Aus LinuxUser 03/2016

Editorial 03/2016

Old and busted?

Der Support der Mainstream-Distributionen für 32-Bit-PCs schmilzt zunehmend dahin, ab 2017 dürfte aus dieser Riege wohl nur noch Debian das Intel-Alteisen unterstützen. Auch Chefredakteur Jörg Luther stellt sich die Frage, wer heute noch ein IA32-fähiges Linux braucht.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

kleinere, innovative Distributionen haben damit erst gar nicht angefangen oder sparen es sich schon lange. OpenSuse verzichtet seit Leap 42.1 darauf; das Fedora Engineering Steering Committee führt das Feature für Fedora 24 auf der Abschussliste [1]. Bei Ubuntu ist die Diskussion darum für die Version 16.10 in vollem Gang [2].

Die Rede ist von Distri-Images für die gute alte 32-Bit-Intel-Architektur, auf die immer mehr Distributionsprojekte bereits verzichten oder deren Weiterführen die Entwickler zumindest als überflüssige Arbeit empfinden. Ohnehin gibt es „die“ 32-Bit-Version so nicht: Die erste Generation der Intel-Chips („i386“) flog mit Kernel 3.8 ohnehin schon aus dem Betriebssystemkern [3] – bleiben noch i486, i586 („Pentium“) und i686 („Pentium II“), unterhalb von i686 wahlweise mit PAE, um auf Arbeitsspeicher im heute üblichen Umfang zugreifen zu können.

Aus Entwicklersicht macht es wenig Sinn, diesen Architektur-Zoo distributionsseitig weiter zu unterstützen. Schon seit einem Jahrzehnt kommen Desktop- und Notebook-Systeme nur noch mit 64-Bit-CPUs, sodass sich die Zahl der 32-Bit-Systeme in freier Wildbahn langsam, aber unaufhaltsam gegen null bewegt. Die Pflege entsprechender Distributionsversionen macht viel Arbeit, das Ausliefern kostet reichlich Geld: So warf ein Ubuntu-Entwickler das Argument ins Feld, durch den Verzicht auf 32-Bit-ISOs ließen sich die Kosten für die Download-Mirrors um nicht weniger als ein Drittel senken.

Alles in allem sieht es ganz so aus, als verschwänden die Images für die IA32-Architektur, wie Mutter Intel das Kind gerne nennt, mit Ablauf des Jahres 2016 aus den meisten Mainstream-Distris. Die Einschränkung „den meisten“ ist – Sie ahnen es schon – Debian geschuldet, das traditionell kaum eine Rechnerarchitektur außen vorlässt.

Auch wir grübeln mit jeder Heft-DVD darüber nach, wie wir es denn mit den 32-Bit-Images halten sollen. Manchmal stellt sich die Frage nicht, wie bei der Privacy-Distro Tails, von der es gar keine 64-Bit-Version gibt. Gelegentlich richten wir uns nach dem mitgelieferten Desktop und packen Releases mit alteisengeeigneten Oberflächen eher in einer 32-Bit-Variante auf die Datenträger, Distros mit KDE oder Gnome eher in der 64-Bit-Ausgabe.

Immer öfter stellen wir uns aber die Frage, ob es wirklich noch Sinn ergibt, moderne Distributionen überhaupt noch als 32-Bit-Images beizulegen? Sollten wir nicht lieber die Oldie-ISOs weglassen und dafür mehr unterschiedliche Distributionen auf die Datenträger packen? An dieser Stelle würden ich Sie gern nach Ihrer Meinung fragen: Lassen Sie mich doch bitte in einer kurzen Mail an mailto:jluther@linux-user.de wissen, ob Sie wirklich noch Distributionen für Uralt-Rechner benötigen oder darauf ganz gut verzichten können. Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe und

herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] „Im Zweifelsfall keine x86 Medien von Fedora 24“: http://www.fedora-blog.de/im-zweifelsfall-medien/

[2] „Ubuntu Desktop on i386“: https://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-devel/2016-February/039161.html

[3] „Removal of support for 386 processors“: http://kernelnewbies.org/Linux_3.8

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1 Kommentar auf "Editorial 03/2016"

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..einfach eine Ausgabe veröffentlichen, die nur 64 Bit ISOs enthält und einfach mal schauen. Mein Tipp: Die bald erscheinende KaOS 2016.04 Die gibts nämlich, wie bei KaOS schon seit Jahren/Anbeginn selbstverständlich nur als solche. Macht also vielleicht ein kleines Thema draus: Steam gibts zb bis heute nur als 32 Bit Client, drum müssen Paketierer rund 200 Pakete betreuen, einfach nur um Steam anbieten zu können. Bei Skype ist es ähnlich, während hier die AndroidVersion via Chrome verwendet werden kann: https://kaosx.us/emulate-skype-on-kaos/ Einige Canon und Brother Drucker verwenden auch immer noch zwingend 32 Bit libs, die können via Postscript beliefert werden. Weitere… Mehr »