Aus LinuxUser 03/2017

Arch-Desktop mit eigenem Konzept

© Computec Media GmbH

Blaustern

Arch Linux gilt als Expertensystem. Bluestar Linux will das mit vereinfachter Installation und KDE als Desktop ändern, behält das bewährte Rolling-Release-Konzept des Unterbaus aber bei.

Mit Bluestar Linux [1] reiht sich eine weitere Distribution in den Reigen der Arch-Linux-Derivate ein. Damit gesellt sich Bluestar zu Mitstreitern wie Antergos, Apricity, Archbang, Chakra und Manjaro, über die wir bereits an anderer Stelle berichteten [2]. Obwohl es Bluestar Linux schon zu Zeiten von KDE 4 gab, flog es bisher immer erfolgreich unter unserem Radar. Das soll sich nun ändern.

Arch Linux scheint auf den ersten Blick nicht das natürliche Habitat von KDE zu sein, jedoch erfährt diese Desktop-Umgebung auch dort sorgsame Pflege. Neue Veröffentlichungen stehen meist schon nach wenigen Stunden zur Verfügung. So konzentriert sich Bluestar, wie auch Chakra, rein auf KDE, während Antergos und Manjaro die Desktop-Umgebung mit dem K als Alternative unter anderen anbieten. Im weiteren Umfeld gibt es noch die vorzügliche Distribution KaOS, die zwar nicht auf Arch Linux basiert, sich aber dessen Paketmanagement zu eigen macht.

Wir wollen in diesem Artikel klären, wie nah sich Bluestar Linux an Arch als Vorlage hält. Während es sich bei Chakra nicht um ein reines Rolling Release handelt, rollt Bluestar Linux wie das Vorbild Arch Linux und bietet somit immer topaktuelle Software an. Wir haben das 2,7 GByte große aktuelle Abbild von Bluestar Linux [3] heruntergeladen und als Live-CD gestartet. Der Desktop kommt im winterlichen Kleid daher, wodurch sich die Icons vom Hintergrund kaum abheben. Mit einem anderen Wallpaper lässt sich dieser Mangel jedoch schnell beheben (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ein anderes Wallpaper sorgt für bessere Sichtbarkeit der Icons.
Abbildung 1: Ein anderes Wallpaper sorgt für bessere Sichtbarkeit der Icons.

Dreigeteiltes Menü

Abgesehen von dem farblich verfremdeten Icon des K-Menüs in der linken oberen Ecke des Bildschirms weist hier zunächst nichts auf KDE hin. Dort, wo unten üblicherweise die Bedienleiste von KDE liegt, bietet Bluestar ein Cairo-Dock mit einer Auswahl an Anwendungen zum direkten Start an. Auf dem Desktop befinden sich zudem noch sechs Icons für die im Home-Verzeichnis beheimateten Ordner.

Am oberen Rand findet sich das übliche KDE-Panel, allerdings in drei Teile aufgeteilt. Links hat das KDE-Applikationsmenü seinen Platz sowie zwei Ordner, die das Home-Verzeichnis respektive das Dateisystem im KDE-Dateimanager Dolphin öffnen. In einem dritten Ordner lassen sich Dateien, URLs oder Texte per Drag & Drop ablegen. Auf der rechten Seite finden sich der Pager mit zwei Desktops, eine Anzeige der Systemlast sowie das Icon zum Abmelden. Führen Sie den Mauszeiger mittig an den oberen Rand des Bildschirms, erscheint der dritte Teil des Panels und enthüllt den Systemabschnitt mit den Icons für Benachrichtigungen, Netzwerkinformationen, zuletzt angeschlossenen Geräten und den weiteren von KDE bekannten Anzeigen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Mauszeiger enthüllt den dritten Teil des Menüs am oberen Rand.
Abbildung 2: Der Mauszeiger enthüllt den dritten Teil des Menüs am oberen Rand.

