Aus LinuxUser 01/2017

Feine Anwendungen zu Open Data in der Praxis

© Jasmin Merdan, 123RF

Augenöffner

Open Data gilt als Nischenthema. Mittlerweile zählt es dennoch vielerorts zum Alltag, wie die vielfältigen Anwendungen zeigen.

Gesellschaftliche Entscheidungen basieren auf Daten, die zunächst erfasst, dann aggregiert und vielfach ausgewertet werden. Nur ein öffentlicher und uneingeschränkte Zugriff auf die Basisdaten garantiert, dass die Resultate für alle Beteiligten nachvollziehbar bleiben. Neuhochdeutsch umschreibt das der Begriff Open Data: strukturiert und maschinenlesbar vorliegende Datensätze, die allen Interessenten kostenfrei zur Verfügung stehen.

Es gibt drei wesentliche Datenquellen: Einerseits erhebt die Verwaltungseinheit (sprich die Gemeinde, die Region, der Kanton, das Bundesland / die Provinz oder das Land) Daten für die eigene Haushalts- und Strukturplanung. Andererseits tragen private Unternehmen Daten zusammen, die die Verwaltungseinheit bei Interesse von diesen erwirbt und für eigene Zwecke nutzt. Schließlich sammeln auch private Interessenten Daten.

In der Gesamtheit umfasst das zumeist geografische und statistische Daten, wie etwa die Bebauungsdichte, Gemeinde- und Ortsgrenzen, durchschnittliches Einkommen, Bewohner pro Stadtbezirk und Wohnung (Bevölkerungsdichte), Altersverteilung, Lebenshaltungskosten, Verkehrsdichte und Unfallhäufigkeit, aber auch das Müllaufkommen, die Reinigung von Straßen und die bestehenden Grünflächen.

Passionierte Nutzer von OpenStreetMap erfreuen sich an spezifischen Kartendetails wie zum Beispiel Briefkästen, Brunnen und Bushaltestellen. Auf der Suche nach dem nächsten WLAN helfen Ihnen die Projekte OpenWifi [1] und Wigle [2], bei denen Sie als Nutzer eine Karte der verfügbaren, permanenten WLAN-Hotspots vervollständigen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Karte der bislang erfassten öffentlichen WLAN-Netze in Hout Bay, Südafrika.
Abbildung 1: Karte der bislang erfassten öffentlichen WLAN-Netze in Hout Bay, Südafrika.

Ein überaus erfolgreiches Beispiel aus dem Alltag liefert das Projekt FixMyStreet [3]. Darüber teilen Bürger ihrer Gemeinde notwendige Reparaturen an der lokalen Infrastruktur mit. Diese leitet daraus den tatsächlichen, unmittelbaren Bedarf ab und kann die Problemstelle zeitnah beheben [4]. Abbildung 2 zeigt das anhand eines mit Laub verdreckten Abflusses für Abwasser.

Abbildung 2: Ein via FixMyStreet gemeldetes Problem – ein mit Laub verstopfter Gulli im britischen Brighton.
Abbildung 2: Ein via FixMyStreet gemeldetes Problem – ein mit Laub verstopfter Gulli im britischen Brighton.

Wie funktioniert das?

Zunächst werden die Daten gesammelt; das Erfassen erfolgt beispielsweise über Messpunkte oder mit dem Smartphone. Auch Daten aus einem bereits bestehenden Datenbestand lassen sich übernehmen. Danach erfolgt das Aufbereiten und Filtern nach spezifischen Kriterien. Letzteres führt häufig der Bereitsteller der Daten durch.

Zum Schluss stehen die aggregierten Datensätze über ein (meist webbasiertes) Portal bereit, das die Verwaltungseinheit betreibt. Daraus beziehen Sie die Datensätze in verschiedenen Formaten, oft als CSV, KML, XLS, Shape oder JSON.

Häufig ermöglicht das Portal das Generieren von Reports samt Grafiken, die sich als Bilddatei oder druckfertiges PDF herunterladen lassen. Jeder Interessierte bekommt kostenlosen Zugriff darauf – also auch Sie als Bürger, Verein oder Unternehmen. Die Verwendung steht Ihnen frei, wobei (je nach Portal) für den kommerziellen Gebrauch Ausnahmen bestehen.

Wem nützt das?

Das Bewusstsein für Open Data nimmt immer weiter zu, insbesondere das Interesse an den verfügbaren Daten und den Möglichkeiten der sinnvollen Auswertung. Dieses Interesse besteht sowohl seitens der Verwaltungseinheiten als auch von Individualpersonen und Unternehmen.

In der Frage nach dem tatsächlichen Nutzen und der Notwendigkeit gehen die Meinungen sehr stark auseinander, da hier gewisse Befindlichkeiten eine Rolle spielen. Das Open-Data-Modell nützt uns allen, da es die gesammelten Informationen erst einmal überhaupt sichtbar und somit verfügbar macht.

So bietet sich Ihnen die Chance, sich zu informieren, was an Daten über/mit/gegen Sie erfasst wurde beziehungsweise wird oder was noch fehlt. Das macht die darauf basierenden Entscheidungen insgesamt transparenter. In diesem Kontext heißt Transparenz nicht nur konsumieren – also die bestehenden Daten nutzen –, sondern auch zum gesamtgesellschaftlichen Vorteil erweitern, korrigieren und verbessern.

Verfügbare Daten gelten als Open Data, sofern Sie diese unter Creative Commons ohne explizite Rechtenennung (CC0 oder CCzero) oder als Gemeingut („Public Domain“) bereitstehen. Oft fehlt die Angabe der korrekten Lizenz, und es bleibt unklar, was man mit den Daten tun darf. In diesem Fall müssen Sie die Nutzungsbedingungen vorab mit dem Bereitsteller abklären, besonders dann, wenn Sie die Daten kommerziell nutzen möchten. Hier bestehen Interessenkonflikte zwischen den Bereitstellern, Verwertern und Nutzern.

Einerseits werden mitunter Sachverhalte publik, die vorher nur wenigen bekannt waren, andererseits gilt es Persönlichkeits- und Individualrechte zu wahren. Darüber hinaus limitiert die Freiheit den Profit, der sich bei Verwendung der Daten in kommerziellen Anwendungen und Diensten erzielen ließe: Was frei verfügbar ist, lässt sich nicht mehr einfach so verkaufen.

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