Aus LinuxUser 09/2016

Interoperabilität verschiedener Dateiformate (Seite 2)

Bereits seit mehreren Releases konzentrieren sich die Entwickler auf die Fehlerbereinigung und implementieren keine neuen Funktionen mehr, sodass die Suite inzwischen außerordentlich stabil und zuverlässig arbeitet. Die aktuell erhältliche Alpha-Version 21 fokussiert primär auf vervollständigte Lokalisierungen.

Dateiformate

Die chinesische Office-Suite reklamiert vollständige Kompatibilität zu MS-Office-Dokumenten für sich. Obwohl die Software ein eigenes Datei- und Vorlagenformat nutzt, bringt sie Konvertierungsfilter für den Im- und Export von MS-Office-Dokumenten mit. Als einziges großes Office-Paket bietet es dabei auch Filter für Vorlagen mit integrierten Makros, die MS-Office mit den Erweiterungen .dotm oder .docm speichert.

Im Test mit komplexen Vorlagen erzielte WPS-Office zwar keine vollständige Kompatibilität zu den MS-Office-Formaten, wies aber das mit Abstand beste Ergebnis auf, vor allem bei der Übernahme von OOXML-Dokumenten. Grafiken, Tabellen und Platzhalter erschienen an den vorgesehenen Orten, lediglich die Fonts mussten wir teilweise austauschen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nahezu perfekt: Beim Import neuerer Microsoft-Dokumente liefert WPS-Office ein erstklassiges Ergebnis ab.
Abbildung 2: Nahezu perfekt: Beim Import neuerer Microsoft-Dokumente liefert WPS-Office ein erstklassiges Ergebnis ab.

Jenseits der Microsoft-Welt bietet WPS-Office allerdings kaum Optionen zum Datenaustausch: Lediglich für Webseiten und einfachste Textdateien ohne Formatierungen gibt es entsprechende Filter. Das Open-Document-Format kennt die Suite dagegen nicht. Dafür kooperiert die Tabellenkalkulation von WPS-Office auch mit dem exotischen und faktisch nicht mehr genutzten Dbase-Datenbankformat. Ähnliches gilt für das betagte und in modernen IT-Infrastrukturen irrelevante DIF-Format.

Softmaker Office und FreeOffice

Das proprietäre Büropaket Softmaker Office der gleichnamigen Nürnberger Softwareschmiede [7] gibt es in einer Standard- und einer Professional-Variante. Daneben offeriert das Unternehmen die Software auch in der um alle Extras abgespeckten, kostenlosen FreeOffice-Spielart [8]. Die lässt sich privat wie beruflich ohne Einschränkungen nutzen.

Die Suite enthält Applikationen für die wichtigsten Anwendungsbereiche im Büro: die Textverarbeitung Textmaker, die Tabellenkalkulation Planmaker und das Präsentationsprogramm Presentations. Die in früheren Jahren ebenfalls angebotene Datenbank Datamaker ist nicht mehr an Bord. Eine Linux-Variante des Office-Pakets gibt es bereits seit 2003, sie hat seither mehrere Produktzyklen durchlaufen.

Das Erscheinungsbild des Pakets passen Sie individuell an, es bietet jedoch standardmäßig alle nötigen Funktionen für den täglichen Einsatz (Abbildung 3). Die Nürnberger Office-Suite nutzt als Standarddateiformat eine hauseigene Variante, importiert und exportiert jedoch auch die gängigen Formate aus der Microsoft-Welt. Einfache Textdateien erzeugt das Büropaket ebenso wie Dokumente im Open-Document-Format, sodass sich auch mit LibreOffice und OpenOffice Daten austauschen lassen. Zudem exportiert Softmaker Office Dokumente ins PDF- und EPUB-Format.

Im Test mit komplexen Dokumenten in älteren MS-Office-Formaten zeigte Softmaker Office sehr gute Ergebnisse. Weder bei anspruchsvollen Layout-Einstellungen noch bei umfangreichen Tabellen fiel im Test manuelle Nacharbeit an. Im System nicht vorhandene Fonts ersetzte Softmaker Office durch stimmigere Alternativen als die beiden freien Office-Suiten. Beim Einlesen von Dokumenten in Microsofts OOXML-Format stolperte jedoch auch die Softmaker-Suite. Grafiken, Tabellen und spezielle Absatzformatierungen importierte sie zwar weitgehend korrekt, übernahm Platzhalter jedoch nicht vollständig. Vordefinierte Symbole stellten die Konvertierungsfilter ebenfalls vor Probleme. Insgesamt hielt sich der manuelle Nachbearbeitungsaufwand allerdings in Grenzen, sodass Softmaker sich hier Libre- und OpenOffice klar überlegen zeigt.

Sofern industrielle oder kommerzielle Anwendungen Schnittstellen zu Microsoft-Office-Formaten und zu OpenOffice und LibreOffice bieten, lassen sich diese auch mit Softmaker Office verwenden. Bei von Drittanbietern bereitgestellten Vorlagen, die jedoch Makros oder Skripte mitbringen, muss Softmaker Office in der Regel passen, selbst wenn sie in einem unterstützten Dateiformat vorliegen. Grund sind bestehende Inkompatibilitäten zwischen den einzelnen Basic-Dialekten. De facto unterstützt Softmaker Office Branchenlösungen daher nur eingeschränkt.

Abbildung 3: Beim Import komplexer DOCX-Dokumente in Softmaker Office fällt noch etwas manuelle Nacharbeit an.
Abbildung 3: Beim Import komplexer DOCX-Dokumente in Softmaker Office fällt noch etwas manuelle Nacharbeit an.

