Aus LinuxUser 07/2016

Exotische Dateimanager unter Linux (Seite 2)

Sunflower: Der Klon

Ähnlich wie XFE eignet sich Sunflower aufgrund seines schlanken Designs auch bestens für ältere Hardware, ohne dabei altbacken zu wirken. Die grafische Oberfläche orientiert sich funktionell und vom Fensteraufbau her jedoch am altbekannten Norton Commander aus DOS-Zeiten. Sie erhalten die aktuelle Version 0.3 der Software auf der Projektseite [2], Leser der DVD-Ausgabe finden Sunflower darüber hinaus auf den Heft-Medien.

Lediglich Fedora und OpenMandriva führen Sunflower bereits in den Repositories. Da das Sunflower-Projekt für außergewöhnlich viele Linux-Distributionen jeweils die neueste Variante des Dateimanagers in Form von Binärpaketen vorhält, empfiehlt sich die Installation von der Projektseite.

Nach einem rasanten Start erscheint eine noch nicht komplett deutsche lokalisierte Zwei-Fenster-Oberfläche, ergänzt um eine Menüleiste am oberen und eine Eingabezeile am unteren Bildschirmrand. Eine Schalterleiste wie in XFE gibt es nicht, auch die vom Norton oder Midnight Commander her bekannte Anzeige vordefinierter Funktionstasten fehlt.

Dafür erlaubt es die Reiterstruktur der Software, mehrere Fenster simultan zu öffnen und sogar innerhalb der Hierarchie zu verschieben. So aktivieren Sie wahlweise im linken oder rechten Anzeigebereich durch einen Klick auf das Prompt-Symbol ein Terminal, das in einem eigenen Reiter erscheint. Über [Tab] wechseln Sie schnell zwischen den beiden Anzeigebereichen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ein Klick auf das Prompt-Icon genügt, um ein Terminal im aktuellen Verzeichnis zu öffnen.
Abbildung 4: Ein Klick auf das Prompt-Icon genügt, um ein Terminal im aktuellen Verzeichnis zu öffnen.

Die Bedienung von Sunflower fällt etwas weniger konsistent aus als bei XFE, einige Funktionen müssen Sie über einen entsprechenden Dialog erst einmal freischalten. Über Edit | Einstellungen erreichen Sie die übersichtlich in Gruppen unterteilten Optionen. Die wichtigsten finden Sie in der Gruppe Dateiliste (Hidden files | Versteckte Dateien anzeigen), in der Gruppe Plugins sowie in den Einträgen Archive Support, Basic rename options und Basic find file options.

Diese beeinflussen direkt die Bearbeitungsmöglichkeiten der einzelnen Dateien und Ordner. Sunflower greift genau wie XFE für viele Bearbeitungsfunktionen auf Drittprogramme zurück. Daher sollten Sie in der Gruppe Ansehen & Bearbeiten des Einstellungsdialogs im Segment Bearbeiten im Auswahlfeld für Textdateien einen entsprechenden leistungsfähigen Editor wählen. Hier dürfen Sie auch auch LibreOffice als Standard-Editor einbinden. Das lohnt sich insbesondere dann, wenn Sie oft Dateien im ODF-Format ansehen und bearbeiten (Abbildung 5).

Abbildung 5: Auch Sunflower bietet viele Optionen, um den Dateimanager flexibel an Ihre Bedürfnisse anzupassen.
Abbildung 5: Auch Sunflower bietet viele Optionen, um den Dateimanager flexibel an Ihre Bedürfnisse anzupassen.

Das dateibezogene Kontextmenü, das Sie über einen Rechtsklick auf die jeweilige Datei erreichen, ergänzt Sunflower je nach den freigeschalteten Optionen. Die Anzeige der Ordner- und Dateihierarchien im Hauptfenster modifiziert das Tool allerdings erst nach dem Drücken von Speichern im Einstellungsdialog.

