Aus LinuxUser 11/2016

Debian mit Langzeitsupport

© sondem, 123RF

Gut unterstützt

Debian verlängert mit seinem eigenen LTS-Projekt den Supportzeitraum der beliebten Distribution um volle zwei Jahre. Wie bei Ubuntu LTS gibt es damit auch bei Debian 5 Jahre lang Updates.

Damit Linux als Betriebssystem für den Unternehmenseinsatz infrage kommt, muss gewährleistet sein, dass die installierte Version über einen möglichst langen Zeitraum Unterstützung erfährt. Je größer und diversifizierter das Unternehmen, desto mehr Anpassungen an der verwendeten Distribution fallen gemeinhin an. So kann alleine das komplette Ausrollen einer Distribution im Unternehmen viele Monate dauern, mitunter sogar Jahre.

Je länger der Distributor oder eine darauf spezialisierte Consultingfirma die Software unterstützen, umso weniger Kosten entstehen. Darauf beruht das Geschäftsmodell von Distributoren wie Red Hat, Suse, Canonical oder Consultingfirmen wie Credativ oder Intevation.

Debian hatte in dieser Hinsicht lange ein Problem, da hinter der Distribution kein Unternehmen steht, das Wartungsverträge und somit Langzeitsupport im Programm führt. Obwohl Debian aufgrund seiner Stabilität gerne in Unternehmen zum Einsatz kommt, fehlte daher ein erweiterter Unterstützungszeitraum, wie ihn die meisten Unternehmen erwarten.

Bis 2014 wurde jede Ausgabe von Debian ein Jahr über ihr „Lebensende“ – eingeläutet durch eine neue Veröffentlichung – unterstützt. Unterstützung bedeutet hier hauptsächlich das Einpflegen und Bereithalten von Sicherheitsupdates und Fehlerbereinigungen. Da Debian etwa alle zwei Jahre eine neue Version veröffentlicht, bedeutete das, dass die jeweils aktuelle Version drei Jahre gepflegt wird.

Dieser Zeitraum ist für viele Unternehmen zu kurz. Bevor Ubuntu mit seinem LTS-Konzept auf den Plan trat, war die Fluktuation allerdings gering. Mit Ubuntu änderte sich das jedoch: Es gab nun eine Alternative mit einem deutlich längeren Supportzeitraum und einem festen Release-Zyklus, ohne das Paketformat und damit den Kern der Distribution wechseln zu müssen. Ein Beispiel: 2014 migrierte Spotify 5?000 Server von Debian zu Ubuntu LTS [1].

Support bis zu 13 Jahre

Die üblichen Supportzeiträume der großen Anbieter liegen bei fünf bis sieben Jahren. Suse und Red Hat offerieren individuelle Supportangebote, die diesen auf bis zu 13 Jahre verlängern. Canonical bietet mit seinen LTS-Versionen generell kostenfrei fünf Jahre Unterstützung.

Um weiterer Abwanderung entgegenzuwirken, beschloss das Debian-Sicherheitsteam im Februar 2014 [2] den Versuch, Debian-LTS (Long Time Support) für das damals noch aktuelle Debian 6 „Squeeze“ zu realisieren. Damit wollte man möglichst auch für alle folgenden Veröffentlichungen den Unterstützungszeitraum von drei auf fünf Jahre verlängern (Abbildung 1). Das Hauptproblem dabei: Die rund 1000 offiziellen Debian-Entwickler waren schon mit den bisherigen Aufgaben voll ausgelastet.

Abbildung 1: Reguläre und LTS-Supportzeiträume.
Abbildung 1: Reguläre und LTS-Supportzeiträume.

Debian zieht mit Ubuntu gleich

Daraus ergab sich die Idee, Unternehmen (und andere Nutzer, die sich für die Langzeitunterstützung von Debian interessieren) einzelne Entwickler direkt auf Stundenbasis für die LTS-Arbeit entlohnen zu lassen. Der verlängerte Support galt anfangs nur für die x86-Systeme mit 32- und 64-Bit; mittlerweile umfasst er für „Wheezy“ auch die Architekturen armel und armhf (siehe Tabelle „Supportzeitraum Debian LTS“).

Supportzeitraum Debian LTS

Version Unterstützte Architekturen Zeitraum
Debian 6 „Squeeze“ i386, amd64 bis 29. Februar 2016
Debian 7 „Wheezy“ i386, amd64, armel, armhf bis 31. Mai 2018
Debian 8 „Jessie“ i386, amd64, armel, armhf (eventuell mehr) Mai 2018 bis April/Mai 2020
Debian 9 „Stretch“ i386, amd64, armel, armhf (eventuell mehr) 2020 bis 2022

Allerdings schließt der Support nicht die gesamte Software ein: Rund 40 Pakete aus den Bereichen Webanwendung und Virtualisierung sind ausgeschlossen, da sich deren Unterstützung nicht für den gesamten Zeitraum gewährleisten lässt. Darunter fallen Webbrowser und Anwendungen wie KVM oder Xen. Das Paket debian-security-support überwacht automatisch bei jeder Paketinstallation deren Status und informiert den Anwender darüber.

Nach dem Abschluss der Vorarbeiten wurde das damals aktuelle Debian 6 „Squeeze“ zu Debians erster LTS-Version. Auch der Nachfolger Debian 7 besitzt einen entsprechend langen Supportzeitraum: „Wheezy“ erschien im Frühjahr 2013, der Support endet erst nach dem 31. Mai 2018. Derzeit plant Debian auch für das derzeit noch aktuelle Debian 8 „Jessie“ Unterstützung im Rahmen von Debian LTS anzubieten. Ähnliches gilt für das vermutlich im Frühjahr 2017 erscheinende Debian 9 „Stretch“.

Alles in einer Hand

Die Infrastruktur zur Abwicklung der Aufgaben stellt die Consultingfirma Freexian [3] des französischen Debian-Entwicklers Raphaël Hertzog. Er veröffentlicht monatlich einen Report über den aktuellen Stand sowie die von einzelnen Entwicklern übernommenen Aufgaben und geleisteten Stunden. Das bedeutet auch, dass jeder Entwickler, der für Arbeiten an Debian LTS Geld erhält, monatlich einen Report seiner Arbeit abliefern muss.

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