Aus LinuxUser 11/2016

DAW Ardour: die fünfte Generation (Seite 2)

Der VCA-Kanal fungiert lediglich als gemeinsamer Lautstärkeregler. Daneben weist er eine zusätzliche Funktion auf, die seine Vorbilder in edlen Hardware-Mixerkonsolen nicht zu bieten haben: Bei einem Klick auf den VCA zeigt der Mixer nur noch die damit verbundenen Spuren an. Legen Sie also für die Spuren der einzelnen Musiker einer Bandaufnahme individuelle VCA-Kanäle an, steht Ihnen eine elegante Methode zur Verfügung, um diese Spuren im Mixer schnell in den Vordergrund zu holen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die neue Mixeransicht mit zwei VCA-Kanälen – beim einen sind gerade nur die angeschlossenen Spuren ausgewählt. Links oben sehen Sie die jetzt auch im Mixer verfügbare Laufwerkssteuerung.
Abbildung 4: Die neue Mixeransicht mit zwei VCA-Kanälen – beim einen sind gerade nur die angeschlossenen Spuren ausgewählt. Links oben sehen Sie die jetzt auch im Mixer verfügbare Laufwerkssteuerung.

Im Werkzeug Einstellungen finden sich zahlreiche neue Werkzeuge. Als besonders auffälliger Neuling sticht die Verwaltung der Farbpaletten ins Auge, die mit einer Reihe gut durchdachter Voreinstellungen glänzt. So finden sich einige sehr hübsche Farbzusammenstellungen in hellen Pastellfarben.

Schneiden und Zusammenbauen

Als sichtbarste Neuerung im Editor sticht die Tempo-Ramp ins Auge. Bisher konnte man in Ardour während eines Stücks das Tempo nur schrittweise in BPM ändern. Die neue Funktion erlaubt ein gleitendes, natürlicher wirkendes Bremsen und Beschleunigen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ein Tempo-Ramp von 120 auf 108,3 BPM. An Takte und Beats gebundene Regionen folgen der Geschwindigkeitsänderung automatisch.
Abbildung 5: Ein Tempo-Ramp von 120 auf 108,3 BPM. An Takte und Beats gebundene Regionen folgen der Geschwindigkeitsänderung automatisch.

Wer solche typischen Sequencer-Funktionen auch mit aufgenommenem Audiomaterial nutzen möchte, wünscht sich meist für jede gespielte Note eine eigene Region auf der Zeitleiste. Allerdings wäre es extrem umständlich, sämtliche Aufnahmen dazu per Hand zu zerstückeln. Deswegen bietet Ardour für diesen Arbeitsgang ein automatisches Schneidewerkzeug mit dem seltsamen Namen Rhythmus-Wiesel.

Im Kontextmenü der Region versteckt sich das nützliche Tierchen unter Name_der_Region | Bearbeiten | Rhythm Ferret. Ardour 5 spendiert dem Zerschneider einige neue Einstellungsmöglichkeiten, die die Präzision besonders bei weniger perkussivem Material spürbar verbessern.

Besonders bei der Arbeit im Editor erlauben Tastaturkürzel eine schnellere, bequemere Bedienung. Aufteilen, Normalisieren, Duplizieren und auch das notenweise Verschieben von Midi-Noten und Audioregionen klappen per Tastatur einfach besser als mit der Maus. Ardour liefert dazu voreingestellte Kürzel mit. Die lassen sich über einen neuen Editor an die eigenen Wünsche anpassen.

Eine Suche nach spezifischen Funktionen gelingt darin allerdings nicht. Besonders ärgerlich: Der Versuch, eine bereits vergebene Tastenkombination für eine andere Funktion zu registrieren, endet mit der lapidaren Aufforderung, erst die vorhandene Kombination zu löschen. Diese müsste man dazu aber erst einmal finden, und der Hinweis verrät noch nicht einmal ihren Namen.

Lua-Skripte in Ardour 5

Alle Funktionen der Ardour-Oberfläche lassen sich jetzt mithilfe der Skriptsprache Lua [3] steuern. Sie können damit nicht nur oft benutzte Abläufe in Makros automatisieren (Abbildung 6), sondern sogar eigene Bedienelemente aus vorhandenen Funktionen konstruieren.

Abbildung 6: Einige mitgelieferte Lua-Makros lassen sich in das Menü <code>Bearbeiten</code> | <code>Geskriptete Aktionen</code> einfügen.
Abbildung 6: Einige mitgelieferte Lua-Makros lassen sich in das Menü Bearbeiten | Geskriptete Aktionen einfügen.

Darüber hinaus vermag Lua auch tieferliegende Funktionen des Kerns von Ardour an die Oberfläche zu holen. Die Libardour enthält diverse Manipulationsfunktionen für Audiodaten, die zum Beispiel den Mixer erst möglich machen. Auf deren Basis lassen sich in Lua-Skripten auch Ardour-spezifische Audio-Plugins programmieren. Damit hat Ardour 5 das erste Mal interne Audioprozessoren an Bord, die sich völlig nahtlos in die Anwendung integrieren und ebenso makellos in Echtzeit arbeiten wie die bekannten Mixer-Elemente.

Für die nahe Zukunft planen die Entwickler einen Schalter im Kontextmenü des Mixerkanals, mit dem sich eigene Lua-Prozessoren wie gewöhnliche Plugins einfügen lassen. Über das selbst echtzeitfähig konstruierte Lua lassen sich dann gezielt gerade benötigte DSP-Prozessoren direkt in den Mixerkanal programmieren.

Die schon vorhandenen internen Lua-Plugins finden Sie in der normalen Plugin-Übersicht. Das Suchfilter finden Sie dort leicht anhand des gemeinsamen Präfixes a-*. Weitere Lua-Skripte liefert Ardour im Menü Projekt | Scripting. Dort erscheinen auch korrekt formatierte Lua-Skripte, die Sie selbst geschrieben haben – die entsprechenden Dateien legen Sie dazu unter $HOME/.config/ardour5/scripts/ ab.

Zu Testzwecken können Sie Ardour auch als Lua-Konsole starten. Dazu installieren selbst kompilierte Builds von Ardour den Befehl ardour_lua in /local/bin/.

Im Handbuch von Ardour entsteht gerade ein ausführlicher Abschnitt zum Lua-Scripting. Diese Anleitung enthält jetzt schon die Basisinformationen, mit denen halbwegs mit Skriptprogrammierung und Audio vertraute Entwickler loslegen können.

Mehr und bessere Plugins

Für das Erzeugen und Bearbeiten von Klängen mit Effekten zeichnen in moderner Musiksoftware Plugins verantwortlich. Ardour 5 unterstützt wie seine Vorgänger LV2 und das altehrwürdige LADSPA unter Linux, AudioUnits unter MacOS und VST-Module unter Windows und Linux in den jeweiligen nativen Formaten. Als Windows-DLL kompilierte VST-Module vermag Ardour 5 prinzipiell auch unter Linux zu nutzen – allerdings empfiehlt das Projekt, lieber das native LX-VST als native .so-Dateien zu verwenden.

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