30 Icons auf der Arbeitsoberfläche. Links oben befinden sich die Starter für Büro- und Verwaltungssoftware. Die Dateimanager Eolite und KFAR ähneln dem Midnight Commander beziehungsweise PcmanFM, dem Standarddateimanager des LXDE-Desktops. Mit dem Textreader, dem Taschenrechner Calc und dem textbasierten Webbrowser Webview sowie dem Notizblock Tinypad und dem Zeichenprogramm Animage sind viele kleine Applikationen für den täglichen Einsatz vorhanden.

Oben in der rechten Bildschirmecke finden Sie weitere Applikationen hauptsächlich für Programmierarbeiten. Sie umfassen ein Terminal, eine Vergleichssoftware für Textdateien, einen Debugger, einen Archivierer, einen Assembler sowie einen Hex-Editor. Ein Debug- und Messageboard sowie ein Anzeigeprogramm für Softwaredokumentationen runden diese Gruppe ab.

Das grafische Tool Syspanel erinnert an die Konfigurationswerkzeuge großer Desktop-Umgebungen unter Linux und fasst die wichtigsten Werkzeuge zur Konfiguration des Betriebssystems zusammen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Syspanel fasst alle wichtigen Konfigurationswerkzeuge übersichtlich geordnet zusammen.
Abbildung 2: Das Syspanel fasst alle wichtigen Konfigurationswerkzeuge übersichtlich geordnet zusammen.

Unten in der rechten und linken Bildschirmecke gruppieren sich zahlreiche Spiele. Dabei handelt es sich durchgängig um kleinere Klassiker wie Sudoku, Gomoku, Tetris, Snake, Mine und Checkers, aber auch mehrere Puzzle- und Klötzchenspiele. Einige der Spiele liegen nur in russischer Lokalisierung vor und sind daher für Westeuropäer meist nur von beschränktem Nutzen.

Eine Sonderstellung nimmt die ausklappbare Panelleiste mittig am linken Bildschirmrand ein: Hier finden Sie weitere Applikationen wie etwa einen IRC-Client, einen Texteditor, je einem MP3- und Midi-Player sowie einen Lautstärkeregler. Ein grafisches Benchmark-Programm mit dem ungewöhnlichen Namen KGB sowie eine CPUID-Routine runden den Bestand ab.

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