Aus LinuxUser 07/2015

KDE-Backups: Kup koppelt Git mit Rsync

© Jörg Stöber, 123RF

Eng verzahnt

Backups sind Pflicht, sollen die Daten auch nach einem Crash noch verfügbar sein. Kup automatisiert unter KDE SC 4 und Plasma 5 diese Aufgabe elegant.

Sobald in Foren oder im IRC ein Anwender von Datenverlust berichtet, kommt unweigerlich als erster Ratschlag zurück, doch ein Backup einzuspielen. Fast ebenso unvermeidlich folgt dann das kleinlaute Bekenntnis des Betroffenen, kein Backup zu besitzen und sich noch nie mit dem Konzept auseinandergesetzt zu haben. Da gilt es dann mit dem sarkastischen Kommentar zu leben, dass wahre Männer/Frauen halt keine Backups brauchen.

Abseits des triefenden Sarkasmus ist jedoch an dem Spruch durchaus etwas Wahres dran, denn prinzipiell braucht man nur Git zur Datensicherung. So nutzt auch das Programm Etckeeper [1] zur Versionsüberwachung der Konfigurationsdateien unter /etc/ dieses Prinzip. Zugegeben handelt es sich hier um einen spartanischen Ansatz mit vielen manuellen Eingriffen und Nachteilen bei großen Dateien. Schließlich entstand Git zur Versionskontrolle des Kernels, wo die Aufgabe lautet, große Mengen kleiner Dateien platzsparend zu verwalten und jederzeit auf ältere Revisionen zurückgreifen zu können.

Git-basierte Backups

Das läge schon sehr nah am Konzept eines idealen Backups, wären da nicht die großen Dateien. So erreichen etwa die Festplatten von virtuellen Maschinen schnell Größen von 10 GByte und mehr. Git nutzt den Algorithmus Xdelta [2], um Unterschiede zwischen zwei Dateien zu bestimmen, sodass es sie nur inkrementell speichern muss. Xdelta zeigt sich jedoch von solch großen Dateien völlig überfordert.

Hier kommt Bup [3] als Grundlage von Kup [4] ins Spiel. Bup bedient sich rollender Prüfsummen, basierend auf dem Rolling-Checksum-Algorithmus aus Rsync [5], um die Differenz zweier Dateien zu ermitteln, und speichert nur die Unterschiede. Dieser Vorteil macht sich bei großen Dateien schnell bemerkbar: Statt einer Hash-Summe pro Datei teilt Bup große Files in viele kleine Teile zu je 128 Byte, die jeweils eine eigene Prüfsumme erhalten. So lassen sich auch kleine Unterschiede in großen Dateien effektiv identifizieren und speichern.

Im Gegensatz zu Rsync setzt Bup aber zusätzlich Deduplikation [6] unter Verwendung von SHA1-Hashes ein, um redundante Daten zu identifizieren und zu entfernen. Die Ergebnisse sichert es daraufhin im Git-Paketformat Packfile [7]. Weitere technische Einzelheiten vermittelt auf recht unterhaltsame Art das Designdokument zu Bup [8].

KDE-Oberfläche für Bup

Da sich nicht jeder Anwender für die Arbeit auf der Kommandozeile begeistern kann, gibt es für KDE eine Oberfläche, die sowohl volle Backups mittels Rsync als auch inkrementelle Sicherungen via Bup unterstützt. Ersteres eignet sich vor allem, um etwa umfangreiche Musik- oder Fotosammlungen auf mehreren Datenträgern zu synchronisieren. Für Sicherungen eines Home-Verzeichnisses oder andere sich oft ändernde Datenbestände eignet sich hingegen die Git-basierte inkrementelle Herangehensweise von Bup besser.

Kup besteht hauptsächlich aus einem Konfigurationsmodul, das sich in die Systemeinstellungen integriert, und einem Daemon, der überwacht, wann das in der Konfiguration definierte Backup-Ziel eingehängt oder angeschlossen ist, um sich dann als Icon im Systemabschnitt der Kontrollleiste zu zeigen. Zum Zugriff auf die gesicherten Daten steht ein KIO-Slave [9] zur Verfügung, der die Ansicht der gesicherten Dateien im Dateimanager erlaubt, sowie eine Applikation zum Rücksichern einzelner Dateien.

