Aus LinuxUser 03/2016

Sieben Videoschnittprogramme für Linux im Vergleich (Seite 4)

Die Effekte stammen aus der Frei0r-Sammlung, die vor allem mit drastischen Verfremdungen wie etwa einem Strudel die anvisierte Zielgruppe zufriedenstellen dürfte. Der Titelgenerator sieht aus wie das Pult eines Raumschiffs: Über Regler stellen Sie die Länge, die Position und die Farbe des anzuzeigenden Textes ein.

Um den erzeugten Film auszugeben, müssen Sie ihn zunächst in einen einzelnen Clip umwandeln, dann zurück in den Clip-Editor wechseln und dort exportieren. Der Funktionsumfang von LiVES lässt sich über eine eigene Plugin-Schnittstelle erweitern.

Shotcut

Besonders fleißig werkeln derzeit die Entwickler von Shotcut [7]: Pünktlich jeden Monat erscheint eine neue Version. Zum Redaktionsschluss war die Version 16.01 von Anfang Januar aktuell (Abbildung 7). Auf der Homepage stellen die Macher eine vorkompilierte Fassung von Shotcut bereit. Sie müssen lediglich das Archiv für Linux herunterladen, es entpacken und dann das Skript shotcut im Verzeichnis Shotcut.app starten.

Abbildung 7: Durch den Bereich am linken Rand wächst das Hauptfenster von Shotcut schnell in die Breite.
Abbildung 7: Durch den Bereich am linken Rand wächst das Hauptfenster von Shotcut schnell in die Breite.

Shotcut verarbeitet die Videos im Hintergrund mit MLT und kann für Berechnungen die Grafikkarte einspannen – Letzteres kennzeichnen die Entwickler allerdings noch als experimentell. Nach dem Start meldet sich Shotcut mit einem weitgehend leeren Fenster. Sobald Sie ein Video öffnen, spielt Shotcut es wie ein Video-Player ab. Auf seine Funktion als Videoschnittprogramm verweisen nur zwei weiße Dreiecke an den Rändern einer Zeitskala. Indem Sie diese verschieben, schneiden Sie den Anfang und das Ende des Clips ab. Ein bildgenaues Trimmen gelingt auf diese Weise jedoch nur mit viel Feingefühl.

Über den Menüpunkt Ansicht blenden Sie am linken Seitenrand Register ein, die weitere Werkzeuge bereitstellen. Dazu gehört auch ein Magazin mit Effekten, die Shotcut als Filter bezeichnet. Sie wirken grundsätzlich immer auf den kompletten, gerade geöffneten Clip. In der Regel bieten die Filter nur wenige Optionen, die sich aufgrund der kleinen Regler etwas hakelig einstellen lassen. Immerhin zeigt Shotcut die Auswirkungen umgehend in der Vorschau an. Einmal gewählte Einstellungen speichern Sie bei Bedarf als Vorlage und rufen sie so später bei einem anderen Video schnell wieder ab.

Haben Sie einen Clip mit Effekten versehen, fügen Sie ihn einer Wiedergabeliste hinzu. Die spielt Shotcut von oben nach unten ab, was wiederum den fertigen Film ergibt. Um einen Clip aus der Wiedergabeliste noch einmal nachzubearbeiten, müssen Sie ihn erst wieder umständlich in der Vorschau öffnen (mit einem Klick auf das Hamburger-Symbol und dann Als Clip öffnen).

Alternativ zur Wiedergabeliste öffnen Sie eine zunächst leere Zeitleiste. Sobald Sie ein Video dorthin ziehen, legt Shotcut automatisch eine zugehörige Spur an. Weitere Spuren müssen Sie jedoch explizit selbst hinzufügen. Clips rasten an wichtigen Punkten ein, wie etwa an der Zeitnadel oder am Ende eines anderen Clips. Die Höhe der Spuren lässt sich nicht verändern, lediglich die dargestellte Zeitauflösung lässt sich anpassen.

Um einen Clip zu trimmen, verschieben Sie in der Zeitleiste seine Enden mit der Maus. Dies geschieht jedoch im Blindflug, denn die Vorschau zeigt stets nur das Bild an der Position der Zeitnadel an. Shotcut bietet derzeit nur ein Schnittwerkzeug, das den gerade markierten Clip an der Stelle der Zeitnadel teilt. Überblendungen simulieren Sie mithilfe der Filter Video ausfaden und Video einfaden.

Um den bearbeiteten Film zu exportieren, öffnen Sie das passende Register und wählen dort eine der zahlreichen Vorgaben. Profis dürfen weitere Feineinstellungen vornehmen. Auf Wunsch streamt Shotcut das Video an einen Melted-Server.

Fazit

Trotz recht ähnlicher Bedienkonzepte und Benutzeroberflächen richten sich die Videoschnittprogramme an spezifische Nutzergruppen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Ansprüchen.

Einsteiger und Gelegenheitsfilmer sollten einen Blick auf Shotcut oder Flowblade werfen. Insbesondere Shotcut reduziert die Benutzeroberfläche auf das Wesentliche und blendet Werkzeuge nur auf ausdrücklichen Wunsch ein. Wer jedoch nicht nur Clips aneinanderreihen möchte, muss sich in beiden Fällen mit einer etwas umständlichen Bedienung herumschlagen.

Cinelerra, Kdenlive und Lightworks richten sich eindeutig an Fortgeschrittene und Profis. Cinelerra wirkt etwas altbacken; wer sich jedoch mit der etwas umständlichen Bedienung anfreunden kann, erhält einen ordentlichen Funktionsumfang, der sogar Compositings ermöglicht. Auch Kdenlive wuchs im Laufe der Jahre zu einem kleinen Funktionsmonster heran, kann aber dennoch noch nicht mit Adobe Premiere Pro konkurrieren. Trotz etwas fummeliger Bedienung führen Tastenkürzel meist schnell zum Ziel.

Bei Lightworks Free handelt es sich eigentlich nur um eine Testversion für den kostenpflichtigen großen Bruder: Ohne die zusätzlichen Exportmöglichkeiten der Pro-Variante lassen sich lediglich Internetvideos produzieren. Für das Einarbeiten und die Bedienung benötigen selbst erfahrene Cutter etwas Zeit. Im Gegenzug finden professionelle Filmer in Lightworks Pro maßgeschneiderte und solide Werkzeuge.

Kino richtet sich primär an Schnitteinsteiger, die alte Videos im DV-Format nachbearbeiten möchten. Auch wenn es nicht mehr weiterentwickelt wird, läuft das kleine Programm immer noch klaglos. Mit LiVES dürften sich wohl vor allem Videokünstler anfreunden – vorausgesetzt, sie stoßen sich nicht an der äußerst wirren Bedienung. 

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