Jenseits von Office

Einen anderen Ansatz zur Interoperabilität verfolgt der FF Multi Converter: Er greift auf Filterroutinen bereits installierter Programme zurück. Fehlen diese, lädt die Software einige davon nach. Unter Umständen führt das aber auch zum Abbruch des Konvertierungsvorgangs, den Sie nach dem Installieren des fehlenden Encoders erneut starten müssen. Die Software beschränkt sich nicht auf Office-Dokumente, sondern bietet auch das Umwandeln von Audio-,- Video- und Bilddateien an. Sie finden das Tool in den Paket-Repositories vieler Distributionen, die jeweils aktuellste Variante steht auf der Projektseite zum Download bereit [3].

Als zentrale Bedienelemente fungieren der Bereich zur Dateiauflistung und das Einstellfenster mit den Reitern Audio/Video, Bilder und Dokumente (Abbildung 4). Dort wählen Sie nicht nur die Zielformate aus, sondern stellen unter Audio/Video auch bestimmte Profile ein, die für Geräte wie etwa Smartphones mit kleinen Bildschirmen die passenden Voreinstellungen liefern. Die Profile erreichen Sie über den Button Voreinstellung rechts neben der Parameterzeile. Diese listet die Optionen für den jeweiligen Konvertierungsbefehl auf, die normalerweise ohne die grafische Oberfläche auf der Kommandozeile einzugeben wären (Abbildung 5).

Abbildung 4: FF-Multi-Converter erlaubt nicht nur das Umwandeln von Office-Dokumenten, sondern kennt auch viele Audio-, Video- und Bildformate.
Abbildung 4: FF-Multi-Converter erlaubt nicht nur das Umwandeln von Office-Dokumenten, sondern kennt auch viele Audio-, Video- und Bildformate.
Abbildung 5: Anhand von vordefinierten Profilen sparen Sie sich die manuelle Eingabe vieler Optionen.
Abbildung 5: Anhand von vordefinierten Profilen sparen Sie sich die manuelle Eingabe vieler Optionen.

Im oberen Bereich des Programmfensters befindet sich die Dateiliste. Ein Klick auf Hinzufügen öffnet den Dateibrowser, in dem Sie die zu konvertierenden Dateien markieren. Da die Software mehrere Dateien direkt hintereinander umwandelt, ohne dass Sie für jede die entsprechenden Parameter neu eingeben müssen, lässt sie sich auch im Batch-Modus betreiben. Allerdings gelten die gewählten Einstellungen jeweils für alle Dateien aus der Liste; das Festlegen eigener Werte für jede Datei beherrscht die Software nicht.

Sonderfall

Für das Konvertieren von Dateien in herkömmlichen Office-Formaten stellt FF Multi Converter eine stattliche Liste von Routinen zur Verfügung. Es greift dabei auf das Kommandozeilentool Unoconv zurück. Aus einer Auswahlliste neben Konvertiere: wählen Sie das gewünschte Quell- und Zielformat. Hier fällt auf, dass das Tool dabei zwar MS-Office-Formate als Quell- und Zielformat kennt, jedoch nicht die DOCX-Spezifikation neuerer Varianten.

Dokumente im OOXML-Format tauchen in der Liste ebenfalls nicht auf. Beim Einlesen eines entsprechenden Dokuments quittiert das Tool den Konvertierungsversuch mit einer Fehlermeldung. Das Umwandeln auch anspruchsvoll gestalteter Dokumente aus dem DOC- ins freie ODT-Format absolvierte die Software aber in einer exzellenten Qualität. Auch eigentlich obsolete Formate, etwa das von Starwriter genutzte SXW, stellen die Software nicht vor Probleme (Abbildung 6).

Abbildung 6: Quell- und Zielformat wählen Sie bei Office-Dokumenten aus einer Liste. Das moderne DOCX-Format kennt die Software bislang jedoch nicht.
Abbildung 6: Quell- und Zielformat wählen Sie bei Office-Dokumenten aus einer Liste. Das moderne DOCX-Format kennt die Software bislang jedoch nicht.

WinFF

Ein weiteres, speziell für audiovisuelle Datenbestände gedachtes Konvertierungstool nennt sich WinFF. Das in Lazarus und Free Pascal geschriebene Programm glänzt dank integriertem Multithreading mit einem rasanten Arbeitstempo; der integrierte Player Ffplay bietet eine Vorschau bei Formatänderungen. Sie erhalten ausführliche Anleitungen zur Installation für verschiedenste Linux-Distributionen auf der Projektseite der Software [4]. Einige Distributionen, darunter Mageia, ROSA Linux und Slackware, halten WinFF bereits in ihren Repositories vor. Zum Konvertieren greift die Software auf den Video-Konverter Ffmpeg zurück, unter Ubuntu auf Avconv.

Sie bedienen WinFF primär durch die horizontale Schalterleiste oben im Programmfenster. Sie gestattet neben dem Hinzufügen, Entfernen und Löschen von Dateien auch das Abspielen ausgewählter Inhalte samt einer Vorschau bei Formatänderungen. Der Player dient dabei vor allem dazu, festzustellen, ob die Software das Format der Quelldatei korrekt unterstützt. Auch WinFF kennt vordefinierte Profile, die Dateien beispielsweise für Blackberry-Geräte oder Smartphones optimiert konvertieren – so müssen Sie sich nicht durch die meist ellenlange Parameterliste der Kommandozeilentools kämpfen. Die Anwendung bietet zudem die Möglichkeit, die Audiospur aus Videodateien zu extrahieren und gesondert abzuspeichern (Abbildung 7).

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