Aus LinuxUser 08/2016

Der Debian-Fork der Veteran Unix Admins ohne Systemd (Seite 2)

Abbildung 3: Devuan bietet derzeit keine Live-CD, es startet sofort der Installer.
Abbildung 3: Devuan bietet derzeit keine Live-CD, es startet sofort der Installer.

Der erweiterte Modus umfasst zudem eine Experteninstallation, die die Einflussmöglichkeiten während des Einrichtens erweitert. Somit ähnelt das Prozedere sehr dem bei Debian – kein Wunder, schließlich kommt derselbe Installer zum Einsatz. Die grafische Variante führt in rund zehn Minuten bis zum Neustart in die Installation.

Mit Maté trafen die Entwickler eine gute Wahl: Der Desktop arbeitet flott, lässt sich leicht bedienen und wirkt dezent. Die Menüs am oberen Displayrand erklären sich von selbst, und das System listet nur relativ wenige Pakete auf – man startet also nicht mit einer überladenen Installation. Dem Anwender steht es frei, das System gezielt nach eigenem Gusto zu erweitern. Die wichtigsten Anwendungen bringt Devuan jedoch gleich mit: Als Browser kommt Firefox zum Einsatz, LibreOffice übernimmt das Büro. Wicd baut Netzwerkverbindungen auf, Gimp steht für grafische Aufgaben bereit.

Um Musik zu hören oder ein Video anzuschauen, muss man notgedrungen eine Anwendung installieren – die Multimedia-Rubrik im Devuan-Anwendungsmenü bleibt bis auf einen Lautstärkeregler leer. Das war’s auch schon, wenn man von den Maté-Anwendungen wie dem Dateimanager Caja und einigen Einstellungsdialogen absieht. Ziehen Sie den umgekehrten Weg vor und specken lieber ein „fettes“ System ab, dann sollten Sie auf die 4,7 GByte fassende DVD-Ausgabe setzen: Sie bietet eine umfangreiche Auswahl an Software aus allen Bereichen.

Wer Debian kennt, findet sich ohne Problem auch im Devuan-System zurecht. Haben Sie bereits mit Debian „Jessie“ oder „Testing“ und „Unstable“ gearbeitet, müssen Sie sich an einigen Stellen wieder auf die Zeit vor Systemd zurückbesinnen: An die Stelle des Journals rückt wieder Rsyslog, der Befehl dmesg ersetzt wieder systemctl. Ansonsten bemerkt man keinen Unterschied zu Debian „Stable“. Wir stellten im Test Devuan auch auf „Unstable“ als Quelle um, die Migration verlief problemlos.

Fazit

Die Macher von Devuan ließen sich viel Zeit, haben aber ihre Hausaufgaben gemacht: Das System läuft rund, grobe Fehler im Betriebssystem selbst treten nicht hervor. Die Dokumentation fällt, gemessen an der Kürze der Zeit, gut aus, könnte aber etwas mehr Ordnung vertragen [12]. In Fällen, die nicht Systemd betreffen, bietet sich die umfassende Debian-Dokumentation als Ergänzung an. Ein Manko stellen die oft nicht erreichbaren Server des Devuan-Projekts dar: So streikte im Test beispielsweise des Öfteren die Paketverwaltung. Hier scheint der Besucheransturm die Infrastruktur regelmäßig zu überlasten.

Legen Sie Wert auf ein Betriebssystem ohne Systemd, dann sollten Sie Devuan durchaus in die Auswahl möglicher Alternativen aufnehmen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob es dem Team auf Dauer gelingt, ein von Debian abweichendes System zu pflegen. Falls Ihnen Devuan nicht gefällt, gibt es weiterhin eine große Anzahl meist kleinerer Distributionen, die (noch) nicht auf Systemd umgestiegen sind [13]. Die Devuan-Entwickler planen zudem eine Systemd-freie Version des auf Anonymität und Achtung der Privatsphäre bedachten Live-Betriebssystems Tails [14]

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