Aus LinuxUser 09/2016

Editorial 09/2016

Ciao, Windows!

Schon bislang hat sich Microsoft mit seiner Spionage-Software Windows 10 nicht viele Freunde gemacht. Jetzt zieht Redmond mit dem Anniversary Update die Daumenschrauben weiter an. Höchste Zeit, wechselwilligen Windows-Opfern unter die Arme zu greifen, meint Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

schon bis jetzt hat sich Microsoft mit Windows 10 nicht besonders viele Freunde gemacht, vor allem bei jenen Anwendern, die Wert auf eine Privatsphäre legen. Die, wie von Microsoft eingeräumt, nicht komplett abschaltbaren Spionagefunktionen des Betriebssystems funken allerlei Daten nach Redmond – was genau, lässt sich in einem Papier des Software-Giganten nachlesen [1]. Vorsicht, die Lektüre ist nichts für zartbesaitete Gemüter.

Dabei geht es dort nur um die Wartungsfunktionen von Windows 10 – für zahlreiche Zwecke saugt Microsoft im Betrieb weitere Daten ab, die es dazu einfach als zwingend notwendig für das Funktionieren von Betriebssystem und Anwendungen deklariert. Dazu gehören laut Microsofts „Privacy“-Erklärung [2] unter anderem, aber nicht ausschließlich: Name, Alter, Geschlecht, Land, Sprache, E-Mail-Adresse, Postanschrift, Telefonnummer, Standort, Hardwarekomponenten, IP-Adressen, installierte Software, Produktschlüssel, Passwörter, benutzte Anwendungen, Häufigkeit der Benutzung, Sprach- und Textinteraktion mit Bing und Cortana, Interessen und Favoriten, Kontakte sowie Inhalte von Dateien, Chats und E-Mails.

Wer jetzt meint, noch übler könne es ja wohl nicht mehr werden, den belehrt Microsoft pünktlich zum Win10-Jahrestag mit dem Anniversary Update eines besseren. Die Aktualisierung – wie alle Windows-10-Upgrades obligatorisch und nicht zu verhindern – ersetzt die Suche durch den berüchtigten „digitalen Assistenten“ Cortana [3]. Damit wandert praktisch alles, was der Anwender am Rechner eingibt, direkt zu Microsoft in die Cloud. Normale Benutzer können das mangels einer entsprechenden Option in den Einstellungen gar nicht deaktivieren; nur Spezialisten gelingt es über die Registry oder den Grupppenrichtlinen-Editor, den Mithörer abzuschalten [4]. Damit fällt dann aber jede Suchmöglichkeit flach.

Da nimmt es wenig Wunder, wenn die Anwender trotz des im ersten Jahr nach dem Erscheinen kostenlosen Upgrades bislang nur zögerlich von früheren Versionen auf Windows 10 umgestiegen sind. Laut der aktuellen Daten von Netmarketshare [5] waren im Juli 2016 fast die Hälfte der Surfer noch mit Windows 7 unterwegs, lediglich jeder Fünfte mit Windows 10. Immerhin noch 10 Prozent der Webseitenbesucher nutzten Windows XP, nur 8 Prozent Windows 8. Andererseits hat sich, wie ich in der letzten Ausgabe schon kurz anschnitt, der Anteil der Linux-Anwender gegenüber früher in etwa verdoppelt – trotzdem sind bislang nur zwei von hundert Websurfern mit dem freien Betriebssystem unterwegs.

Hier heißt es, den Noch-Windows-Anwendern Alternativen aufzuzeigen. Die stehen parat und machen heute den Umstieg von Windows auf Linux leichter denn je. Die wichtigsten Handreichungen für die ersten Schritte – eine passende Distribution, Werkzeuge für die Migration von Anwendungen und Daten sowie Linux-Alternativen für gern genutzte Windows-Programme – haben wir im Schwerpunkt dieser Ausgabe zusammengefasst. Zusammen mit der Heft-DVD haben Sie damit einen Werkzeugkasten an der Hand, mit dem Sie in der Familie, bei Nachbarn und Bekannten neue Anwender relativ schmerzfrei aus der proprietären in die freie Welt führen können. Ich hoffe, Sie haben Gelegenheit, davon regen Gebrauch zu machen.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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3 Kommentare auf "Editorial 09/2016"

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Ich schaue mir den Artikel gerade mit Firefox 45 auf ReactOS an. Es funktioniert. Ich denke es waere besser, wenn die Regierung 50.00 Mio EUR im Jahr auf ReactOS kloppen sollte statt Menschen in unserem Lande in der Abhaengigkeit zu halten. Ich bin beeindruckt wie nah ReactOS schon ist im Alphastatus.

Hallo, Ich freue mich immer wieder, wenn ich solche Artikel lese, und bin froh, das solche Schandtaten offen gelegt werden. Glücklicher weise gehöre ich zu den wenigen Nutzern, die Linux schon lange zu schätzen wissen. An alle Windowsnutzer kann ich nur sagen, vergesst alles, was ihr in grauer Vorzeit über Linux gehört oder gelesen habt. Ich weiß noch aus leidvoller Erfahrung, wie lange es braucht, um ein Windows einzurichten. Linux ist im Normalfall innerhalb von 15 -20 Minuten eingerichtet, (Automatisch) und das Beste, es ist alles an Bord, was man zum erstellen von Texten, Grafiken, Tabellen und Videos sowie betrachten… Mehr »
Ein netter „Aufmacher“ aber leider wird Linux weiterhin scheitern. Ich selbst nutze Linux seit vielen Jahren und in vielen Bereichen krankt es einfach immer noch, was einen Umstieg für einen Durchschnittsnutzer unmöglich macht. Klar, es gibt inzwischen seit Jahren einen graphischen Installations-Assistenten, aber spätestens wenn es darum geht wie Linux auf der Festplatte installiert werden soll beginnt für viele die erste Hürde. Gibt es keine 2. Partition, mit ausreichend Platz für eine Linux Installation, wird niemand sein Windows einfach so „platt“ machen, denn es gibt ja dann kein Zurück! Gesetzt dem Fall die Installationshürden wurden genommen, steht mit Unity eben… Mehr »