Aus LinuxUser 01/2016

Mit dem Editor Utext Markdown-Dokumente bearbeiten

© Convisum, 123RF

Echt einfach

Einfache Formatierungen für Wikis oder HTML-Seiten erzeugen Sie am schnellsten mit Markdown. Der Editor Utext hilft Ihnen unter Ubuntu und dessen Ablegern beim Erstellen und Bearbeiten solcher Texte.

Ein Text mag für Menschen rein durch die Buchstaben einen Sinn ergeben, aber eine Maschine braucht ein paar Hinweise in Bezug auf Bedeutung und Struktur. Diese Hilfe übernehmen Formatierungen. So heben Sie unter Umständen besonders wichtige Passagen kursiv hervor, formatieren also inhaltlich, oder kennzeichnen Überschriften oder Code-Fragmente als solche, womit Sie die Struktur verdeutlichen.

Dafür hat sich der Begriff des „Auszeichnens“ (englisch: Markup) eingebürgert. Zu Zeiten des Buchdrucks von Hand war das ein separater Arbeitsschritt, der Spezialisten vorbehalten war; heute übernimmt diesen Schritt der Autor, oft mithilfe einer Vorlage (Template).

Zu den bekanntesten Auszeichnungssprachen zählt (X)HTML. Es erlaubt nur eine begrenzte Menge an Formatierungen, was oft zu komplizierten Hilfskonstruktionen führt. Für Menschen fallen entsprechende Texte oft unleserlich aus. Es lag also nahe, eine Metasprache zu entwickeln, die einfacher aussieht und aus der ein Konverter direkt HTML erzeugt. Mittlerweile existiert eine ganze Reihe von Ansätzen mit diesem Ziel, darunter AsciiDoc [1], Pandoc [2] oder eben Markdown [3].

Die derzeit aktuelle Version 1.0.1 von Markdown wurde mit dem Ziel der leichten Lesbarkeit für Menschen konzipiert und beschränkt sich dementsprechend auf eine einfache Syntax. Das erreichen die Entwickler auf zweierlei Weise: Zum einen unterstützt Markdown nur eine Teilmenge der von HTML gebotenen Strukturen, zum anderen achteten die Entwickler strikt auf eine leichtverständliche Markdown-Syntax. Diese kommt heute in vielerlei Weise für das Gestalten von HTML-Seiten zum Einsatz, etwa bei Wikis. Dort steht unter Umständen kein reines Markdown bereit, sondern häufig ein Derivat, oft mit erweiterten Funktionen.

Zu den Besonderheit von Markdown zählt die Tatsache, dass Sie bei Bedarf HTML-Strukturen direkt in den Code schreiben dürfen („Inline HTML“), ohne dass Sie dies besonders zu kennzeichnen brauchen. Auf diese Weise lassen sich selbst komplexe Strukturen verwirklichen, allerdings naturgemäß zulasten der Lesbarkeit. Ein typisches Beispiel dafür sind Tabellen, die Markdown nicht direkt unterstützt.

Für Überschriften verschiedener Ebenen bedient sich Markdown einer ähnlichen Syntax wie AsciiDoc: Zum einen erzeugen Sie diese durch Unterstreichungen, zum anderen durch Voranstellen von Gleichheitszeichen oder Doppelkreuzen („Hashmarks“). Dabei unterstützt die Software bis zu drei Ebenen. Ein entsprechendes Beispiel zeigt Listing 1. In dieser Variante dürfen zusätzlich abschließende Zeichen auftreten.

Listing 1

Eine Überschrift
================
# Eine Überschrift
# Eine Überschrift #

Bei den einfachen Listen gibt sich Markdown ebenfalls genügsam: Ein Sternchen (*) am Zeilenanfang leitet einen Listenpunkt Liste ein. Neben dem Sternchen dürfen Sie Plus- und Minuszeichen in der gleichen Funktion einsetzen. Mit mindestens vier Leerzeichen am Zeilenanfang, gefolgt vom Zeichen für einen Listenpunkt, markieren Sie Unterpunkte. Dabei dürfen Sie unterschiedliche Zeichen in einer Ebene kombinieren: Es zählt nur die Position im Quelltext, die definiert, wie der Eintrag erscheint, nicht aber das verwendete Zeichen (Listing 2).

Listing 2

* Listeneintrag 1
+ Listeneintrag 2 (gleichen Liste und Ebene)
    - ein Unterpunkt ...
    + ... und noch ein zweiter

Aufzählungen – also nummerierte Listen – erzeugen Sie mit einer (beliebigen) Zahl oder Ziffer direkt am Zeilenanfang, der ein Punkt folgt (Listing 3). Hier gibt es wieder mit mindestens vier Leerzeichen am Zeilenanfang die Möglichkeit, verschachtelte Listen zu erzeugen. Am besten starten Sie Aufzählungen mit 1., für den Fall, dass die verwendete Software Startwerte unterstützt.

Listing 3

1. erster Punkt der Aufzählung
1. zweiter Punkt der Aufzählung
     1. erster Unterpunkt zu Punkt 2
     1. zweiter Unterpunkt zu Punkt 2
1. dritter Punkt der Aufzählung

TIPP

Möchten Sie eine Ziffer oder Zahl mit einem Punkt kombinieren, ohne eine Liste zu beginnen, maskieren Sie den Punkt mit einem Backslash (\.).

Sie erzeugen harte Umbrüche in Zeilen, indem Sie zwei Leerzeichen am Zeilenende hinzufügen. Markdown-Editoren wie Utext erkennen diese eigentlich unsichtbaren Strukturen und zeigen sie hervorgehoben an. In diesem Zusammenhang ist die Behandlung von Zeichen wie <“ (Kleiner-Zeichen) und & (Ampersand) interessant: Je nach Einsatz in URLs ist es erforderlich, diese zu maskieren. Markdown erlaubt nun, diese Zeichen ohne besonderes Maskieren im Text einzusetzen.

Bemerkenswert ist die Fähigkeit von Markdown, Zitate im Stil einer E-Mail einzufügen: Es genügt, einer Zeile ein Größer-Zeichen (>) voranzustellen, um sie als Zitat kenntlich zu machen; ein auf das Größer-Zeichen folgendes Leerzeichen ist nicht erforderlich.

Bei längeren Absätzen reicht es aus, einmal ein Größer-Zeichen voranzustellen, um den gesamten Absatz als Zitat zu kennzeichnen. Das gilt selbst dann, wenn der Absatz harte Umbrüche enthält. Verschachtelte Zitate realisieren Sie durch mehrere Größer-Zeichen (Listing 4).

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