Aus LinuxUser 04/2016

Mit Stellarium animierte Simulationen erzeugen

© Andrey Armyagov, 123RF

Weltraum-Reise

Wer mehr sehen will, als der Nachthimmel in der Großstadt hergibt, der geht aufs Land – oder startet Stellarium auf dem PC und reist damit sogar zu weit entfernten Galaxien.

Fabien Chéreau veröffentlichte die erste Version von Stellarium im Jahr 2001. Dank freier Lizenz liegt der Quellcode offen, und Helfer entwickeln das Programm ständig weiter. Im Januar 2016 erschien die Version 0.14.2 [1]. Für viele Zwecke genügt die Version 0.13, die in den Paketquellen aller gängigen Distributionen vorliegt. Allerdings behebt erst die aktuelle Version einen lästigen Fehler in der Skripting-Funktion. Mit den Befehlen aus Listing 1, verbunden mit dem Hinweis, dass Programme aus inoffiziellen Quellen unter Umständen Fehler aufweisen, aktualisieren Sie die Software.

Listing 1

$ sudo add-apt-repository ppa:stellarium/stellarium-releases
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install stellarium
$ sudo apt-get upgrade

Eine Einführung in das Konzept des Programms finden Sie in einer früheren Ausgabe [2]. Ein weiterer Artikel behandelt Anpassungen und Erweiterungen durch eigene Fotos [3]. Über diese Möglichkeiten hinaus ergänzen Sie astronomische Objekte und steuern die Anzeige des Himmels durch Skripten.

In der Grundausstattung enthält Stellarium die Daten für etwa 600?000 Sterne, bis hinunter zu einer Helligkeit von 10,5 Magnituden. Mit bloßem Auge sehen wir unter optimalen Bedingungen ungefähr 6000 Sterne bis zu einer Größenklasse von 6 Magnituden. Stellarium präsentiert also nicht nur den Nachthimmel für das bloße Auge, sondern zeigt darüber hinaus Objekte, die Sie sonst nur mit dem Fernrohr erkennen. Deshalb sollten Sie das Angebot von Stellarium nutzen, weitere Sternkataloge hinzuzufügen.

Stellarium vervollständigen

Wenn Sie das Programm über die Kommandozeile starten, sehen Sie direkt die Statusmeldungen der Software. Beim ersten Mal sollten Sie Stellarium mit dem Schalter --full-screen no aufrufen: So verzichtet die Applikation auf den Vollbildmodus und gibt den Blick auf das Terminal frei.

Die Option für das Installieren weiterer Sterndaten finden Sie im Menü Konfiguration/Werkzeuge | Sternkataloge. Sie gelangen zum passenden Icon, indem Sie die Maus zum linken Fensterrand führen. Katalog 5 fügt knapp 2 Millionen Sterne bis zur Klasse 12 Magnituden hinzu; Katalog 9 erweitert den Bereich bis zu einer Größenklasse von 18 Magnituden. Ein Stern dieser Grenzklasse spielt später noch eine Rolle.

Die Sternkataloge der Grundausstattung liegen im Programmverzeichnis /usr/share/stellarium/stars/default, um versehentliche Änderungen durch Benutzer zu verhindern. Alle Erweiterungen wandern nach ~/.stellarium/, die neuen Sterne nach ~/.stellarium/stars/default.

Große Planetarien verwenden Projektoren, die Licht durch eine perforierte Kugel hindurchschicken und so die Objekte projizieren. Da nur eine Lichtquelle in der Kugel steckt, lässt sich dabei die Helligkeit der Sterne nicht individuell einstellen. Als Ausweg passen die Apparate die Fläche der Sterne der beobachteten Helligkeit an.

Auch Stellarium verwendet diesen Ansatz, obwohl die scheinbare Größe der Sterne nur vom beobachtenden optischen Instrument (Auge, Teleskop mit Kamera) abhängt – anderenfalls wären die Sterne und deren Farben kaum zu erkennen. Bis zu einem gewissen Grad können Sie die Größe der Sternfläche in den Programmeinstellungen steuern.

Stellarium unterscheidet dennoch zwischen flächenhaften Objekten wie Planeten und nahezu punktförmigen Sternen. Je tiefer Sie mit dem Mausrad in den Himmel zoomen, desto mehr Sterne tauchen auf. Während sich die Fläche der Sterne kaum verändert, sehen Sie bei Planeten plötzlich eine Textur und bei den inneren Planeten darüber hinaus die korrekt ausgeleuchtete Sichelform.

Wenn Sie die Objekte mit der linken Maustaste anklicken, weist Stellarium zumindest für die größeren Sterne deren Namen aus. Ein Klick mit der rechten Maustaste schließt das Informationsfenster.

Die Hand am Steuer

Kleine Objekte, die sich nur mit Hochleistungsfernrohren auflösen lassen, finden Sie auch auf dem Stellarium-Himmel nicht ohne Suchfunktion. Alternativ schreiben Sie ein Skript, das nicht nur die Koordinaten des Ziels kennt, sondern darüber hinaus den Weg dorthin zu einer kleinen Show ausbaut.

Um die nächsten Schritte nachzuvollziehen, brauchen Sie nicht unbedingt das Bild des Einsteinrings SDSS J162746.44-005357.5 aus dem vorangegangenen Linux-User-Artikel einzufügen: Sofern Sie die Daten für Sterne bis zu einer Größenklasse von 18 Magnituden erweitert haben, zeigt Ihnen das Programm zumindest einen kleinen Stern an der richtigen Stelle. Führen Sie den Code aus Listing 2 als Skript aus.

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