Aus LinuxUser 11/2015

Der Pantheon-Desktop mit Elementary OS „Freya“ (Seite 2)

Wer Gnome 3 schon einmal ausprobiert hat, der kennt die „aktive Ecke“ links oben. Fahren Sie mit der Maus dorthin, erscheint automatisch die Aktivitätenübersicht – ganz so, also würden Sie [Windows] drücken oder auf Aktivitäten im Panel klicken. Pantheon führt diese Idee weiter und macht jede Ecke des Desktops aktiv – allerdings nur, wenn Sie das vorher aktivieren. Den Dialog dazu finden Sie unter Anwendungen | Systemeinstellungen | Schreibtisch. Hier definieren Sie nicht nur einen neuen Bildschirmhintergrund, sondern beeinflussen im Reiter Dock auch das Verhalten und Aussehen der Dockleiste.

Unter Aktive Ecken ganz rechts geben Sie über eine Ausklappliste jeder Bildschirmecke eine Aufgabe, die später automatisch und ohne einen gesonderten Klick ausgeführt wird (Abbildung 6). Als Aktionen stehen Kommandos wie etwa das Maximieren des aktuellen Fensters oder das Öffnen der Anwendungsübersicht zur Auswahl. Zusätzlich lässt sich im Eingabefeld Benutzerdefinierter Befehl: ein individuelles Kommando eintragen, das dann allerdings gleich für alle Ecken des Bildschirms gilt.

Abbildung 6: Pantheon bietet im Vergleich zu Gnome nicht nur eine aktive Bildschirmecke: Bei Bedarf lassen sich alle vier mit einer Aktion belegen.
Abbildung 6: Pantheon bietet im Vergleich zu Gnome nicht nur eine aktive Bildschirmecke: Bei Bedarf lassen sich alle vier mit einer Aktion belegen.

Individualisierung

Der Pantheon-Desktop lässt sich anders als sein KDE-Gegenstück nicht bis ins kleinste Detail anpassen – schließlich basiert Pantheon weitgehend auf dem sehr restriktiven Gnome. Die Systemeinstellungen bieten dementsprechend nur wenig Einflussmöglichkeiten. Abhilfe schafft hier die Installation des Gnome-Tweak-Tools (Paket gnome-tweak-tool), mit dem Sie beispielsweise das Erscheinungsbild der Fensterrahmen und Bedienelemente beeinflussen. Dazu müssen Sie jedoch entweder manuell Themes für Gnome 3 beziehungsweise GTK3 installieren oder zum Beispiel die zu Gnome gehörenden Theme-Pakete aus der Paketverwaltung einspielen (Listing 1).

Listing 1

$ sudo apt-get install gnome-tweak-tool
$ sudo apt-get install gnome-themes-standard gnome-themes-extras gnome-themes-ubuntu
$ gnome-tweak-tool

Eine eigene Autostart-Liste und eine Auswahl von Standardanwendungen für bestimmte Dateitypen ermöglichen größere Flexibilität beim Einsatz des Systems. So könnten Sie beispielsweise den schlanken Videoplayer Audience, den Pantheon vorinstalliert mitbringt, durch ein leistungsfähigeres Pendant wie VLC ersetzen. Dieser unterstützt viele Medienformate nur dann, wenn Sie die entsprechenden Codecs aus der Paketverwaltung nachinstallieren (Listing 2).

Listing 2

$ sudo apt-get install ubuntu-restricted-extras

Fazit

Der in Elementary OS genutzte Pantheon-Desktop glänzt vor allem durch ein ansprechendes Äußeres und durch schnelle Reaktionszeiten. Dank einer stimmigen Farbgebung und eines konsistenten Bedienkonzepts wirkt die Oberfläche ergonomischer als Gnome 3 oder Unity. Es bleiben allerdings einige Ungereimtheiten: So erscheinen manche Applikationen noch im Gnome-Look, und auch die deutsche Lokalisierung zeigt aktuell Lücken.

Vor allem für Umsteiger von Mac OS X stellt Pantheon eine echte Alternative dar, da sich der Desktop an vielen Stellen an Apples Desktop orientiert und sich gewohnte Bedienmuster übertragen lassen, wie etwa das automatische Öffnen einer Datei durch einen einzigen Linksklick. Auch Anwendern, die einen besonders ästhetischen Desktop, aber nicht viel am System basteln wollen, dürfte Pantheon gefallen. 

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