Vifm: Der Spartanische

Mit Vifm [3] geht ein weiterer, zielgruppenorientierter Dateimanager ins Rennen um die Gunst der Anwender. Wie der ungewöhnliche Name bereits vermuten lässt, richtet sich das Programm an Nutzer, die häufig mit dem Editor-Urgestein Vi oder dessen etwas komfortablerem Pendant Vim arbeiten. Dementsprechend kommt Vifm als höchst spartanisch wirkendes Werkzeug mit Ncurses-Oberfläche daher, das Sie wie den Editor im Terminal starten. Er beherrscht ähnliche Tastaturkürzel wie der Editor und erlaubt daher ein sehr schnelles Navigieren auch in großen Datenbeständen.

Vifm finden Sie in den Software-Repositories nahezu aller gängigen Distributionen. Darüber hinaus stellt das Projekt den unter der GPLv2 lizenzierten Dateimanager auf seiner Webseite sowohl als Quellcode als auch in Form vorbereiteter Binärpakete für verschiedene Distributionen zum Download bereit. Das kleine Tool starten Sie anschließend über das Terminal, ein Starter im Anwendungsmenü legt das Setup nicht an.

Vifm arbeitet ebenfalls im Zwei-Fenster-Modus und lässt sich ausschließlich mit der Tastatur steuern (Abbildung 6). Für Einsteiger, die sich mit der Bedienung und Konfiguration des Vi-Editors noch nicht so gut auskennen, bietet Vifm eine recht ausführliche Dokumentation in englischer Sprache [4] an. Hier finden Sie auch eine Anleitung zu allen Tastaturkürzeln.

Abbildung 6: Der konsolenbasierte Vifm wirkt optisch spartanisch, lässt sich jedoch über die Tastatur effizient nutzen.
Abbildung 6: Der konsolenbasierte Vifm wirkt optisch spartanisch, lässt sich jedoch über die Tastatur effizient nutzen.

Der Dateimanager bietet neben den gängigen Funktionen auch die Option, mehrere Dateien in nur einem Schritt umzubenennen. Tastaturkürzel lassen sich frei definieren. Eine Undo/Redo-Funktion erlaubt, versehentlich ausgeführte Kommandos rückgängig zu machen oder im Wiederholungsfall per Redo erneut auszuführen. Mittels externer Programme gestattet es der Dateimanager auch, Dateien verschiedener Formate zu betrachten, ohne dafür in die jeweilige Applikation wechseln zu müssen.

Ähnlich wie die grafischen Dateiverwalter lässt sich Vifm problemlos an Ihre Bedürfnisse anpassen: So nutzen Sie das Programm beispielsweise auch nur im Ein-Fenster-Betrieb. Zusätzlich stellen Sie die einzelnen Anzeigespalten nach Ihren Wünschen ein, ebenso die Farben im Rahmen der Ncurses-Oberfläche. Umfangreiche Such -und Filteroptionen runden das Angebot ab.

Um auch in sehr großen Dateibeständen effizient zu navigieren, bietet Vifm eine Lesezeichen-Funktion, mit deren Hilfe Sie in verschachtelten Ordnerhierarchien entsprechend markierte Dateien schnell anspringen. Zu guter Letzt ermöglicht es eine Kommandozeilen-Option, aus dem Dateimanager heraus Shell-Befehle auszuführen. Damit entfällt in vielen Fällen der Wechsel in einen zweiten Terminal-Reiter.

Der doppelte Commander

Der aus Russland stammende, unter der GPLv2 lizenzierte Double Commander [5] zeigt eine Funktionsvielfalt ohnegleichen. Das in Object Pascal geschriebene Programm gibt es in 32- und 64-Bit-Varianten sowie in unterschiedlichen Paketen für GTK2- und Qt4-basierte Oberflächen. Zusätzlich handelt es sich um eine Cross-Plattform-Anwendung, die auch unter diversen BSD-Derivaten startet.

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