Je nach Gerät erweist sich diese Anordnung jedoch als wenig brauchbar. Auf einem 13-Zoll-Notebook mit einer Auflösung von 1388 x 768 überlagerten sich die einzelnen Teile, sodass die Panels kaum benutzbar waren. Wer sich hier nicht ohne Menü zu bewegen weiß, kommt nicht weiter.

KDE komplett an Bord

Ein Blick in das Anwendungsmenü hinter dem K erklärt die Größe des 2,7 GByte großen Abbilds: Bluestar Linux kommt mit einer Unmenge an Software. Der Umfang entspricht dem, was man erhält, wenn man in einer Konsole den Befehl zur Installation von KDE-Full eingibt. Darüber hinaus zählen unter anderem LibreOffice, Gimp, Skype, Cloud Storage Manager, Dropbox, Filezilla, Chromium, Firefox, Megasync, Smplayer, Smtube und VLC zur Ausstattung.

Jede Sparte des Menüs bringt somit mehrere Anwendungen zur Auswahl mit. Auch alle benötigten Codecs zum Abspielen diverser Medienformate liegen bereits auf der Platte. Damit konterkariert Bluestar eines der Grundprinzipien von Arch Linux: Eigentlich richtet sich Arch an Anwender, die ihr System gezielt und schlank aufbauen möchten. Bei Bluestar erhalten Sie jedoch schon ab Werk einen bunten Blumenstrauß an Apps.

Zwei Installer zur Wahl

Bluestar Linux bringt einen Textinstaller mit; eine zweite, grafische Einrichtungsroutine basiert auf dem mittlerweile von vielen Distributionen eingesetzten Calamares-Framework. Beide Installer lassen sich leicht bedienen und führen zum gewünschten Ziel. Allerdings verlangt der Installer eine Partition mit mindestens 20 GByte freiem Speicherplatz, wovon nach der Installation rund 10 GByte frei bleiben.

Der erste Blick nach der Installation gilt den verwendeten Repositories. Hier folgt Bluestar direkt Arch Linux und agiert somit als reines Rolling Release. Das System lässt sich in Arch-Manier über die Konsole mit pacman -Syu aktualisieren (Abbildung 3). Es bietet zusätzlich mit PacmanXG auch ein grafisches Paketmanagement an, das die Macht von Pacman mit allen Optionen bis hin zum Aktivieren und Anwenden des AUR-Archivs bietet (Abbildung 4). Nach einer ersten Aktualisierung zeigt sich das System mit Plasma 5.8.5, KDE Frameworks 5.29.0 und KDE Applications 16.12.1 auf einem aktuellen Stand.

Abbildung 3: Die Repositories von Arch Linux sind direkt eingebunden. Dadurch bleibt die Distribution immer aktuell.
Abbildung 3: Die Repositories von Arch Linux sind direkt eingebunden. Dadurch bleibt die Distribution immer aktuell.
Abbildung 4: PacmanXG erfüllt alle Update-Wünsche grafisch.
Abbildung 4: PacmanXG erfüllt alle Update-Wünsche grafisch.

So weit, so gut. Allerdings verbesserte sich durch das Aktualisieren die Situation der ineinander verschachtelten Menüs bei kleinen Auflösungen nicht, sodass hier für viele Einsteiger (an die sich Bluestar offensichtlich richtet) auf kleinen Notebooks das Ende der Fahnenstange erreicht sein dürfte. Ein erfahrener Anwender mag seine Anwendungen per Konsole oder mit der Tastatur über die Kombination [Alt]+[F2] starten. Aber auch hier fragt sich der Anwender, wozu er Bluestar braucht, wenn er nicht einmal dessen Menüstruktur verwenden kann.

Wenig Licht, viel Schatten

Mit größeren Auflösungen traten die beschriebenen Fehler mit der Überlagerung der Menüs nicht auf. Das System ließ sich gut bedienen, wenn auch auf dem Testgerät etwas behäbig. Unabhängig von der Auflösung fiel negativ auf, dass nach einer Installation mit deutscher Lokalisierung in der Konsole eine englische Tastaturbelegung vorlag. Die ließ sich allerdings über ein Icon im rechten Teil der oberen Leiste schnell korrigieren.

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