Aus LinuxUser 07/2016

GMIC-Filter, die Sie kennen sollten (Seite 2)

Eine schnellere Alternative zu Dream smoothing bietet der Filter Finger paint (Abbildung 5). Er versucht das Vermalen von Farben mit den Fingern nachzuahmen, was meist recht gut gelingt. Auch Finger paint erzeugt weiche, verwaschene Strukturen, die einerseits als Blickfang dienen können, andererseits als Basis für weitere Aktionen.

Abbildung 5: Mit <code>Finger paint</code> simuliert GMIC das Malen mit Fingerfarben. Nicht immer stimmt die Vorschau mit dem Ergebnis überein.
Abbildung 5: Mit Finger paint simuliert GMIC das Malen mit Fingerfarben. Nicht immer stimmt die Vorschau mit dem Ergebnis überein.

Weichzeichner gehören mit zu den wichtigsten Filtern überhaupt. Sie bilden die Basis für viele Effekte, wie beispielsweise diverse Varianten des Schärfens, und kommen daher oft zum Einsatz. Gimp stellt selbst mehrere Spielarten zur Verfügung, die allerdings immer isotrop wirken, also gleichmäßig in alle Richtungen. Bei realen Objekten, wie etwa Haaren und Haut, aber auch bei künstlichen Strukturen wie Mauerwerk oder Metalloberflächen gibt es jedoch oft eine Vorzugsrichtung. Entlang dieser Achse sollten die Filter nicht so stark wirken wie in den anderen Richtungen.

Der Filter Smooth [anisotropic] berücksichtigt daher nicht nur einfache Richtungen, sondern auch Rotationen (twistiness oder curl). Damit eignet er sich besonders gut für das Bearbeiten natürlicher Objekte. Das umfasst auch das Verschönern von Gesichtern, wo er den Teint glättet und die Haut etwas matter erscheinen lässt (Abbildung 6).

Abbildung 6: <code>Smooth [anisotropic]</code> ist einer der leistungsfähigsten Weichzeichner den es für Gimp überhaupt gibt. Er entfernt das Rauschen, ohne dass die Schärfe darunter leidet.
Abbildung 6: Smooth [anisotropic] ist einer der leistungsfähigsten Weichzeichner den es für Gimp überhaupt gibt. Er entfernt das Rauschen, ohne dass die Schärfe darunter leidet.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet für Weichzeichner stellt das Entrauschen von Bildern dar. Der Filter Smooth [thin brush] ermöglicht es, kleine Details – also das Rauschen – zu eliminieren, ohne dass der gesamte Bildeindruck weichgezeichnet erscheint. Daher finden Sie ihn auch unter Repair. Hier handelt es sich also nicht um einen Effektfilter, sondern eher um ein Instrument für die Bildaufbereitung.

Der Parameter Amplitude steuert dabei im Wesentlichen die Stärke des Filters. Sharpness wirkt dem entgegen und bewahrt die Strukturen. Mit Iterations wiederholen Sie die Filter nach Abschluss automatisch. Anisotropy legt fest, wie weit das Weichzeichnen sich in unterschiedliche Richtungen unterscheiden darf – der Filter verwendet anschließend die Variante mit dem besten Ergebnis. Hohe Werte der Parameter Gradient Smoothness und Tensor Smoothness verwandeln den Filter in eine Variante des Dream Smoothing. Dies lässt sich nutzen, um beispielsweise die Konturen von Objekten zu glätten.

Bei den Parametern Spacial, Angular und Value precision bewirken geringere Werte genauere Ergebnisse, allerdings auf Kosten eines erhöhten Rechenaufwands. Fast approximation aktiviert einen vereinfachten und schnelleren Algorithmus. Eine halbwegs verständliche technische Dokumentation dieses Filters findet sich in der englischsprachigen GMIC-Dokumentation sowie in der vierteiligen Buchreihe „Bildbearbeitung mit Gimp“ [4]. Für Photoshop gibt es vergleichbare Filter als teure Zusatzprodukte zu kaufen.

Etwas deplaziert wirkt in dieser Gruppe der Filter Photoillustration: Er sollte eher in der Repair-Gruppe auftauchen (Abbildung 7). In diesem Filter vereinigen sich sehr viele Einzelfilter, die sowohl schärfen als auch weichzeichnen, den lokalen und globalen Kontrast beeinflussen sowie die Details und die Farben manipulieren können. Da die Vorschau hier zumeist einen ganz guten Eindruck der durch die Parameter verursachten Resultate zeigt, lässt sich der Filter halbwegs intuitiv anwenden.

