Aus LinuxUser 01/2017

Fedora 25 Workstation im Überblick

© Computec Media GmbH

Blutende Kante?

Ob Desktop, Server oder Cloud, ob x86 oder ARM – Fedora 25 und seine Spins bieten ein wahres Füllhorn an moderner und topaktueller Software. Dank der Fedora-Next-Initiative wandelt sich die Distribution nun von „Bleeding Edge“ zu „Leading Edge“.

Bereits seit zwei Jahren liefert das Fedora-Projekt seine Distribution Fedora nicht mehr monolithisch aus, sondern in den Varianten Workstation, Server und Cloud. Die Aufteilung im Rahmen der Fedora-Next-Initiative hat die Distribution für die Zukunft neu aufgestellt und fokussiert die Varianten auf bestimmte Anwendungsszenarien. So sieht das Projekt die Workstation-Variante für Desktop-Anwender und Entwickler vor, standardmäßig kommt sie mit Gnome als Desktop. Daneben existieren sogenannte Spins [1] mit alternativen Desktops wie KDE, Cinnamon, Maté, LXDE und XFCE.

Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit Fedora Workstation [2], das auf Gnome 3.22.1 und Kernel 4.8 setzt (Abbildung 1). Gnome ist die bei der Integration von Wayland am weitesten fortgeschritten und die einzige Umgebung, die Fedora derzeit mit Wayland als Standard veröffentlicht.

Abbildung 1: In der aktuellen Release setzt Fedora Workstation auf Gnome 3.22.1, Version 3.22.2 soll zeitnah folgen.
Abbildung 1: In der aktuellen Release setzt Fedora Workstation auf Gnome 3.22.1, Version 3.22.2 soll zeitnah folgen.

Endlich am Ziel

Fedora 25 erschien am 22. November mit insgesamt zwei Wochen Verspätung. Der Grund: Es setzt ein Vorhaben um, das die Entwickler bereits seit Fedora 22 vorantreiben: Sie erheben den neuen Display-Server Wayland [3] zum Standard für die Anzeige des Desktops und tauschen die Rollen mit dem in die Jahre gekommenen X-Server von X.org. Somit platziert Fedora die erste Mainstream-Distribution, die dieses Vorhaben umsetzt.

Das gilt vorerst allerdings nur in Verbindung mit freien Grafiktreibern ohne Einschränkungen. Mit dem kurz nach Fedora 25 erschienenen Fenstermanager Mutter 3.23.2 besteht Hoffnung, dass zumindest der proprietäre Treiber von Nvidia mit Wayland bald ohne Probleme läuft.

Über den Display-Manager GDM entscheiden Sie beim Anmelden, ob Sie bei Bedarf eine X11-Sitzung starten. Anwendungen, die noch X11 benötigen, übernimmt XWayland nahtlos. Wayland selbst lässt sich aber auch generell abschalten, indem Sie in der Datei /etc/gdm/custom.conf den Parameter WaylandEnable=false setzen.

Gleichstand

Die Entwickler von Wayland, Fedora und Gnome sorgten in den letzten Monaten für eine annähernde Funktionsparität zwischen X11 und Wayland: Alle wichtigen Funktionen eines herkömmlichen X-Servers sollte jetzt auch der neue Display-Server unterstützen.

So arbeitete das Team bis zuletzt an der Unterstützung für Wacom-Grafiktablets, der Darstellung der Gnome-Bildschirmtastatur und der korrekten Handhabung von Multimonitorumgebungen. In der relativ kurzen Testzeit von wenigen Tagen zeigten sich beim neuen Anzeige-Server im normalen Alltag keine funktionellen Unterschiede zu X11, was durchaus positiv gemeint ist.

Es treten sicherlich noch einige Ecken und Kanten zutage – wichtig ist jedoch, dass die Ablösung begonnen hat und Wayland technisch auf einer breiteren Testbasis arbeiten kann. Eine Liste auf Fedoraproject.org zeigt neben den bei Wayland bereits komplettierten Funktionen auch solche, die noch auf ihre vollständige Implementierung warten [4]. Aber auch X11 wird uns noch lange begleiten und befindet sich noch in der Weiterentwicklung, wie die Aktualisierung auf X.Org Server 1.19.0 vor wenigen Tagen attestierte.

Neuer Store

Auch abseits dieses Highlights bietet die Workstation-Ausgabe von Fedora 25 einiges: So brachten die Entwickler mit Gnome 3.22 eine der beiden großen Desktop-Umgebungen weiter voran. Der App-Store Gnome Software versteht sich jetzt besser mit dem alternativen, distributionsneutralen Paketformat Flatpak. Zudem erfuhr die Oberfläche der Anwendung eine Überarbeitung und die Kategorisierung wurde übersichtlicher gestaltet. Freie Software hebt der Store jetzt in Grün hervor.

Darüber hinaus beherrscht Gnome Software nun ein grafisches Versionsupgrade, das die nötige Software zum Wechsel auf die nächste Fedora-Version herunterlädt und bei einem Reboot vor dem eigentlichen Start des Systems installiert. Dieses bereits für Fedora 24 vorgesehene Merkmal stand bisher lediglich über die Kommandozeile zur Verfügung.

Gnomes Dateimanager Dateien auf der Basis von Nautilus benennt jetzt intern auch mehrere Dateien auf einmal um. Die Auswahl der Tastaturbelegung haben die Entwickler komplett überarbeitet.

Musikalisch

Erstmals spielt Fedora nun auch ohne die manuelle Installation der Codecs MP3-Dateien ab: Sobald Gnome Software erkennt, dass Sie einen MP3-Titel abspielen möchten, richtet es ein entsprechendes Plugin ein. Zum Einsatz kommt dabei die Mpg123-Bibliothek mitsamt einer korrespondierenden Gstreamer-Erweiterung. Bisher fürchtete Red Hat Klagen von Patentinhabern, deren Patente aber mittlerweile ausgelaufen sind.

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