Im einfachsten Fall sichert Kup Änderungen der in der Konfiguration angegebenen Verzeichnisse und Dateien automatisch, sobald das definierte Ziel der Sicherung verfügbar wird. Das kann beim Rechnerstart durch das automatische Einhängen einer entsprechenden lokalen oder Netzwerk-Partition sein oder auch beim Anstecken einer USB-Festplatte zur Laufzeit erfolgen. Im Gegensatz zu vielen anderen Backup-Programmen spricht Kup eine externe Platte mit NTFS oder FAT32 als Dateisystem direkt und ohne Verwendung von Hardlinks an.

Kup läuft in der aktuellen Version 0.5.1 unter KDE SC 4, für Plasma 5 gibt es bereits Version 0.6. Während die Version für KDE SC 4 in vielen Distributionen in den Archiven liegt, findet man Kup 0.6 für Suse, Arch Linux und Fedora nur auf der Webseite KDE Apps.org als Download [10]. Für Debian oder Ubuntu gibt es noch keine Pakete für Plasma 5, hier müssen Sie das Paket selbst bauen. Die beiden Versionen von Kup arbeiten jeweils nur unter der designierten Version von KDE. Überprüfen Sie nach der Installation zusätzlich, ob die Pakete bup und rsync installiert sind.

Konfiguration

Nach der Installation von Kup finden Sie in den Systemeinstellungen ein neues Modul mit dem Namen Datensicherungen (Abbildung 1). Nach dem Öffnen teilt Kup mit, dass der standardmäßig vorhandene Sicherungsplan noch nie ausgeführt wurde (Abbildung 2) – ihn gilt es nun zu konfigurieren. Ein Klick auf den entsprechenden Schalter öffnet das Fenster mit den Einstellungen. Die empfohlene Art der Datensicherung ist bereits angehakt und bedient sich des oben beschriebenen Git-basierten Vorgehens (Abbildung 3).

Abbildung 1: Die Systemsettings mitsamt Kup unter KDE Plasma 5.
Abbildung 1: Die Systemsettings mitsamt Kup unter KDE Plasma 5.
Abbildung 2: Kup bemängelt das Fehlen eines Datensicherungsplans.
Abbildung 2: Kup bemängelt das Fehlen eines Datensicherungsplans.
Abbildung 3: Die empfohlene Art der Datensicherung hat Kup bereits angehakt.
Abbildung 3: Die empfohlene Art der Datensicherung hat Kup bereits angehakt.

Bei der Quellenwahl (Abbildung 4) können Sie Verzeichnisse und Dateien einbeziehen oder ausschließen. Im nächsten Reiter legen Sie das Ziel des Backups fest. Hier besteht die Auswahl zwischen Dateisystempfad und Externe Quelle. Bei Ersterem kann es sich um eine weitere eingebaute Festplatte oder eine eingehängte Netzwerkfreigabe handeln. Als externe Quellen gelten via USB angeschlossene Festplatten und Speichersticks oder auch SD-Karten und eSATA-Platten (Abbildung 5). Der Grund für das Auslagern externer Quellen liegt in der Funktion von Kup, automatisch ein Backup auf einen als Ziel definierten USB-Speicher vorzunehmen, den Sie zur Laufzeit anstecken.

Abbildung 4: Die Auswahl der zu sichernden Dateien.
Abbildung 4: Die Auswahl der zu sichernden Dateien.
Abbildung 5: Als Sicherungsziel kommen lokale, externe und Netzwerkspeicher infrage.
Abbildung 5: Als Sicherungsziel kommen lokale, externe und Netzwerkspeicher infrage.

Im nächsten Reiter legen Sie den Zeitplan für Ihre Backups fest. Hier bietet Kup drei Möglichkeiten an: Die Manuelle Aktivierung lösen Sie über das Kup-Icon im Systemabschnitt der Kontrollleiste aus. Datensicherungen in festen Zeitintervallen stellen Sie unter dem Punkt Zeitraum ein. Die etwas unglücklich übersetzte letzte Option Verbrauchte Zeit nimmt einen Sicherunglauf vor, falls der Rechner länger als das vorgegebene Zeitintervall eingeschaltet bleibt. Unterhalb davon legen Sie noch fest, ob Sie wünschen, dass Kup in jedem Fall vor dem Beginn eines Backups nachfragt.

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