Abbildung 7: Viele Einstellungen für grundlegende Aspekte eines Fotos vereinigt <code>Photoillustration</code>.
Abbildung 7: Viele Einstellungen für grundlegende Aspekte eines Fotos vereinigt Photoillustration.

Beachten Sie dabei, das sich Helligkeiten separat für Schatten, Mitten und Lichter einstellen lassen (Shadow …, Highlight …, Mid tone …). Über Keep detail layer separate lässt sich eine Ebene mit den feinsten Details erzeugen. Die Overall …-Parameter wirken global. Deren Resultate können Sie anschließend mit einem abweichenden Ebenenmodus mit dem Originalbild verrechnen, was ein weitgehendes Steuern der Effekte ermöglicht. Zahlreiche Vorteile bietet auch die Möglichkeit, Hauttöne besonders zu berücksichtigen (Skin tone protection).

Kantenfilter

Kantenfilter kommen bei unterschiedlichen Aufgaben zum Einsatz, beispielsweise beim Schärfen, aber auch für viele Effekte. GMIC widmet den zahlreichen Varianten die Filtergruppe Contours. Da auch das Freistellen von Objekten [5] auf der Kantenerkennung basiert, verwundert es nicht, dass es hier auch einen Freistellungsfilter gibt: Extract foreground [interactive] dient genau diesem Zweck (Abbildung 8). Das Werkzeug erzeugt eine Kopie der aktuellen Eingabeebene und lässt sich im Wesentlichen interaktiv mit der Maus bedienen.

Abbildung 8: GMICs Werkzeug zum interaktiven Freistellen heißt <code>Extract foreground [interactive]</code>.
Abbildung 8: GMICs Werkzeug zum interaktiven Freistellen heißt Extract foreground [interactive].

Im GMIC-Vorschaufenster markieren Sie dazu nach dem Ausführen des Filters mit der linken Maustaste Stellen, die zum freizustellenden Objekt gehören. Im Bild erscheinen grüne Punkte. Bildbereiche, die gerade nicht mehr dazugehören, wählen Sie mit der rechten Maustaste mit roten Punkten aus. Einmal gesetzte Punkte lassen sich bei Bedarf noch mit der Maus verschieben. Mit einem Druck auf die Leertaste lassen sie GMIC eine Vorschau errechnen. Weitere Tastaturkommandos erklärt die Beschreibung des Filters.

Zwei weitere Filter in dieser Gruppe sind besonders interessant: Local orientation erzeugt Bilder, die aussehen, als ob Sie sie aus einer Alu-Folie gedrückt hätten. Laplacian, ein klassischer Kantenfilter, erzeugt schmale Linien, wie man sie beim Kantenschärfen verwendet. Über die Parameter Smoothness und … threshold lässt er sich viel besser steuern als die eingebaute Gimp-Variante.

Verzerren

Die Gruppe Deformations enthält speziell entwickelte Filter, um ein Bild zu verzerren, beispielsweise für Perspektiven, perspektivische Korrekturen oder (synthetische) Spiegelbilder. Hinzu kommen eine Fischaugenprojektion sowie diverse Rotationsfilter unter der Bezeichnung Kaleidoscope. Eine Besonderheit in dieser Gruppe stellt der Seamcarve-Filter dar.

Er ermöglicht das Skalieren von Bildern, ohne die wesentlichen Bildelemente zu beeinflussen. GMIC bietet zwei Seamcarve-Varianten an: Im automatischen Modus sucht der Filter selbstständig die Bereiche aus, in denen er Breite oder Höhe anpasst. Im manuellen Modus nutzt der Filter zwei Ebenen.

Über der Originalebene benötigen Sie eine zweite gleichgroße, transparente Ebene, auf der Sie mit roter Farbe Bereiche markieren, die der Filtern bevorzugt entfernen darf. Optional kennzeichnen Sie mit grüner Farbe die Bereiche, die unbedingt erhalten bleiben sollen. Damit GMIC die beiden Ebenen auch berücksichtigt, müssen Sie in der Auswahl Eingabe**/**Ausgabe die Option Aktive**&**darüberliegende einstellen (Abbildung 9).

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